Meist ist er eindeutig. Ein Porträt ist und bleibt bei ihm ein Porträt, ein Granatapfel ein Granatapfel, eine Gans eine Gans. Egal ob Hans Nübold Grafiken zeichnet oder Objekte modelliert, gleichgültig ob in Bronze, Terrakotta, Porzellan oder Pappmaschee. Meist jedenfalls. Alternativdenken lässt die Frucht der Birne zu, die auch die Rückenansicht einer Frau sein könnte. "Die Meeresnymphe Thetis", so deutet Hans Nübold an. Die war schließlich in der Lage, sich in verschiedene Gestalten zu verwandeln.

Als Bildhauer ist Hans Nübold Perfektionist und Traditionalist. Mit seinen Plastiken und Objekten hält er die Bildhauerkunst der Antike hoch und platziert sie in der Gegenwart. Nübold scheut sich nicht vor einem derart gewagten Spagat. Ein Bildhauer der Klassik durch und durch, der zudem seine Motive und Ideen immer wieder aus der griechischen Mythologie schöpft und es auch mit Hölderlin hält. Dessen Spruch "Voll ernst das Spiel und heiter alle Arbeit" steht über der Ausstellung in der Adelberger Klostervilla in welcher der gebürtige Westfale Hans Nübold, der sich bei Fritz Nuss in Schwäbisch Gmünd und bei Marino Marini an der Mailänder Akademie der Schönen Künste sein klassisches Rüstzeug erwarb, überwiegend neue Plastiken, Grafiken und Objekte präsentiert. Gewichtige Kunst, die leichtfertig daherkommt. Jede Kunst sei die Erzeugung einer Illusion, sagt er. Die Illusion von einem Bild. Die demzufolge sich aufdrängende Frage, ob Kunst somit nicht in der Lage sei, Realität zu schaffen, wischt er zur Seite. Sie schaffe andere Realitäten, sagt er. Er deutet auf eine handlich geformte Eselskulptur, um verständlicher zu machen, was er sagen will. "Ein Esel sieht nicht so aus. Der aber sieht aus wie ein Esel."

Nübold hat Lieblingsmotive. Motive die immer wiederkehren. Varianten eines immer gleichen Themas. Entscheidend sei die Idee, die dahintersteckt. Sie erst verschafft dem Objekt eine gebührende Geltung. Etwa die erwähnten Granatäpfel und die Gans. Mit einer perfekt modellierten Gans aus Meißner Porzellan hat Hans Nübold vor ein paar Jahren einen bedeutenden Wettbewerb der Meißner Manufaktur gewonnen. Das schwebende kopflose Kopftuch aus Bronze und die Grafik einer zerknüllten Getränkedose sind von ein und derselben Idee beseelt, Falten und Kanten alternativ spannend darzustellen. Seine Zeichnungen sind für den Bildhauer nichts anderes als Skulpturen. Weil er sie mit dem Pinsel modelliert habe, wie er sagt. Selbst noch die Schrift hinter Glas betrachtet er als rein plastisches Objekt.

Info Öffnungszeiten der Ausstellung in der Klostervilla Adelberg: Fr. bis So. 14-18 Uhr (bis 1. November).