Die Veranstaltung im Göppinger Kreissparkassenforum war ausverkauft und die Zuhörer erlebten einen höchst unterhaltsamen Abend mit Michael Rossié, der als Schauspieler ganz in seinem Element war. Er faszinierte sein Publikum mit einer fantastisch variablen Stimme, indem er Alltagsgespräche, die jeder schon mal erlebt hat und die nicht zum gewünschten Erfolg führten, durch eine neue und bewusste Herangehensweise auseinandernahm.

Seine Botschaft: Rhetorik-Trainings bringen nicht viel, denn nicht das, was jemand sagt, ist entscheidend, sondern die Botschaft, die darunter liegt. „Verhalten Sie sich also einfach so, wie Sie sind, und sprechen Sie auch so.“ Bezugnehmend auf Paul Watzlawick, bekannt durch sein Buch „Anleitung zum Unglücklichsein“, unterschied Rossié eine Sachebene und eine Beziehungsebene in einer Aussage. Mit vielen Beispielen machte er deutlich, dass unter der Sachaussage eine ganz andere Botschaft stecken kann.

Ein Ja kann auch Nein bedeuten

Mit einem Ja, das auch ein Nein bedeuten kann, verblüffte er in etwa zwanzig Variationen das Publikum, nicht ohne zu erwähnen, dass er das auf 150 verschiedene Arten sagen könne. Oder ein „Du-uh, Schatz“ einer Frau, das bei ihrem Mann die Alarmglocken schrillen lasse, weil darunter die Botschaft stecke, dass sie etwas von ihm möchte, was sie  verstecken wolle. Am Beispiel, „Möchten Sie einen Kaffee?“, mit ganz verschiedenen Untertönen verdeutlichte Rossié die eigentliche Botschaft, was man mit jedem Satz machen könne. Wenn kein Unterton vorhanden sei, ergebe es „marschierende“ Sätze, es seien aber „tanzende“ Sätze erfolgreich.

Rossié zeigte, dass man mit Freundlichkeit mehr erreiche als mit Kritik. Kritik sei von oben herab, erzeuge eine Rechtfertigung, betone den negativen Aspekt, obwohl der Angesprochene am besten wisse, wie er etwas hätte besser machen können. „Geben Sie ein Feedback, was eine Bitte um Hilfe ausdrückt, indem Sie sagen, wie es Ihnen beispielsweise mit einer Entscheidung geht.“ Der andere dürfe dann entscheiden, was er daraus mache.

Bei Aggression einfach weggehen

Gut kommunizieren sei nicht einfach und nicht durch simple Tricks zu erreichen. Man müsse den anderen dazu kriegen, selbst eine Lösung für ein Problem zu finden, und dürfe deshalb auch sagen, dass man etwas nicht wisse. Das sei zwar zeitaufwendiger, aber auf die Dauer effektiver. Bei Aggression helfe schon gar nicht zu sagen, der andere solle sachlich bleiben. „Gehen Sie weg oder wechseln Sie auf die andere Ebene“, so Rossié.

Am Ende des unterhaltsamen wie lehrreichen Vortrags gab es aus dem Leben gegriffene Beispiele. Als eine Tochter abends um die vereinbarte Zeit nicht nach Hause gekommen sei, habe eine Mutter das Haus verschlossen. Erst nach langen vergeblichen Versuchen der Tochter habe sie ganz verschlafen die Haustür aufgemacht mit dem Satz, „Ach, Du bist es“, und auf jeden Vorwurf verzichtet. Die nächsten Male habe sich die Tochter an die Regel gehalten.

Regeln müssten in der Familie mit allen immer wieder neu verhandelt werden und jeder dürfe sagen, was ihm missfalle. Wenn das nicht geschehe – das gelte auch für den Umgang in Unternehmen –, bahne sich eine unbewusste Ablehnung an anderen Stellen als an den ausgesprochenen an. Für den Umgang von Eltern mit ihren Kindern empfahl Rossié eine „liebevolle Sabotage“.

Nächste Veranstaltung: Empathie fördert Beziehung


Finale Die nächste Veranstaltung der Reihe Göppinger Wissensimpulse mit Mahsa Amoudadashi findet am 16. Dezember um 19.30 Uhr im Forum der Göppinger Kreissparkasse, Marktstraße 2, statt. Die letzte Veranstaltung in diesem Jahr beschäftigt sich mit Empathie. Wer die Erwartungen seiner Mitmenschen übertreffe, habe Erfolg. Wie man sich in sein Gegenüber hineinversetzen und einen Perspektivwechsel vornehmen kann, damit eine neue Qualität von Beziehung entsteht, damit beschäftigt sich die als „Herzlichkeitsbeauftragte“ bezeichnete Referentin.

Vorschau 2020 In weiteren acht Abenden geht es beim Weiterbildungsangebot der NWZ zusammen mit der Kreissparkasse Göppingen, der AOK und der Agentur Sprecherhaus im nächsten Jahr um diese Themen: Denkmuster (10. Februar), Energiemanagement (16. März), Kommunikationstalent (27. April), Zielstrebigkeit (25. Mai), Stressbewältigung (14. September), Zeitmanagement (12. Oktober), Verantwortung (16. November), Wahrnehmung (14. Dezember).

Karten für 2019 Einzelkarte 59 Euro (NWZ Abonnenten 49 Euro). Infos und Buchungen bei der Veranstaltungsagentur Sprecherhaus www.sprecherhaus-shop.de  Kundentelefon (02561) 69 565 170. Für Kurzentschlossene gibt es Karten ab 19 Uhr an der Abendkasse (solange der Vorrat reicht).

Karten für 2020 8-er Abo für 413 Euro (NWZ-Abonnenten 343 Euro), Frühbucherpreis bis zum 11. Januar für die gesamte Reihe zu 299 Euro für NWZ-Abonnenten. Einzelkarten zum Preis wie 2019. Kundentelefon (02561) 9792 888.