"Ja, und heute gabs noch einen Kräuterlikör. Da ist Frauchen los aufs Gütle, hat Rosmarin, Thymian, Salbei, Minze und Zitronenverbene geholt. Dazu kamen Fenchelsamen, Kaffee und Kandiszucker mit rein, und das ganze wurde mit Wodka aufgefüllt. So, das muss jetzt noch zwei Monate durchziehen. . .", schreibt "Fräulein Almuth" über das Leben auf der Wiese im Internet-Blog.

Almuth ist kein Mensch, sondern eine Thüringer Waldziege, eine vom Aussterben bedrohte Rasse. Genauso wie Schafbock "Klitschko", der zur Gattung der "Ostpreußischen Skudden" gehört. Hinter "Frauchen" verbirgt sich Patricia Schmieg, die mit ihrem Mann Wolfgang Besitzerin des kleinen, über 15-köpfigen Privatzoos ist. "Nicht vergessen werden darf unsere Beagledame Irmela sowie die zwei Australian Shepherds Ginger und Lutz", verrät die Tierliebhaberin.

2001 zog das Ehepaar von Göppingen nach Uhingen-Baiereck, wo sie Jahre später ein altes Bauernhaus von anno 1730 erstanden. Seitdem wird dort gewerkelt. Eine Photovoltaikanlage kommt aufs Dach, aus dem Anbau entsteht ein größeres Zimmer für ihren zehnjährigen Sohn Mattis. Sind beide nicht gerade mit dem Umbau beschäftigt oder im Berufsleben eingespannt, Wolfgang Schmieg arbeitet in Stuttgart als IT-Berater, seine Frau Patricia im Göppinger Jobcenter, geht es ein paar hundert Meter weiter auf ihre Wiese, liebevoll "Gütle" genannt.

Inmitten urwüchsiger Wildnis in Hanglage, umrahmt von riesigen Bäumen, Sträuchern und dem Lohbach, sieht man Grün, so weit das Auge reicht. Nur unterbrochen von einer Sitzecke, einem kleinen Gewächshaus und einem eingezäunten Minigarten sowie mehreren selbstgezimmerten Hochbeeten, einfach und zweckmäßig. Das sind je fünf Bretter, mit schwarzer Plastikfolie ausgekleidet, Erde und Saatgut rein, und Gemüse, Kräuter, Salate und Co. können wachsen. "Nicht immer, aber immer öfter", sagt Patricia Schmieg lachend und ergänzt: "Schuld daran sind mal wieder die Schnecken, denen scheinbar nichts zu steil ist. Die haben mir fast den ganzen Rosenkohl gefressen." Doch die 46-jährige "Gutsbesitzerin" nimmt es gelassen, schließlich gehöre das zur Natur. Auch ständiges Hacken oder Unkrautzupfen ist nicht ihr Ding.

Mehr Spaß haben die Schmiegs beim Stöbern nach preiswerten Gartenutensilien. "Das Gewächshaus hat nur 70 Euro gekostet. Dafür mussten wir es allerdings im größten Schneegestöber selbst abbauen. Darauf bin ich richtig stolz", verrät die sportliche Frau, die ab und zu ganz naturbelassen mit dem Rad zur Arbeit fährt. Auch an der Kultivierung alter spinatähnlicher Gemüsesorten wie "Roter Heinrich" oder "Rote Melde" haben beide ihre Freude. Stolz ist Patricia Schmieg auf ihre ausgesäten Artischocken. "Obwohl es die hier eher selten gibt, konnte ich letztes Jahr zwanzig Stück ernten". Diverse Salatsorten, Kartoffeln, Knoblauch, Stangenbohnen, Vespergurken, Zwiebeln sowie außergewöhnliche Tomatensorten wie aus Kasachstan, wachsen hier im "Tal der Frohen".

Schritt für Schritt kommt das naturverbundene Ehepaar ihrem Ziel näher: "In ein paar Jahren wollen wir Selbstversorger sein". Dank heimischer Presse und Mühle wird bereits Saft oder Most aus Äpfeln, Birnen mit einem Hauch von Quitten produziert. Holundersirup, Kräuterlikör oder -salz, alles was geht, wird selbst gemacht. Selbst die Tiere tragen dazu bei. Ob als umweltfreundliche Rasenmäher oder als Woll- Milch- und Käse-Lieferanten, Schafe und Ziegen gehören zur Familie längst dazu.