Adelberg Windräder: Adelberg pocht auf Vogelschutz

Dürfen zwei Windräder bei Adelberg trotz des Rotmilans von der ENBW gebaut werden?
Dürfen zwei Windräder bei Adelberg trotz des Rotmilans von der ENBW gebaut werden? © Foto: Patrick Pleul (dpa)
Adelberg / WERNER SCHMIDT 31.08.2016
Die ENBW beantragt eine artenschutzrechtliche Ausnahmegenehmigung für den Bau zweier Windräder bei Adelberg. Die Gemeinde hält dagegen.

Schlagzeilen hat das 2000 Einwohner große Adelberg schon viele produziert. Meist im lokalen Raum, weil die Schurwaldgemeinde in der Vergangenheit ständig an der finanziellen Pleite vorbei manövrierte. Jetzt aber hat sie bundesweit Aufmerksamkeit erregt. Und Schuld daran ist einerseits der Rotmilan und andererseits die dem Land Baden-Württemberg gehörende Energiegesellschaft ENBW.

Letztere verlangt „die Lizenz zum Töten“ (Bild-Zeitung), indem sie für den Bau von Windrädern nahe Adelberg eine artenschutzrechtliche Ausnahmegenehmigung erreichen möchte. Dagegen wendet sich Adelberg mit seiner wehrhaften Bürgermeisterin Carmen Marquardt als eine moderne Jeanne d‘Arc des Schurwalds an der Spitze.

Die ENBW plant zwei 230 Meter hohe Windanlagen inmitten der Flug route des Rotmilans. Das weiß die ENBW und verlangt dennoch die Ausnahmegenehmigung. Gegen den Willen des Adelberger Gemeinderats, der sich bereits mehrfach einstimmig gegen die Pläne aussprach und auf eigene Kosten ein Lärmgutachten erstellen ließ. Das belegt, dass im nur etwa 450 Meter entfernt gelegenen Gewerbegebiet (mit einzelnen Betriebswohnungen) die kumulierten Geräuschemissionen die erlaubten Werte deutlich übersteigen.

Was aber die ENBW zu verschweigen scheint, ist, dass auch der Wespenbussard bereits beim Balzflug beobachtet wurde, und sich offenbar ein Baumfalkenpaar hier häuslich eingerichtet zu haben scheint. Das geht zumindest aus einem Gutachten hervor, das Adelberg gemeinsam mit der Nachbargemeinde Börtlingen in Auftrag gab. Es sollte „windkraftempfindliche Vogelarten“ in dem als Windkraftgebiet GP 01 bezeichneten Bereich erfassen, schreibt Marquardt in einer Stellungnahme an das Regierungspräsidium Stuttgart.

Nach diesem Gutachten fühlt sich der Rotmilan, dessen Vorkommen bisher immer als K.-o.-Kriterium für Windanlagen galt, hier besonders wohl: „Die Kartierung der windkraftempfindlichen Arten ergab vier Revierzentren des Rotmilans für den westlichen und fünf für den östlichen Anlagenstandort. Insbesondere zwischen Adelberg, Oberwälden, Börtlingen-Zell und Börtlingen- Breech konnten auffallend viele Rotmilane beobachtet werden“, verzeichnet das Gutachten und kommt zu dem Schluss: „Hier liegt eine Dichtezentrum vor.“

Nicht nur deswegen fordert die Gemeinde eine Ablehnung der Ausnahmegenehmigung. Der Standort der beiden geplanten Windräder tangiere die lebenswichtige Wasserversorgung Adelbergs erheblich. Die Bürgermeisterin sieht sie in Gefahr: „Die Erschließung ist aus Sicht der Gemeinde nicht gesichert.“ Sobald die schweren Baustellen-Fahrzeuge samt Windradteilen über das „gewichtsbeschränkte Kaisersträßle fahren“, bestünde die Gefahr, dass die Frischwasserleitung für den Ort zusammenbräche. „Dort verläuft derzeit unsere vom Remstal kommende Wasserversorgung“, stellt Marquardt in ihrem Schreiben an die Naturschutzbehörde des Regierungspräsidiums fest.

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