Kreis Göppingen Züge stehen still und Fahrgäste werden schlecht informiert

Einfahrt des letzten IC 2095, der bis Freitag um 05.44 Uhr den Bahnhof Geislingen werktäglich in Richtung München verließ. Er wurde durch einen ICE ersetzt, der jedoch nicht in Göppingen und Geislingen hält.
Einfahrt des letzten IC 2095, der bis Freitag um 05.44 Uhr den Bahnhof Geislingen werktäglich in Richtung München verließ. Er wurde durch einen ICE ersetzt, der jedoch nicht in Göppingen und Geislingen hält. © Foto: Korbinian Fleischer
SWP/Korbinian Fleischer 14.12.2017
Donnerstagmorgen hatten es Bahnreisende schwer. So mancher Fahrgast, der im Filstal in einem Zug saß, musste lange auf eine Weiterfahrt warten. Die Probleme gibt es allerdings schon länger.

Donnerstagmorgen hatten es Bahnreisende schwer: Fahrgäste warteten in einem IR bei Amstetten – laut einer Bahndurchsage war ein Stellwerkausfall in Bräunisheim der Grund. Dort befindet sich allerdings kein Stellwerk, gemeint war offenbar jenes in Beimerstetten. Fahrgäste, die in Geislingen einstiegen, wurden nicht gewarnt, um vielleicht anderweitig in Richtung Amstetten/Ulm fahren zu können. Das berichteten Fahrgäste, die sich an unsere Zeitung gewendet haben.

Auch zwischen Gingen und Eislingen standen am Morgen mehrere Züge, da Gegenstände wegen des Sturms am frühen Morgen auf dem Glas lagen. Auf der Strecke zwischen Faurndau und Stuttgart bot sich am frühen Morgen das gleiche Bild.

Tatsächlich gibt es allerdings schon länger Probleme.

Seit Samstag fallen Züge teilweise ersatzlos aus

Bereits seit dem Fahrplanwechsel bei der Deutschen Bahn AG (DB) in der Nacht von Samstag auf Sonntag sind Fernverkehrszüge (IC, EC, ICE) teils massiv verspätet oder fallen komplett aus. Das wirkte sich zudem auf Nahverkehrszüge aus (RB, RE, IRE), die auf den gleichen Gleisen unterwegs sind und aufgrund der massiven Gleisrückbauten der vergangenen Jahre auch nicht mehr ausweichen können.

Am Montag fielen über 20 ICE-Züge in Deutschland ersatzlos aus. Dienstag und Mittwoch besserte sich die Lage ein wenig, bevor der Orkan in der Nacht vom Mittwoch auf den Donnerstag den Bahnverkehr wieder vor allem im Südwesten zum Erliegen brachte.

In der Region Stuttgart brach nach umgestürzten Bäumen auf Oberleitungen und Gleise wieder einmal der S-Bahn-Verkehr im Berufsverkehr völlig zusammen. Auch am Bahnhof Geislingen waren Zugausfälle und massive Verspätungen zu verzeichnen.

DB spricht lediglich von einer Weichenstörung

Die DB-Pressestelle begründete die wiederkehrenden Pannen im Bahnbetrieb diesmal mit einer Weichenstörung im Bahnhof Beimerstetten, wo die Züge aufgrund der Störung manuell mittels individuellen Fahraufträgen abgefertigt wurden. Diese Informationen drang allerdings zu den Fahrgästen im Bahnhof Geislingen nicht durch, denn selbst das „Begründungslotto“ der DB am Bahnhof Geislingen war am Donnerstagmorgen gestört: keine automatischen Ansagen und keine Zielanzeigen. Auch die Automaten hatten keine Verbindung zum zentralen Rechner.

Infos nur über das eigene Smartphone

Das Reisezentrum Geislingen war von den Störungen betroffen. Die Reisenden hatten lediglich die Möglichkeit, sich via Smartphone und Tablet zu informieren. Die dort genannten Gründe für die Zugausfälle sind den Bahnfahrern allerdings längst bekannt: Verzögerungen im Betriebsablauf, verspätete Bereitstellung des Zuges, Oberleitungsstörung, Gleiswechsel und Verspätung eines vorausfahrenden Zuges sowie umgestürzte Bäume im Gleis sind das täglich Brot der Bahnnutzer.

Während sich die Bahnpendler an Zugausfälle und Verspätungen seit Inkrafttreten des neuen Verkehrsvertrags mit der DB Regio AG im September 2016 inzwischen gewöhnt haben, verschlechterte sich die Verbindung in Richtung Ulm, Augsburg und München am frühen Morgen massiv. Seit Montag sind Bahnfahrer ab Göppingen und Geislingen 41 Minuten länger mit dem ersten Zug in die bayerische Metropole unterwegs oder erreichen München erst um 8.17 Uhr statt 7.32 Uhr.