Um mehr Gäste ins Thermalbad zu locken, hat der Bad Überkinger Gemeinderat die Camper ins Visier genommen. Seit im hinteren Bereich des Parkplatzes einige Stellflächen für Wohnmobile samt Stromanschluss ausgewiesen wurden, steuern immer mehr Mobilisten die Ortsmitte an. „Und die besuchen auch unser Bad“, sagte Bürgermeister Matthias Heim in der Ratssitzung am Donnerstagabend. Der Schultes will den Campern den Aufenthalt noch angenehmer gestalten und plädierte für eine Entsorgungsstation für die Fäkalien samt Wasseranschluss. Wenn die mobilen Gäste gegen Gebühr ihre Bordtoilette leeren und Frischwasser tanken könnten, kämen vielleicht noch mehr Touristen nach Bad Überkingen und ins Thermalbad, so Heims Idee. Damit stieß er eine über einstündige Diskussion an, in der sich sämtliche Ratsmitglieder zu Wort meldeten, etliche auch mehrmals.

Der Stein des Anstoßes war nicht der Vorschlag an sich, sondern die Frage, wo eine solche Station hingehört. Hans-Frieder Walz schlug als Standort eine Fläche bei der Brücke über die Fils in der Nähe der Stellplätze vor. Diese sei etwas abgeschottet. Allerdings müsste eine Wasserleitung dorthin verlegt werden. Die Lösung gefiel Bürgermeister Heim, der die Station am liebsten noch vor der Sommerpause installieren wollte. „Ich sehe in den Campern durchaus ein Potenzial.“ Auch Reinhard Straub sprach sich dafür aus, zumal der Wohnmobilplatz noch attraktiver werde.

Doch die Mehrzahl am Ratstisch war mit dem Standort auf dem Parkplatz nicht glücklich. Petra Herb will so nah am Thermalbad keine „Güllegrube“, ebenso Alexander Geis – „dort stinkt es dann vor sich hin.“ Daniel Thurner hält den jetzigen Platz für Wohnmobile auch ohne Entsorgungsmöglichkeit für attraktiv genug.

Um eine bessere Kontrolle zu haben, wollten einige Räte die Entsorgungsstation lieber beim Bauhof in Hausen wissen. Das wiederum rief die Befürworter auf den Plan. Beim Bauhof, direkt an der B 466, könnte eine solche Anlage „überregionale“ Bedeutung erlangen – mit anderen Worten: „Beim Bauhof lädt dann Hinz und Kuntz sein Sach‘ ab“, wie es Hans-Frieder Walz formulierte. Dann doch lieber auf dem Parkplatz, weil die Camper vor Ort aufeinander aufpassen würden.

Dieter Clauß brachte eine ganz andere Variante ins Spiel: Wenn man schon mehr Camper als Badegäste anlocken wolle, „dann müssen wir es richtig machen“. Die paar Stellplätze auf dem ohnehin schon beengten Parkplatz seien nicht genug. Und daher auch die Kosten für die Station samt Anschluss von 15.000 Euro zu hoch. Clauß favorisiert einen neuen, größeren Platz für die Reisemobile. Als Vorschläge wurden der Parkplatz an der Autalhalle (Alexander Geis) und die im Zuge der Hochwasserschutzarbeiten geschaffene Freifläche beim TSV-Sportgelände (Jürgen Grösser) genannt.

Um die festgefahrene Diskussion zu beenden, stellte Werner Straub den Antrag, das Thema zu vertagen: „Wir brauchen jetzt keinen Schnellschuss.“ Gegen die Stimmen von Matthias Heim und Reinhard Straub wurde der Antrag mehrheitlich angenommen. Laut Bürgermeister ist nun der Gemeinderat am Zug. Aus Mitte der Gremiums erwartet er nun Vorschläge, wie es weitergehen soll.