Göppingen / Franz Glogger/Christine Figl Die Bilanz zur Verkehrssicherheit im Bereich des Polizeipräsidiums Ulm fällt gemischt aus. Im Kreis Göppingen stieg die Zahl der Verkehrstoten im Jahr 2018 an.

Die Zahl aller Verkehrsunfälle ist vergangenes Jahr im Bereich des Polizeipräsidiums Ulm erstmals seit 2014 wieder zurückgegangen. Das berichtete Leiter Christian Nill bei einer Pressekonferenz zur Verkehrssicherheit in der Region. Im Kreis Göppingen, für den das Präsidium auch zuständig ist, erhöhte sich die Anzahl der Unfälle von 6640 (in 2017) auf 6740 (in 2018). Landesweit verringerte sich die Zahl leicht.

2018 starben 41 Menschen

Im gesamten Bereich des Ulmer Präsidiums stagnierte die Zahl der Verkehrstoten, 2017 und 2018 starben jeweils 41 Menschen im Straßenverkehr. Waren 2017 im Kreis Göppingen noch 3 Tote zu beklagen, starben vergangenes Jahr 6 Verkehrsteilnehmer. Besonders stark betroffen im Bereich des Präsidiums war der Landkreis Biberach mit 18 Getöteten. Im Stauferkreis nahm die Zahl schwerverletzten Unfallopfer ebenso zu wie die der Leichtverletzten. Senioren waren 2018 für weniger Unfälle verantwortlich als noch im Jahr zuvor.

Die Zahl der Fahrerfluchten ging verringerte sich leicht, im Landkreis Göppingen verließen Verkehrsteilnehmer im vergangenen Jahr in 1674 Fällen den Unfallort, ohne sich um den Schaden oder andere Beteiligte zu kümmern.

Alkohol, Drogen und Eile

Die Unfallursachen in allen Details auszumachen sei aufgrund des „sehr komplexen“ Verkehrsaufkommens sehr schwierig. In einigen Bereichen sehen Nill und der Leiter der Verkehrspolizeidirektion Manfred Burger aber klare Tendenzen. Für den Polizeipräsidenten haben drei Dinge überhaupt keinen Platz im Straßenverkehr: Alkohol, Drogen und Eile.

Burger legte sein Augenmerk auf die Zweiradfahrer, vom Biker mit 100 PS und mehr unterm Hintern bis zum Pedelec fahrenden Senior. Sorge bereitet ihm die Zunahme der tödlichen Unfälle von 10 auf 14. Einen besonders starken Anstieg gab es bei den Unfällen mit Pedelecs, die Anzahl stieg um ein Drittel auf 117 an. Als Ursache machten Burger und Nill eine Gemengelage aus. Sowohl der Anteil der Senioren als auch der der Pedelecs steigt, allgemein werde das Fahrrad als Verkehrsmittel neu entdeckt, und der vergangene warme Sommer lockte viele hinaus.

Die Folge: Wo mehr Zweiräder unterwegs sind, passieren mehr Unfälle. Für Burger ein Anlass an das Tragen eines Helms zu erinnern: „Zweiradfahrer haben keine Knautschzone.“

Schwerpunkt Alkohol-Kontrollen

Speziell an die Pedelec fahrenden Senioren gerichtet ist die Mahnung, dass die schnelleren Fahrzeuge entsprechend Konzentration, Reflexe und einen sicheren Umgang mit der Technik erforderten. Alles Eigenschaften, die im Alter nachlassen. Da auch die von Senioren verursachten Unfälle mehr werden, kündigte Nill an, dass die Polizei verstärkt ein Augenmerk auf die Verkehrstüchtigkeit legen wird: „Wir machen keine Jagd auf Senioren. Aber es ist wichtig, dass sie auch zum Fahren geeignet sind.“

Weitere Schwerpunkte des Polizeipräsidiums sind gezielte Überwachung an unfallträchtigen Strecken, der Start der Motorradsaison, Überwachung der Gurtpflicht, Handyverbot am Steuer und weiter Alkohol- und Drogenkontrollen. Dabei setzt die Polizei auf eine Mischung aus Information, Aufklärung und Sanktion. „Wir wollen die schweren und schwersten Ursachen drücken. Damit sich die Menschen in der Region auch im Straßenverkehr sicher fühlen“, sagte der Polizeipräsident.

Rudi Bauer: „Zahlen mit Sorge gelesen“

Rudi Bauer, Vorsitzender des Vereins „Initiative Sicherer Landkreis Göppingen“, äußert sich zu den Zahlen besorgt: „Verkehrsprävention ist eine Säule unserer Arbeit, ich habe die Verkehrsstatistik 2018 für den Kreis Göppingen mit Sorge gelesen.“

Das Zahlenwerk, das einen Anstieg von 9,5 Prozent der Unfälle mit Personenschäden oder 15,7 Prozent Unfälle mehr mit Schwerverletzte 2018 aufzeige, sei eine traurige Bilanz für den Landkreis Göppingen. Ebenso bei Vorfahrtsunfällen, die einen steilen Anstieg von 26 Prozent zu verzeichnen haben.

Bei genauer Betrachtung waren die „Jungen Fahrer“ im vergangenen Jahr an 7,4 Prozent mehr Unfällen beteiligt als im Vorjahr. Diese Unfälle stellten immer noch rund 20 Prozent aller Fälle mit Personenschaden dar – und dies bei einem Bevölkerungsanteil von nur rund 8,5 Prozent. Hier sei Prävention von allen verantwortlichen Stellen angesagt, ebenso bei den Unfällen mit Pedelecs, bei denen Senioren besonders schwer verunglückten.