Der Irrglaube, dass es nur in den Herbstmonaten Pilze gibt ist hartnäckig unter den „Pilz-Kennern“ verbreitet. Nein, es gibt sie das ganze Jahr über ­– man muss sie eben nur kennen. Das sagt Willy de Witt aus Wäschenbeuren. Und der muss es wissen: Schließlich ist er Pilzsachverständiger der Deutschen Gesellschaft für Mykologie (DGfM) und ständig auf der Suche nach Pilzen in unserer heimischen Umgebung.

Gegenwärtig sind die ersten Winterpilze zu finden. Diese brauchen eine gewisse Frostperiode, um sich dann in ihrer ganzen Pracht entwickeln (fruktizieren) zu können. „Frostige Tage hatten wir ja zuhauf, aber es fehlt immer noch eine Menge Wasser“, betont der Pilzexperte.

Besonders an Laubholzstümpfen wie der Saalweide, aber auch an anderen toten Laubholzstubben komme der wunderschöne Samtfußrübling (Flammulina velutipes) zum Vorschein. Er wächst fast ausschließlich büschelig und sei eigentlich leicht zu erkennen. Sein samtig-trockener, ins schwärzlich gehende Stiel ist ein wichtiges Erkennungsmerkmal dieses zum Teil auch häufig vorkommenden Fruchtkörper. Fuchsig rot ist seine Hutoberfläche, die dann bei Sonnenschein einen herrlichen Kontrast zum vielleicht noch fallenden Schnee ergibt, berichtet Willy de Witt. Da jeder Pilz auch seinen giftigen Doppelgänger habe, könnte der Samtfußrübling mit dem Grünblättrigen Schwefelkopf (Hypholoma fasciculare) verwechselt werden. Dieser schmeckt sehr bitter und ist stark giftig. Wer jetzt zu seinem Weihnachtsbraten frische Samtfüßrüblinge beigeben möchte, sollte sich auf die Suche machen. Bitte keine Pilze an befahrenen Straßen sammeln, da diese grundsätzlich mit Schwermetallen belastet sind, weiß der Experte. Die zähen Stiele sollten nicht verarbeitet werden. Sie sind nicht zum Verzehr geeignet. Die zum Teil schleimigen Hüte könne man abreiben.

Bevor die Pilze in den Braten mit Rotweinsoße kommen, sollten sie grundsätzlich mindestens 15 Minuten angebraten werden. Der leckere Braten darf dann mit Rosenkohl und Spätzle serviert werden.