Bad Ditzenbach Ziel ist Ausnahmegenehmigung

Gut zwei Dutzend Wanderer protestieren mit einem Marsch zur Ditzenbacher Hiltenburghütte gegen das Alkoholverbot. Damit der Anhänger leichter wird, trinken sie bei einer Rast Bier, Wein oder ein Schnäpsle.
Gut zwei Dutzend Wanderer protestieren mit einem Marsch zur Ditzenbacher Hiltenburghütte gegen das Alkoholverbot. Damit der Anhänger leichter wird, trinken sie bei einer Rast Bier, Wein oder ein Schnäpsle. © Foto: Margit Weber
Bad Ditzenbach / MARGIT WEBER 23.08.2016
Gut zwei Dutzend Wanderer sind zur Hiltenburghütte des Albvereins in Bad Ditzenbach gezogen, um gegen das dortige Alkoholverbot zu protestieren.

Der Schwäbische Albverein in Bad Ditzenbach will das Verbot des Landratsamtes, auf der Hiltenburghütte weiterhin Alkohol auszuschenken, nicht hinnehmen. Beim Protestmarsch, zu dem sich am Sonntagvormittag gut zwei Dutzend Mitglieder und Wanderer in der Ortsmitte trafen, verlangten sie eine Ausnahmegenehmigung, bis der Umbau des beliebten Ausflugsziels hoch über dem Ort abgeschlossen ist. Befreundete Ortsgruppen aus Deggingen, Aichelberg, Gosbach und Westerheim schlossen sich der Wanderung an.

Bier, Wein und das eine oder andere Schnäpsle gab es umsonst, die Geislinger Kaiserbrauerei, die Edeka-Märkte in Gosbach und Deggingen sowie Getränke Beer in Deggingen hatten die Alkoholika gestiftet.  Das Motto, unter dem das Ganze stand, lautete: „Ade Bier und Wein – warum sind manche Menschen so gemein.“

„Hört ihr Herren unsere Bitte, Wein und Bier gehört auf unsre Hütte“, reimte das Urgestein des Ditzenbacher Albvereins, Karl Jandl, zur Begrüßung. „Wandern wollen wir und einkehren – wir lassen uns Wein und Bier nicht verwehren.“ Dann ging es bei strahlendem Sonnenschein los – die Getränke zog ein Quad im Anhänger auf den Berg.

Unter den Teilnehmern waren viele ehrenamtliche Helfer, die seit Jahren, ja seit Jahrzehnten auf der Albvereinshütte Dienst tun. Unter ihnen Hüttenwart Karl Fuchs: „Seit 30 Jahren bin ich jetzt Hüttenwart und reiß mir für den Verein den Arsch auf, aber so was gab es bei uns noch nie. Unser Verein ist gespalten, nur weil ein paar Stänkerer alles kaputt machen wollen“, sagt er. Heidi Pachner und Elisabeth Knoblauch geht es ähnlich. Viele schöne Hüttenabende und Dienste hätten sie auf der Hütte erlebt. Dass dies nun vorbei sein soll, schmerzte alle.

Dennoch stand bei der Wanderung der Spaß am Wandern und der Gemeinschaft im Vordergrund und so ging es Schritt für Schritt auf den Berg hinauf. Hans Rainer Spieß erzählte, dass er richtig platt gewesen sei, als er die positive Resonanz auf die Protestwanderung gesehen habe. Unterwegs stoppte der Tross plötzlich – es gab etwas zur Stärkung. Damit der Wagen etwas leichter wurde, tranken alle ein Bier oder ein Glas Wein oder sogar ein Schnäpsle. Oben an der Hütte angekommen, warten schon weitere Wanderfreunde und ein lecker vorbereitetes Mittagessen für alle. Trotz der derzeitigen kritischen Lage waren alle sehr gut drauf und genossen den schönen Tag auf der Hütte. Zugleich hörte man aus den Gesprächen die Angst heraus, die jetzt im Raum steht. „Wie soll es nur weitergehen?“, fragte Hüttenwart Fuchs. „Die Wanderer wollen doch nach einer schönen Tour zu einem guten Vesper ein Bier oder ein Viertele trinken – des goht doch ed ohne – und wenn´s des nemme geit, ha no kommad au koine Leit mei ond älles, was mir ons da oba aufbaut hent, goht dr Bach na!“ Dabei hatte er Tränen in den Augen. Mit viel Herzblut hätten er und die vielen Kameraden auf der Hiltenburghütte Dienst getan, für alles gesorgt – und nun solle alles plötzlich vorbei sein? „Wenn jemand sterba däd, wär des für mi ed schlemmer, wie wenn ons oiner des wegnemmt.“

Karl Jandl geht es ebenso. „Seit 41 Jahren gibt es die Hütte, seither mache ich hier Dienste und auf einmal soll ich beschissen haben? Des isch fei allerhand“, spielte er auf den Verdacht an, beim Ditzenbacher Albverein gebe es schwarze Kassen. Auch ihm ist anzusehen, dass ihn das Ganze schwer getroffen hat. „Stänker“ hätten den Verein in zwei Lager gespalten und in Schieflage gebracht, sagen andere. Die Protestaktion finden alle gut. Sie solle Hoffnung geben, dass es im Albverein Bad Ditzenbach weitergeht und alles wieder gut wird.

Vorsitzender Rainer Maier hofft ebenfalls, dass es ihm gelingt, mit den Behörden eine gute Lösung für beide Seiten zu erzielen. Über die gute Resonanz auf die Aktion freut er sich. Maier will noch in dieser Woche einen Antrag auf eine Schankerlaubnis stellen und hofft auf ein gutes Ergebnis.