Versorgung Wünsche an die Telekom

Jürgen Schäfer 11.07.2018

Die Telekom will 6700 Haushalte im Vorwahlbereich 07164 mit schnellem Internet versorgen – in Bad Boll sollen es 2040 sein. Das eröffnete Regio-Managerin Haike Wenisch dem Gemeinderat. Anfang nächsten Jahres soll die neue Technologie stehen, die dann gleich oder später Geschwindigkeiten von mindestens 100 Megabits bringe, weil zum Vectoring das Super-Vectoring hinzu kommen soll, das bis zu 250 Megabits liefert. Die 100 Megabits würden also auf jeden Fall überall im Ausbaugebiet erreicht, so Wenisch. Im Neubaugebiet Bühl verlegt die Telekom gleich Glasfaser ins Haus.

Letzteres hörte der Gemeinderat gerne. Das Gremium hatte das Baugebiet mehrmals verschoben, jetzt ergibt sich daraus ein Vorteil, freute sich Bürgermeister Hans-Rudi Bührle.

Bührle ist froh, dass etwas passiert, hat sich aber auch geärgert, dass die Telekom das nicht früher gesagt habe, so dass man Baustellen hätte koordinieren können. Noch im Januar habe die Telekom gesagt: es geschehe nichts. Zum Glück habe die Gemeinde bei jeder Gelegenheit Leerrohre verlegt und auch mal Gehwege nur gepflastert, so dass sie leicht aufgegraben werden können. Immerhin: Es würden keine großen Strecken aufgerissen, weiß Bührle. Von Ende August bis Mitte Oktober soll das laufen. Es gehe nur um Gehwege, allerdings könnten Baumaschinen in der Straße stehen, sagt Bauamtsleiter Andreas Milde. So wie das in Gammelshausen zu besichtigen ist. Es werde in kurzen Abschnitten gebaut, erfuhr Reiner Pfefferle, der sich um die Nerven der Bad Boller sorgt. Die seien von immer neuen Großbaustellen „ausgelaugt“.  

2040 Haushalte – für Bührle ist das ein Wort. Nur: Es bleiben „graue Flächen“ im Gemeindegebiet, in denen Stand heute nichts passiert. „Das geht gar nicht“, moniert der Schultes. Und fassungslos ist er über ganz kleine weiße Flecken, die zwar mini sind, aber unter anderem die Schule betreffen: Die sei absolut unterversorgt. Und das bei einer Schule. „Das kann ja wohl nicht sein.“

Haike Wenisch nimmt die Wünsche mit nach Stuttgart. „Wir sind in der Klärung“, sagt sie zu den grauen Flächen. Sie verrät: „Wenn’s nach uns geht in der Region, dann machen wir alles.“ Aber die Entscheidung liege in der Konzernzentrale in Bonn.

Ob oder oder nicht – das sei eine Frage der Wirtschaftlichkeit. Wieviel muss die Telekom für die Leitungen pro Haushalt investieren? Muss sie aufgraben oder kann sie Leerrohre nutzen?  Aber auch: Ist noch Geld übrig? Die Telekom investiere über fünf Milliarden Euro bundesweit, sagt die Regiomanageri. Sie verlege über 40 000 Kilometer Glasfaser.

Die Telekom kommt nach Bad Boll mit einer „Brückentechnologie“ – Glasfaser bis zu den Verteilerkästen. Die letzte Meile bleibt dann Kupfer. Man kann das Kupferkabel auf die 250 Megabit hochtrimmen. Aber der Unterschied: Kupfer könne  2000 Gespräche übermitteln, Glasfaser dagegen acht Millionen, sagt Wenisch.

Die Perspektive: Bis 2025 oder 2030 kann das Glasfaser bis in die Häuser kommen, wenn aus dem „Projekt Stern“ etwas wird, an dem die Telekom und die Landkreise basteln. Hannes Baab (Grüne) übte grundsätzliche Kritik. Er verstehe nicht, warum man eine Brückentechnologie bringe, „wenn es eine bessere Lösung gibt“. Seine Fraktionskollegin Dorothee Kraus Prause will geklärt haben, ob sich der Ausbau mit den Bemühungen des Landkreises verträgt. Dessen Wirtschaftsförderer Alexander  Fromm war in der Verbandssitzung des Raums Bad Boll im April über die Telekom-Pläne total verblüfft. Was bringe die Telekom jetzt den Vectoring-Ausbau, wo er doch über die Vollversorgung mit Glasfaser mit ihr verhandle. Kraus-Prause: „Mit geht das heute etwas schnell.“ Fromm wird nun um eine Stellungnahme gebeten, was aber an dem Lauf der Dinge nichts mehr ändert. Die Telekom muss nicht fragen, ob sie Glasfaser durchs Dorf ziehen, kann, und so kommen die Baustellen auf Bad Boll zu.

Unstrittig war: Die Gemeinde hängt sich mit Leerrohren an. Die Kosten sind noch nicht bekannt.

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