Revue Zeitreise mit „Conny und die Sonntagsfahrer“

Conny und die Sonntagsfahrer unterhielten im Uditorium mit leichten Melodien und hübschen Choreographien.
Conny und die Sonntagsfahrer unterhielten im Uditorium mit leichten Melodien und hübschen Choreographien. © Foto: Inge Czemmel
Uhingen / Inge Czemmel 03.05.2018

Das waren Zeiten, als Italien noch eine Fernreise war, Bikinis über den Bauchnabel reichten, überall hemmungslos geraucht werden durfte und 20 Mark beim Oktoberfest für zwölf Maß Bier reichten. Nach dem Motto „Einem geschenkten Barsch schaut man nicht hinter die Kiemen“ drückt der Berliner Straßenmusiker Freddy (Steffen Zünkeler, Bass) auf dem Handy die Gratis-App „Reise in die 50er“ und landet in der Wirtschaftswunderzeit, in der er sich erstmal nur mühsam zurecht findet.

Dort trifft er auf Conny (Eva Petzenhauser) und ihre Musiker Peter (Rainer Heindl, Gitarre) und Alexander (Thomas Stoiber, Akkordeon), die ihn mit „Komm ein bisschen mit nach Italien“ prompt als Bassisten für einen Fernsehauftritt in San Remo engagieren. Was folgt, zaubert dem Publikum – einige Damen sind stilecht im Tupfenkleid mit Petticoat ins Uditorium gekommen – ein immer breiter werdendes Grinsen ins Gesicht.

Das Zusammentreffen von gestern und heute birgt so manche Komik, die Conny und ihre Sonntagsfahrer herrlich ausdrucksstark auf die Bühne bringen. „Ein Handy? Was ist das?“ Ein Telefon, ohne Schnur? Das gibt’s doch gar nicht!“ Dafür einen DKW Junior, Baujahr 1958, dargestellt durch vier Stühle und ein Lenkrad. Mit dem hoppeln die vier Musikanten über holprige, kurvenreiche Straßen in Richtung Italien und singen Lieder, in denen es vor allem um Meer, Mond, Sterne, Sonne, Sehnsucht und die Liebe geht.

„Mandolinen und Mondschein“, „Der weiße Mond von Maratonga“, „Die Gitarre und das Meer“ – das Publikum wiegt sich in kollektiv zu den sehnsuchtsvollen Melodien und freut sich über witzig spritzige, mit viel „Dubadubada“ vermischte Titel wie „Sugar, sugar Baby“ oder „Für Conny tu ich alles“. Nicht nur das, es wird von selbst aktiv und bildet eins ums andere Mal einen textsicheren „Background-Chor.“ Zum Beispiel, als im Stadtpark die Laternen ausgehen oder die Herren der Schöpfung zu ahnen meinen: „Ich weiß, was dir fehlt.“

Zwischendrin gibt es amüsante Dialoge zwischen Conny, die statt Schokolade lieber einen Mann will, Freddys Berliner Schnauze und Schürzenjäger Peter. Snob Alexander hat immer mal wieder „Noch’n Gedicht“, und am Ende gibt es „Mille, mille Baci“ für alle.

Romantische, unbeschwerte Melodien, nett anzusehende Choreografien und eine Performance ohne Schischi und Akrobatik – dem Publikum gefällt die Zeitreise so gut, dass es gar nicht mehr zurück will in die Gegenwart. Es fordert „Noch ne Zugabe“, doch man soll ja bekanntermaßen aufhören, wenn es am schönsten ist.

Inge Czemmel