In Lauterstein engagiert sich der Investor WPD, bei Wangen sind es vier Stadtwerke und bei Adelberg will der Großkonzern ENBW vermutlich fünf Windräder - so die bisherigen Planungen - bauen. Der "erste Messvorgang" sei nun abgeschlossen, sagt Sprecherin Dagmar Jordan, doch vom Einstieg ins Genehmigungsverfahren ist das landeseigene Unternehmen noch weit entfernt. "Das sind erst die Anfänge", meint Jordan und verweist auf ökologische Untersuchungen, die über ein ganzes Jahr hinweg vorgenommen werden und erst im Februar 2016 abgeschlossen sein sollen. Auch werde nochmals gemessen, ob in dem Gebiet an der Grenze von Adelberg nach Plüderhausen genug Wind weht, "da braucht es eigentlich einen Durchschnitt übers ganze Jahr". Als Messgerät wurde ein sogenanntes Lidar verwendet, was ähnlich wie ein Radar funktioniert, aber Laserstrahlen statt Radiowellen aussendet.

In der Rubrik "Bau und Planung" auf der Homepage der ENBW findet sich der Adelberger Windpark nicht, vier andere Projekte sind aber aufgelistet, unter anderem der Windpark bei Aichwald weiter westlich im Schurwald. Bürgermeisterin Carmen Marquardt findet es gut, dass Adelberg in der Liste nicht auftaucht: "Das klingt gut in meinen Ohren - wir sind nicht begeistert von Windkraft hier im Schurwald." Sie betont: "Ich bin für die Energiewende." Marquardt schränkt jedoch ein: "Aber der Schurwald lebt von seiner wunderbaren Natur."

Die Bürgermeisterin wundert sich auch, dass der Windpark am Kaisersträßle geplant werden darf. Schließlich sei das Gebiet als regionaler Grünzug ausgewiesen. Als es um eine vorgesehene Erweiterung des Gewerbegebiets ging, "haben wir da immense Probleme gehabt", berichtet Marquardt. "Und jetzt ist es plötzlich kein Problem."

Die Bürgermeisterin ärgert sich auch darüber, dass Investoren die Ergebnisse der Windmessungen nicht veröffentlichen. "Man bekommt keine Informationen", klagt sie. "Darum verstehe ich auch, wenn dann die Gerüchteküche kocht - das kann ich absolut nachvollziehen."

ENBW-Sprecherin Jordan weist die Kritik zurück: "Die Daten werden aufbereitet und dann im Gemeinderat präsentiert", verspricht sie. Einzelne Windgeschwindigkeiten an bestimmten Tagen zu bestimmten Uhrzeiten zu veröffentlichen, sei nicht sinnvoll, denn: "Um eine Bewertung vornehmen zu können, müssen alle Daten zusammengeführt und in einen Zusammenhang gebracht werden." Die "Gesamtschau" werde dann der Öffentlichkeit vorgestellt.

Jedenfalls böte die erste Messrunde bei Adelberg Grund für Optimismus, glaubt Jordan: "Wir sind sehr zuversichtlich und werden deshalb mit den Messungen weitermachen."

Bürgermeisterin Marquardt bleibt allerdings skeptisch, zumindest was die Ökostromerzeugung in Adelberg angeht: "So gut wie die Windkraft ist an anderen Orten - hier im Schurwald ist sie kein gutes Thema."