Urlaub Wohin mit dem Haustier in der Urlaubszeit?

Kreis Göppingen / Von Angelina Neuwirth 18.08.2018

Hündin Lotte ist erst sieben Monate alt und hat bereits ihren achten Umzug hinter sich. Sie wechselte immer wieder den Besitzer. Der letzte gab sie schließlich ab, angeblich, weil er in den Urlaub gehen wollte – er holte die Hündin aber nie wieder ab. „Bevor man sich ein Tier zulegt, sollte man sich Gedanken machen, wie und wo das Tier artgerecht unterkommt, wenn man in den Urlaub geht“, sagt Annette Schaum, die Leiterin des Tierheims Obere Roggenmühle. Dort ist Lotte jetzt.

Schaum erzählt, dass die meisten Menschen bei der Abgabe ihrer Tiere gar nicht sagen, dass sie verreisen. „Meistens werden Allergien vorgeschoben.“ In der Urlaubszeit kämen vor allem Katzen ins Heim. „Wir sind aber nicht verpflichtet, diese Tiere aufzunehmen“, macht Schaum deutlich. Bei Ablehnung setzten manche Menschen sie unter Druck, Schaum kennt Aussagen wie „Wenn ihr es nicht nehmt, setzen wir es aus“ und sagt: „Wir erinnern die Tierhalter dann daran, dass sie sich damit strafbar machen.“

Im Tierheim bei Türkheim muss man eine Abgabegebühr zahlen. Aber: „Viele Leute bringen ihre Haustiere dann als vermeintliche Fundtiere, um diese Gebühr zu umgehen“, sagt Hans-Georg Hoffmann, der Vorsitzende des Tierschutzvereins Geislingen. Dagegen könne man nichts machen, außer die Tiere anzunehmen – „denn sonst werden sie womöglich an Straßen ausgesetzt und kommen dann traumatisiert und verletzt zu uns“. Während der Urlaubszeit werden jedoch nicht mehr Tiere abgegeben als sonst, sagt  Gabriele Hagmann, die das Tierheim bei Türkheim leitet. „Im Jahresdurchschnitt gesehen kommen die meisten Tiere im September zu uns.“ Aber nicht nur die gewöhnlichen, kuscheligen Vierbeiner werden abgegeben – auch Exoten landen in Türkheim. „Wir geben sie dann an Pflegestellen oder Experten weiter, denn es ist unsere Aufgabe, eine artgerechte Unterbringung zu gewährleisten“, erklärt Hagmann.

Bei der Katzenhilfe in Donzdorf ist in den Sommermonaten volles Haus, berichtet Carl Friedrich Giese, der Vorsitzende des Tierschutzvereins. Katzen würden jedoch nicht nur im Sommer ausgesetzt. „Die Besitzer lassen sie einfach nicht mehr ins Haus“, sagt Giese. Trotz vieler Katzen mit Jungtieren seien zur Zeit aber immer noch ein paar Plätze in der Pension frei, die der Tierschutzverein anbietet.

Vielen Tieren macht die Abgabe im Tierheim zu schaffen: „Katzen mögen grundsätzlich keine großen Veränderungen in ihrer Umgebung“, erklärt Giese. Besonders schwierig sei die Situation für ältere Einzeltiere, die zu ihren Haltern eine Beziehung aufgebaut hätten – die könne man nicht ersetzen.

Viele Aufträge für Tiersitterin

Auch Tamara Jatta aus Geislingen bietet Haustieren eine Obhut. Die Frührentnerin betreut Hunde und Katzen, wenn deren Besitzer in den Urlaub gehen oder kurzfristig ins Krankenhaus müssen. „Früher war ich auch eine Pflegestelle für Hunde aus dem Tierheim, die traumatisiert oder aggressiv waren“, erzählt die 43-Jährige.

Kurz vor den Sommerferien habe sie extrem viele Anfragen bekommen, darunter auch aus Süßen oder Eislingen. „Ich nehme aber immer nur einen Hund – es sei denn, es sind mehrere Tiere aus demselben Haushalt“, erklärt sie. Mit den Besitzern bespreche sie dann die Bedürfnisse der Tiere, die meist für zwei Wochen bei ihr bleiben. Futter, Medizin und das Bettchen bringen die Tierhalter selber mit, um alles andere kümmert sich Jatta. „Ich bin aber keine Hundepension“, sagt sie mit Nachdruck: „Bei drei oder vier Hunden kann man auf den einzelnen Hund nicht mehr so gut eingehen.“

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