Besser hätten es die Donzdorfer nicht treffen können, Sonnenschein und frühlingshafte 15 Grad. Was will man mehr, um in der Lautertalmetropole den Fasnetsumzug zu genießen, am Straßenrand den Akteuren zuzujubeln und die fünfte Jahreszeit noch einmal in vollen Zügen zu genießen?

Aus nah und fern kamen am Sonntag die Zuschauer ins schwäbische Fasnetsdorf und die Macher des Umzugs zeigten sich und ihr Können von der besten Seite. Die Narrenschippe wurde ausgiebig geschwungen. Gleich 17 Motivwagen waren in wochenlanger Arbeit entstanden und keiner musste sich verstecken.

Dass die Narren immer mit wachem Auge das Zeitgeschehen verfolgen, wurde schnell klar. Gleich der erste große Motivwagen der „Klein Pariser Spitzbuben“ nahm Bürgermeister Martin Stölzle aufs Korn. Da wurde dann schon auf das Ende seiner Amtszeit geschielt und ihm prophezeit, dass er als Dschungelkönig Martin raus möchte aus der Lautertalmetropole, um von ganz weit weg sein Klein-Paris zu grüßen.

Wer kennt sie nicht, Disneys Meerjungfrau Arielle, die vor 30 Jahren noch in sauberen Gewässern ihre Runden drehte und nicht im immer größer werdenden Zivilisationsdreck der Meere, perfekt von den Donzdorfer „Konfetti Fetza“ in Szene gesetzt. Kohlöffel, Holzbrockeler und Fleckla dürfen beim Fasnetslindwurm natürlich nicht fehlen, genauso wenig wie die Tannenmänner oder die Tanzgarden, die gerne die Beine fliegen lassen. Auch die Radschellenschläger, die Hexen und Teufel gehören dazu und so manches Kind machte auch gestern ein ängstliches Gesicht, wenn die grimmig anzusehenden Gestalten kamen. Bonbons und Lutscher stimmten die Kleinen aber schnell versöhnlich.

Am Straßenrand war die Stimmung ausgelassen, mit Helau-Rufen wurden die Narrenzünfte und Donzdorfer Stammtische begrüßt. Es wurde zur Guggenmusik geschunkelt, gesungen und getanzt. Konfettiregen legte sich leise rieselnd über die Zuschauer und die gesamte Umzugsmeile. „Dieses Jahr werde ich zum ersten Mal nüchtern vom Umzug nach Hause gehen“, sagte eine junge Frau mit Blick auf ihre kleine Tochter und leisem Bedauern im Gesicht.

Robin Hood hilft Europa

Das politische Weltgeschehen hatten die Narren natürlich auch im Blick, Irlands Brexit, der vom Stammtisch Lombaglomb mit „Die Briten lernen aus ihrer Geschichte nicht, machen Grenzen, Mauern, Tore dicht. Robin Hood geht auch durch verschlossene Türen, holt uns für Europa die Brexit-Gebühren“ trefflich in Szene gesetzt wurde.

Ob leckendes deutsches Parteienschiff, Abgas-Skandal, autonomes Fahren oder Kohleausstieg, die passenden Motivwagen waren aufwendig, und mit ihnen legte das närrische Volk den Finger wieder in so manche Wunde. Aber die Donzdorfer verpacken nicht nur die ernsten Themen in bunte Narretei, sondern feiern auch ganz unbeschwert, zum Beispiel den 90. Geburtstag der Mickey Maus mit einer nicht enden wollenden Fußgruppe von Mickey- und Minnie-Mäusen.

Natürlich ist Star Wars wieder in aller Munde und allemal für einen Motivwagen gut, genauso wie Werner, der 30 Jahre nach dem Fluch seinen zweiten Versuch startet und als der „Red Porsche Killer“ seinem Namen jetzt alle Ehre macht.

Rund zwei Stunden schlängelte sich der Fasnetszug durch die Straßen, und den Beifall der tausenden Zuschauer hatte er allemal verdient.

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