Ebersbach Ebersbach hofft auf Geld für Neubau

Eine neue Mehrzweckhalle soll die bisherige Heimat des Turnvereins in Bünzwangen ersetzen. Etliche Schäden und Mängel schränken die Nutzung des über 80 Jahre alten Gebäudes ein.
Eine neue Mehrzweckhalle soll die bisherige Heimat des Turnvereins in Bünzwangen ersetzen. Etliche Schäden und Mängel schränken die Nutzung des über 80 Jahre alten Gebäudes ein. © Foto: GIACINTO CARLUCCI
Ebersbach / Tobias Flegel 19.04.2018
Die Stadt Ebersbach hat rund eine Million Euro an Zuschüssen für das 3,5 Millionen Euro teure Vorhaben beantragt.

In wenigen Wochen dürfte Klarheit darüber herrschen, ob Ebersbach dringend benötigte Zuschüsse erhält für eine geplante Mehrzweckhalle im Stadtteil Bünzwangen. „Die Entscheidung zur Bezuschussung des Projektes ‚Neue Halle’ wird im Mai 2018 im Kultusministerium gefällt“, sagte der Vorsitzende des Turnvereins Bünzwangen (TVB), Lars Fischer, bei der Mitgliederversammlung im März voraus.

Das geplante Gebäude soll die über 80 Jahre alte Heimat des Vereins in der Ortsstraße ersetzen, weil etliche Mängel und Schäden nur noch eine eingeschränkte Nutzung der bestehenden Halle und Anlagen erlauben. Ohne einen Zuschuss vom Land löst sich das Vorhaben jedoch in Luft auf, denn allein sind die veranschlagten Kosten von rund 3,5 Millionen Euro für den Neubau vom Verein und von der finanziell klammen Stadt Ebersbach nicht zu stemmen.

Nach dem Wunsch der Kommune soll Baden-Württemberg mehr als ein Drittel der Gesamtkosten für die Mehrzweckhalle übernehmen. Ebersbach hat im vergangenen Dezember Zuwendungen aus zwei in Frage kommenden Fördertöpfen beantragt: rund 310 000 Euro sollen aus dem Förderprogramm für Sportstätten fließen und 770 000 Euro aus dem kommunalen Ausgleichsstock. Von den restlichen 2,4 Millionen Euro übernimmt der Turnverein Bünzwangen rund 370 000 Euro für den Erwerb von Sondereigentum im Hallengebäude, für die Herstellung eines Vereinsraums sowie eines Geschäftsstellenbüros mit gleichzeitiger Archivfunktion. Die Stadt wiederum erstellt auf ihre Kosten die neue Halle einschließlich der Außenanlagen und der notwendigen Parkplätze. Die für das Neubauprojekt benötigte Grundfläche überträgt der Verein in Form einer Schenkung an die Stadt.

Bereits zur gleichen Zeit im vergangenen Jahr war Ebersbach mit einem Antrag auf Zuschüsse in Stuttgart abgeblitzt. Das Regierungspräsidium bescheinigte dem Vorhaben zwar grundsätzlich die Kriterien für eine Unterstützung des Landes zu erfüllen, doch die Stadt kam bei der Verteilung der Gelder 2017 nicht zum Zug. An diesen Umstand erinnerte der Hauptamtsleiter in seinem erneuten Antrag, den er im Dezember der Behörde zusandte. In seinem Schreiben führte Günther Pfeiffer zudem die Bedeutung eines Ersatzes für das marode Gebäude in dem Stadtteil an: „Das Bauvorhaben ,Mehrzweckhalle Bünzwangen’ ist für Ebersbach ein wichtiges Vorhaben“, schrieb er. Aus diesem Grund bitte er die Entscheidungsträger im Regierungspräsidium um „Verständnis und Wohlwollen“, wenn sie über die Bewilligung einer Förderung für das Vorhaben befinden.

Um die anstehende Entscheidung möglichst zu seinen Gunsten zu beeinflussen, hat sich der TVB im Februar schriftlich an die Landtagsabgeordneten aus dem Kreis gewandt. „Da sowohl die Stadtverwaltung als auch der Gemeinderat die Umsetzung des Vorhabens ‚Neue Halle’ Bünzwangen von der Bezuschussung durch das Land Baden-Württemberg abhängig machen, haben wir die dringende Bitte an Sie, uns in den entscheidenden Gremien zu unterstützen und die Zuschüsse zu befürworten“, appellierten Vorstand Lars Fischer und Schriftführer Alfons Huber an die Abgeordneten. Ohne neue Halle müsse der Verein den Sportbetrieb aus Gründen der Sicherheit einschränken. Falle das Vorhaben flach, könne außerdem das Angebot für die Jugend nicht erweitert werden und es komme der letzte verbleibende Ort für kulturelle Veranstaltungen abhanden, da fast alle Gaststätten im Ort geschlossen wurden.

