Gearbeitet wird nicht tief im Wald. Keine Anfahrt über Feldwege, die tief verschneit sind. Aber das macht die Sache nicht einfacher. Holz gemacht wird hier gleich neben der Straße. Die ist zwar gesperrt, aber für die Holzfäller tabu. Die Bäume werden so umgelegt, dass sie in den Wald hinein krachen. Und das erfordert einigen Aufwand. Via Umlenkrolle werden die Bäume in die richtige Richtung gezogen, und die nötigen PS dazu kommen von einem großen, robusten Schlepper.

Seit Montag geht an der Straße von Wiesensteig herauf nach Schopfloch nichts mehr. Wo die Straße abzweigt, die sich den Albtrauf entlang schlängelt, vorbei am Reußenstein, steht eine Straßensperre. Die Zufahrt gilt nur noch bis zum Reußenstein-Parkplatz. Dahinter stehen Baken, die nicht nur gebieterisch aussehen, sondern auch die Straße blockieren. Trotzdem probiert immer wieder einer durchzufahren, sagt Daniel Fritz vom Forstamt.

Das Land ist hier Herr des Waldes. Ihm gehört das Waldstück, das sich hinter dem großen Hinweisschild auf das Biosphärengebiet auftut, und das den Eindruck erweckt: Hier beginnt der Landkreis Esslingen. Das ist nur am Hang der Fall, der steil abfällt Richtung Neidlingen. Oben auf dem Kamm sind wir noch ein Stück weit im Kreis Göppingen. Deswegen sind Daniel Fritz vom Forstamt Göppingen und der Wiesensteiger Förster Rainer Ohngemach hier. Und mit ihnen drei Trupps von Forstwirten, dazu noch Forstunternehmer Eckhart Bareiß.

Verkehrssicherung heißt das Programm. „Wir fällen Bäume, die für die nächsten zehn bis 15 Jahre ein Problem werden können“, sagt Ohngemach. Weil sie sich dem Licht entgegengereckt haben und schief wuchsen. Weil sie einen Zwiesel haben. Weil sie dürre Äste aufweisen oder Fäulnis in den Kronen. Der positive Effekt: „Die anderen Bäume bekommen mehr Platz. Das macht das Gefüge insgesamt stabiler“, sagt Förster Daniel Fritz.

Die Auslichtung muss regelmäßig alle zehn, 15 Jahre geschehen. Zuletzt war das vor zwölf Jahren. Nicht wenige Bäume müssen weichen. Auf 700 Festmeter kommt Förster Ohngemach – das mögen 300 oder 400 Bäume sein. Vor allem Buchen, aber auch Eschen, Eichen, Ahorn, Douglasien. Ein ganzer Korridor entlang der Straße wird durchgekämmt, so breit wie die Bäume hoch sind. Und die sind hoch. Bei 35 Meter dürfte die Linie der Baumwipfel liegen.

Das Wetter wird zum Gegenspieler. Schnee lag schon am Montag, als es losging und daraus wurde dann ein halber Meter. Dazu stürmisches Wetter und Schneetreiben. Oder diesig, dass man keine 50 Meter weit sieht. „Die Arbeit hier ist eigentlich Routine“, sagt der altgediente Vorarbeiter Gregor Mauch, der zur Türkheimer Truppe des Forstamts gehört und entlang des Albtraufs unterwegs ist. Von Geislingen bis Wiesensteig ist sein Gäu. Aber bei diesen Witterungsbedingungen sei das grenzwertig. Die Arbeiten wurden auch schon unterbrochen – am Mittwoch für den Rest des Tages. „Sicherheit geht vor“, sagt Fritz. Es gab auch bedenkliche Schneelasten auf den Bäumen. Gestern war’s noch der beste Tag. Da war’s „nur“ der Schnee, durch den die Forstwirte stapfen mussten.

Alles kein Zuckerschlecken. „Anstrengend“, sagt Azubi Tobias Daiß. „Gegen Ende des Tages lässt die Kleidung Nässe durch.“ Gut, dass es den Bauwagen am Reußenstein-Parkplatz gibt. Der ist für die Mittagspause. Da kann man wieder trocknen, sagt Vorarbeiter Jürgen Hald vom Revier Schlat. Trotz der Widrigkeiten. „Es macht Spaß“, sagt Azubi Dennis Zimmat.

Wenn’s nicht so dringlich wäre, hätte man die Forstwirte auch an anderen Tagen abgezogen und in ruhigere Ecken geschickt. Aber: Die Zeit läuft. Für zwei Wochen hat das Forstamt die Straßensperrung, da muss alles möglichst über die Bühne gehen. Förster Ohngemach hat keine Sorge. „Es läuft alles nach Plan.“

Drei Männer – ein Baum.  Rolf Wahl, Ausbildungsmeister am Forststützpunkt Bad Boll, und seine Azubis Tobias Daiß und Dennis Zimmat nehmen sich eine stattliche Buche vor. 35 Meter hoch, 60 Zentimeter Durchmesser. Sie bekommt ein Stahlseil umgelegt, das über eine Rolle zur Winde am Schlepper führt, der quer auf der Straße steht. Dreieinhalb, vier Meter hoch muss das Seil liegen, damit es ordentlich Hebelkraft entfaltet. Zimmat hat die große Motorsäge, er setzt zum Keilschnitt an, einmal, zweimal, dann ist der Fallkerb ausgesägt. Jetzt der Fallschnitt von der anderen Seite, es muss noch eine Bruchleiste bleiben von einem Zehntel des Stammdurchmessers, gerade mal sechs Zentimeter. Das will schon alles gekonnt sein. Zimmat hat schon Erfahrung. Achtung, Baum fällt! Der Trecker zieht den Baum um, das geht sogar mit Fernsteuerung.

Die stattliche Buche wird entastet, drei Männer lassen die Motorsägen aufheulen. Ruckzuck geht das, und Dennis Zimmat nimmt wie im Vorbeigehen schon mal Maß: 7,20 Meter sind Stammholz vom Feinsten. Das geht in den Export, sagt Förster Ohngemach, das nimmt der Käufer irgendwo in Asien als Möbelholz. Es könnte  auch Treppenholz werden, Holz für Böden oder Türen. Der andere Teil des Baums wird zu Paletten und Industrieholz verarbeitet.

Wermutstropfen: Nichts verdient


Aufwand  Bei diesem Holzeinschlag zur Verkehrssicherung ist nichts verdient, sagt Förster Ohngemach. Der Gewinn wird aufgefressen durch übermäßigen Aufwand.

Maschinen Jeder Trupp braucht einen Schlepper, das Vertäuen der Seile kostet Zeit. Auch die Straßensperrung kostet, sagt Ohngemach.

Fortsetzung Bei der Verkehrssicherung bleibt es nicht. Im Rückraum wird noch weiter Holz gemacht, dann auch mit Gewinn.