Klinik Zahl der VRE-Keime geht zurück

Kreis Göppingen / Dirk Hülser 24.08.2018
In den Alb-Fils-Kliniken gibt es derzeit 23 Patienten, die mit den multiresistenten VRE-Keimen besiedelt sind. Ein Todesfall vom Januar ist noch immer ungeklärt.

Die Zahl der mit multiresistenten Erregern VRE besiedelten Patienten an der Klinik am Eichert und der Helfenstein-Klinik geht zurück: Waren es im Juni 37 Fälle, so berichten die Alb-Fils-Kliniken (AFK) nun von aktuell 23 betroffenen Patienten. Diese sind mit dem Darmkeim besiedelt, aber es ist keine Infektion ausgebrochen. Weiter ungeklärt ist ein Todesfall vom Januar, als eine mit VRE besiedelte Patientin in der Klinik am Eichert starb.

Mit 23 Fällen erreichen die AFK den besten Wert dieses Jahres. Im Februar waren es 33 gewesen, im März 40 und im Mai 49. Seit Ende 2015 hat vor allem die Klinik am Eichert ein Problem mit den Vancomycin-resistenten Enterokokken (VRE). Die Darmkeime sind resistent gegen das Antibiotikum Vancomycin.

Diese Enterokokken trägt jeder Mensch in sich, durch übermäßigen Antiobiotikaeinsatz in Medizin und Landwirtschaft sind die Bakterien bei mittlerweile fünf bis zehn  Prozent der  Menschen resistent. Davon geht zunächst keine Gefährdung aus. Gefährlich wird es erst bei einer Schwächung des Immunsystems etwa nach einem chirurgischen Eingriff oder wegen einer chronischen Erkrankung.

Androhung von Zwangsgeld

Kritisch wird die Situation in Krankenhäusern dann, wenn die resistenten Keime auf kranke und geschwächte Patienten übertragen werden. Ein mit VRE infizierter Mann starb im vergangenen Jahr in der Klinik am Eichert. Das Göppinger Gesundheitsamt drohte den Geschäftsführern der AFK zu Beginn dieses Jahres ein Zwangsgeld in Höhe von 50.000 Euro an, sollten sich die hygienischen Bedingungen nicht verbessern. Nun sehen sich die Kliniken auf einem guten Weg.

„So screenen die Alb-Fils-Kliniken überdurchschnittlich viel und sind damit deutschlandweit Vorreiter in der Erfassung multiresistenter Keime“, schreibt Pressesprecherin Christiane Karrar. Jeder Patient, der stationär aufgenommen wird, wird mittlerweile auf VRE untersucht. Großer Wert wird auch auf Händedesinfektion und die Reinigung der Zimmer gelegt. „Nur wenige Kliniken haben ein ähnlich aufwendiges Programm etabliert und verfügen über eine so gute Datenlage wie die Kliniken-GmbH“, meint Karrar.

Sie schreibt auf Anfrage auch: „Des Weiteren wurde den Kliniken vom Gesundheitsamt aktuell bestätigt, dass die vereinbarten Maßnahmen auf einem guten Wege sind.“ Sie verweist auch darauf, dass die Anzahl der Besiedelungen von der Klinik nur „teilweise beeinflussbar“ sei, „da diese Zahlen immer auch die Patienten mit einschließen, welche VRE mit in die Klinik bringen“.

Noch immer nicht geklärt ist die Todesursache einer Patientin, die mit VRE besiedelt und im Januar in der Klinik am Eichert gestorben war. Oberstaatsanwalt Stefan Adamski hatte bereits im Mai gesagt, die Ermittlungen gestalteten sich schwierig, da die Frau an diversen Krankheiten gelitten habe. Klinik-Sprecherin Karrar meint nun zu dem Fall: „Wir unterstützen die Kriminalpolizei aktiv auf Anfrage. Nach unseren Informationen läuft das Ermittlungsverfahren noch.“

Die Keime besiedeln jeden Darm

Bakterien Enterokokken sind Milchsäurebakterien, die die Darmflora besiedeln. Am häufigsten sind Enterococcus faecalis anzutreffen, außerdem finden sich oft Enterococcus faecium und weniger häufig Enterococcus gallinarum.

Resistenzen Die Bakterien sind notwendig für die Darmflora und werden erst zum Problem, wenn sie durch Antibiotika-Einnahme Resistenzen entwickeln oder ein Mensch sich mit resistenten Stämmen infiziert, etwa in einer Klinik. Die Übertragung findet oft über die Hände statt, Probleme bekommen am ehesten Menschen mit einem schwachen Immunsystem. Es kann dann zu Harnwegsinfektionen kommen oder zu einer Sepsis (Blutvergiftung).

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