Kulturstätten Wow – und dann staunen sie

Annika Kowatzki ist  – gemeinsam mit einem Kulturausschuss– für das kulturelle Programm im Residenzschloss verantwortlich. Rainer Klambt kümmert sich um die Technik.
Annika Kowatzki ist  – gemeinsam mit einem Kulturausschuss– für das kulturelle Programm im Residenzschloss verantwortlich. Rainer Klambt kümmert sich um die Technik. © Foto: Foto. Claudia Burst
Wiesensteig / Von Claudia Burst 31.08.2018

Meistens fehlen den Künstlern die Worte, wenn sie das erste Mal den Residenzsaal im Wiesensteiger Schloss betreten. „Oft heißt es dann bloß Wow – und dann staunen sie“, erzählt Annika Kowatzki lachend von ihren Erfahrungen. Die 28-jährige Haupt- und Kulturamtsleiterin ist seit vier Jahren für die Kultur im Schloss – gemeinsam mit einem Kulturausschuss – verantwortlich.

Es ist ein wahrhaft königliches Ambiente, das Künstler wie Besucher im Schloss erwartet. Dort, wo einst Grafen und ihre Gemahlinnen schwelgten und tanzten, finden heute Veranstaltungen für bis zu 400 Besucher statt.

Riesige Messing-Kronleuchter hängen von der edlen Holz-Kassettendecke im Saal. Diese stammen zwar nicht tatsächlich aus der Renaissance, füllen aber die Raumhöhe und passen sich dem herrschaftlichen Ambiente an. „Das sind Eigen-Kreationen von Paul Anschütz. Er hat die Leuchter selber entworfen“, weiß Rainer Klambt, der für die gesamte Technik in den städtischen Gebäuden zuständig ist. Paul Anschütz war der Architekt, der das Schloss von 1983 bis 1986 grundlegend sanierte.

Das Veranstaltungsangebot im Residenzsaal ist vielseitig. Da das Schloss von der Stadt an das Hotel-Gasthof „Am Selteltor“ verpachtet ist, finden hier häufig Hochzeiten, Tagungen und andere Feste statt.

Darüber hinaus füllen die Wiesensteiger Vereine den Saal mit Leben dank Theateraufführungen, Konzerten der Stadtkapelle oder mit Fasnetsveranstaltungen.

Fünf- bis siebenmal pro Jahr nutzt die Stadt das 463 Jahre alte Schloss für Kultur: Sowohl Kabarett und Comedy als auch Musikveranstaltungen finden hier dann statt. „Neuerdings sind es Live-Multivisionen, die unsere Besucher faszinieren“, erzählt Annika Kowatzki. In diesem Jahr waren es bereits Dirk Rohrbach, der mit dem Kanu den Yukon entlang bis zum Beringmeer paddelte und davon fesselnde Bilder mitbrachte sowie „Huber-Bua“ Thomas Huber, der die Besucher im vollen Saal mit seiner Foto-Film-Livereportage in seinen Bann zog. „Im November kommt noch Christian Rottenegger, der mit dem Fahrrad von zu Hause losfuhr und dann 8000er bestieg. Auch er nimmt die Leute zu diesem Abenteuer mit.“

Im Schloss Wiesensteig steht neben dem großen Residenzsaal noch ein weiterer Veranstaltungsraum im Erdgeschoss zur Verfügung, der Kreuzgewölbesaal. „Der ist kerniger, uriger“, beschreibt die Kulturamtsleiterin.

Während im Residenzsaal mit seiner großen Bühne, der fest installierten Beschallungsanlage und professionellen Beleuchtung alles zur Verfügung steht, was Künstler oft fordern, muss unten manchmal improvisiert werden. „Wir haben eine Beleuchtungs- und Beschallungsanlage, die sich bei Bedarf flexibel aufbauen lässt“, verrät Rainer Klambt.

Allerdings ist wegen der Säulen des Kreuzgewölbes auch der Blick von manchen Plätzen aus eingeschränkt.

„Aber wenn der Künstler flexibel ist, sich im Saal bewegt, dann ist das hier ein toller Ort“, schwärmt Annika Kowatzki. Diese Erfahrung hat sie im vergangenen Jahr mit der Veranstaltung „Kabarett und Kulinarisches“ gemacht, bei der der Voralbkomödiant Thomas Schwarz den Saal fast zum Beben gebracht hatte, weil die Leute so lachten. „Das wollen wir im November wiederholen.“

„Dann kocht wieder das Hotel Selteltor, dieses Mal kommt der Klavier-Comedian David Harrington und sorgt für die richtige Stimmung“, sagt sie.

 Was war Ihr schönstes Erlebnis?
„Das ist immer, wenn die Simon & Garfunkel Revival Band kommt. Weil da jeder im Saal so richtig mitgeht“, findet Annika Kowatzki, erinnert sich aber auch mit Begeisterung an die „Queens of Piano“. Rainer Klambt schwärmt von Grachmusikoff, „das ist richtig gut und eher so meine Richtung.“ Wobei er auch die Multivisions-Show von Michael Martin „einfach genial“ fand.
Das größte Lob?

Annika Kowatzki fällt „das größte Lob“ nicht ein. „Es ist jedes Mal aufs Neue klasse, wenn die Leute mit einem Lachen im Gesicht rausgehen und sagen, dass sie so einen schönen Abend schon lange nicht mehr hatten.“
Gab es einen besonders peinlichen Zwischenfall?

„Ja, als Thomas Huber da war im Mai mit seiner Multi-Visions-Show. Da fiel nach 20 Minuten plötzlich der Computer aus. Blue Screen. Huber hat souverän reagiert, er bekam Hilfe aus dem Publikum, nach fünf Minuten war das Problem beseitigt. Aber für mich war das eine Ewigkeit und ich habe Blut und Wasser geschwitzt.“
Wen wollen Sie unbedingt noch im Wiesensteiger Schloss sehen oder hören?

Gerhard Polt wäre klasse – aber die Chancen sind gering.

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