Ausflug Wo der Wind weht und die Sonne scheint

Beim Wind- und Wetterpark bei Stötten steht die Windkraft im Mittelpunkt. Zudem können sich die Besucher als Zeiger einer Sonnenuhr versuchen.
Beim Wind- und Wetterpark bei Stötten steht die Windkraft im Mittelpunkt. Zudem können sich die Besucher als Zeiger einer Sonnenuhr versuchen. © Foto: Jochen Horndasch
Böhmenkirch/Stötten / Jochen Horndasch 10.08.2018

Alle reden vom Wetter. Auch Matthias Nägele, Bürgermeister von Böhmenkirch, macht dabei keine Ausnahme. Vor 28 zahlenden Gästen referiert er auf dem Schnittlinger Berg zwei Stunden lang über Wind und Wetter und wurde seiner Aufgabe bestens gerecht.

Denn im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Sommer der VerFührungen“ stand kürzlich ein kurzweiliger Spaziergang über den 4,2 Kilometer langen Wind- und Wetter-Erlebnispark bei der Wetterwarte Stötten auf dem Programm. Nach einer Planungs- und Bauzeit von sieben Jahren wurde der vom Verband Region Stuttgart mitgetragene Park im September 2017 offiziell eröffnet.

70 000 Euro für Parcours

Da die Gemeinde Böhmenkirch als Veranstalter auftrat, lag nichts näher, als Schultes Nägele als Gästeführer zu rekrutieren. Unterstützung auf Augenhöhe bekam er von Sonja Pfau, Umweltbeauftragte der Stadt Geislingen. Und das ist kein Wunder: Schließlich hatten die Stadt Geislingen und die Gemeinde Böhmenkirch jeweils zur Hälfte die benötigten 70 000 Euro geschultert, die der interaktive Parcours zu den Themen Wind, Wetter und Energie kostete.

Bei nahezu 40 Grad und strahlendem Sonnenschein zeigte das vorwiegend ältere Publikum keine Ermüdungserscheinung und folgte auf Schritt und Tritt  Matthias Nägele von Station zu Station. Der faszinierende Ausblick ins Neckartal, zum Flughafen Echterdingen und auf die Fildern, nach Geislingen und ins Obere Filstal sowie über die hügelige Schwäbische Alb wurde nur durch die 60 Windkraftanlagen beeinträchtigt, die das traumhafte Panorama störten. Doch die Energiewende hat halt ihren Preis und exemplarisch dafür ragen Windräder in den Himmel, deren Geschichte, Funktions- und Betriebsweise Nägele erläuterte.

Vorreiter bei der Windkraft

Das erste deutsche Testfeld für Windkraftwerke sei 1956 auf der windigen Anhöhe bei Stötten entstanden. Die von dem Stuttgarter Flugingenieur Ulrich Hütter entwickelte Anlagen hatten eine Leistung von rund zehn Kilowatt und wurden bundesweit rund 200 Mal verkauft. Doch die Zeiten haben sich geändert. Anlagen mit einer Leistung von bis zu 7000 Kilowatt und einer Gesamthöhe von 220 Metern – so hoch wie der Stuttgarter Fernsehturm – sind heute Stand der Technik und sollen mit zum Gelingen der Energiewende beitragen.

Doch dazu muss der Wind blasen, dessen Geschwindigkeit an einem einfachen Modell erklärt wird. Die Skala reicht von einer leichten Brise bis hin zum Orkan und alles kann mit Lungenkraft simuliert werden. Ein Karussell, an das ein Generator angekoppelt ist, erzeugt Strom. Je schneller sich das Karussell dreht, desto mehr Kilowattstunden werden erzeugt. Diesem Prinzip folgt auch die Windenergie. Je stärker der Wind bläst, desto mehr elektrische Energie speisen die Anlagen ins Netz.

Spielerisch, hautnah und spannend wird die Info präsentiert, die eher für ein junges Publikum konzipiert ist. Nach gut zwei Stunden und einer kurzen Trinkpause war der Ausgangspunkt erreicht. Der Wind- und Wettererlebnispark mit seinen zwölf Stationen mitsamt den Erläuterungen von Matthias Nägele und der Umweltbeauftragten Sonja Pfau hat manch neue Erkenntnisse geliefert, wobei er zweifellos in erster Linie für Kinder und Schulklassen entwickelt wurde. Dennoch waren die 28 Gäste allesamt zufrieden und freuten sich nach der schweißtreibenden und schattenlosen Runde auf den Bus, der sie zu einem kühlen Getränk in die Obere Roggenmühle chauffierte.

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