Rund 20 Teilnehmer aus Kommunen, Ministerien sowie einige Freiberufler nahmen an der zweitägigen Fortbildung teil. Die Maßnahme ist ein Baustein der Förderinitiative des Sozialministeriums mit dem Ziel, einen Pool aus geschulten Moderatoren zu bilden. Sie sollen künftig die Diskussion leiten im geplanten "Bürgerrat".

Die Massenproteste rund um Stuttgart 21 hätten zu dem Ergebnis geführt, dass mehr Konsens und Bürgerbeteiligung erforderlich sei. "Der Bürgerrat soll zum Mitreden und Mitgestalten anregen", erläutert Sabine Wettstein von der Geschäftsstelle Bürgerengagement aus Geislingen. "Denn ohne Bürger ist kein Staat zu machen", bekräftigt Ministerin Katrin Altpeter. "Unser Ziel ist eine politische Kultur des Dialogs und der Offenheit, die die Sicht und die Vorschläge und Ideen der Bürger und Bürgerinnen bei allen wichtigen Entscheidungen gezielt einbezieht."

"Beteiligung ist jedoch kein Wunschkonzert, sondern ein großes Lernfeld und muss von Bürgern, Verwaltung, Politik und Wirtschaft Schritt für Schritt erlernt werden", sagt Gisela Erler, Staatsrätin für Zivilgesellschaft und Bürgerbeteiligung des Landes. Die Energiewende und die Veränderung des Lebensstils mache eine intensivere und gewichtigere Bürgerbeteiligung nach dem Prinzip "auf Augenhöhe" erforderlich, die jetzt pionierhaft in Baden-Württemberg aufgebaut werde. "Die Engagierten von heute sind nicht die Engagierten von gestern. Sie haben den Anspruch, mitgestalten und mitentscheiden zu können", so Erler. Der Auslöser sei Stuttgart 21 gewesen. Zur Konfliktlösung sei erforderlich zu fragen: "Welches Bürgergift haben wir hier und wie gehen wir damit um?" Sie mache sich stark für eine Kultur des Respekts und Diskussionen müssten ergebnisoffen geführt werden mit Einbindung einer großen Öffentlichkeit. "Die Dynamik der Kaste der Wutbürger und die üblichen Verdächtigen" müssten "ins Konzept" miteingebunden werden, um zu guten Lösungen zu kommen, die von einer breiten Öffentlichkeit mitgetragen werden können, fordert die Staatsrätin.

"Wir müssen eine Kultur des Zuhörens entwickeln, den anderen ernst nehmen und Lösungen, die von den Bürgern gefunden wurden, auch wirklich umsetzen", so der Tenor der Diskussion der Teilnehmer. Das erfordere ein Umdenken in Politik und Gesellschaft, weg von Lobbyismus und eigener Vorteilsnahme, hin zum Denken zugunsten des Gemeinwohls. "Wie können wir das verlorengegangene Vertrauen in die Politik wiederherstellen und wie kann die Politik Vertrauen in die Bürgerschaft finden", fragt eine Teilnehmerin besorgt. "Unser altes System hat sich überlebt, wir brauchen einen Systemwechsel in der Politik", stellt der Kollege fest und findet deutliche Worte: Die Gewählten seien nicht mehr vertrauenswürdig. Der Vertrauensverlust werde an Personen fest gemacht, an Affären und Skandalen und viele Bürger wehrten sich gegen intransparente Entscheidungen. Eine Teilnehmerin gibt zu bedenken: "Wer wird sich die Macht nehmen lassen?" Aber alle sind sich einig, dass im Bürgerrat, dem Rat der Weisen, eine große Chance für die direkte Demokratie liege.