Ihre Wirkung haben die deutlichen Worte nicht verfehlt. Alex Maier von den Grünen, Peter Hofelich von der SPD und der parteilose Heinrich Fiechtner sicherten dem Turnverein zu, sich für den Bau einer neuen Mehrzweckhalle einzusetzen. Dieses Versprechen gaben Maier und Fiechtner öffentlich ab, nachdem sie sich bei einem Treffen mit Vertretern des Turnvereis im Februar vor Ort ein Bild vom desolaten Zustand des bestehenden Gebäudes gemacht hatten. Peter Hofelich machte sich im Februar schriftlich bei der für Kultur, Jugend und Sport zuständigen Ministerin Susanne Eisenmann für eine neue Mehrzweckhalle stark.

Schon im vergangenen Jahr hatte sich Nicole Razavi von der CDU auf Landesebene für das Vorhaben eingesetzt. Nachdem der Antrag aus Ebersbach abgelehnt worden war, hatte sie sich im Mai 2017 erneut an Ministerin Susanne Eisenmann gewandt und sie gebeten, einen Zuschuss für den Bau der Halle im Jahr 2018 zu gewähren. Die Bemühungen der Parlamentarier hält der Bürgermeister von Ebersbach, Eberhard Keller, für aussichtsreich: „Es hilft auf jeden Fall, wenn unterstrichen wird, dass das keine Luxusinvestition ist.“

Bis zur Bekanntgabe der Entscheidung im nächsten Monat bleibt dem Turnverein Bünzwangen nichts anderes übrig, als auf einen guten Ausgang zu hoffen. „Die Stimmung ist verhalten optimistisch“ beschrieb Schriftführer Alfons Huber im März die Gemütslage vieler Mitglieder. Vorsichtig zuversichtlich sind auch die Antragsteller im Rathaus. Hauptamtsleiter Günther Pfeiffer spricht von „leichtem Optimismus“ in der Angelegenheit.

Als ein gutes Zeichen wertet er, dass das Regierungspräsidium vor etwa drei Wochen Genaueres über den Energieverbrauch und über die Bausubstanz bei der bestehenden Halle wissen wollte. „Wir haben es in die zweite oder dritte Runde geschafft“, glaubt Pfeiffer. Eine solche Anfrage habe es im vergangenen Jahr nicht gegeben. Ebersbach habe umgehend eine Expertise zur Energetik und Bausubstanz nach Stuttgart geschickt, die mit Hilfe eines Energie- und Umweltmanagers und des Vereins erstellt worden sei.

Die Pläne für die Mehrzweckhalle haben Stadt und Turnverein schon in der Schublade liegen. „Falls der Zuschlag kommt, kann es sofort losgehen“, sagt TVB-Schriftführer Alfons Huber. Besser würden die veraltete Heizung und andere Schwachstellen an Gebäude und Außenanlage nämlich nicht. Ob der ersehnte Ersatz bald Wirklichkeit wird in Bünzwangen, zeigt sich im nächsten Monat.

Vorstand des Turnvereins droht personell auszubluten

Belastung Zwei Mitglieder aus dem Vorstand des Turnvereins Bünzwangen (TVB) haben in der Mitgliederversammlung im März für 2019 ihren Rückzug angekündigt. Der Vorsitzende Lars Fischer will im kommenden Jahr aus dem Amt scheiden, weil er die im TVB anstehenden Aufgaben neben dem Beruf nicht mehr bewältigen kann. Neben Fischer will sich Finanzvorstand Volker Schock im nächsten Jahr von seinem Posten zurückziehen. Auch er machte auf „die umfangreiche Belastung und die zunehmenden Aufgaben aufmerksam“, heißt es im Bericht über die Versammlung. Schon jetzt sind im Vorstand die Ämter des Wirtschaftsführers und des Datenschutzbeauftragten unbesetzt.

Neubesetzung Die Ankündigungen des Vorsitzenden und des Finanzvorstands lassen dem Verein rund ein Jahr Zeit zum Handeln. „In Vorbereitung auf die kommende Wahlperiode 2019 hat der Verein nun die Möglichkeit, Kandidaten für die Vorstandsschaft zu nominieren und damit die weitere Existenz des TVB zu sichern“, berichtet Schriftführer Alfons Huber von der Mitgliederversammlung. Ein Fortbestand sei gefährdet, wenn der Vorstand wegen Überlastung aufgäbe: Dann käme der Verein unter Zwangsverwaltung.

Appell Finanzvorstand Volker Schock drängte die Mitglieder bei der Versammlung im März dazu, rechtzeitig Bewerber für die freien oder frei werdenden Stellen zu finden. „Besonders im Hinblick auf das anstehende Projekt ‚Neue Halle’ ist eine unterbesetzte Vorstandsschaft personell überfordert“, mahnte er.

Beliebtheit Abgesehen von den Lücken im Vorstand, scheint der Verein gut dazustehen. Nach Angaben des Schriftführers hatte der TVB im Jahr 2017 insgesamt 825 Mitglieder – Tendenz steigend. Fast ein Drittel davon seien Kinder und Jugendliche.

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