Buchstäblich in letzter Sekunde ist der Windpark Tegelberg bei Donzdorf vom Landratsamt Göppingen genehmigt worden. Mit Schreiben vom 30. Dezember hat die Untere Immissionsschutzbehörde dem Bauherren WEBW Neue Energie aus Stuttgart die Genehmigung nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz erteilt. Für den Investor ein Glücksfall: Am 1. Januar ändern sich die Regelungen zur Vergütung von Strom aus erneuerbaren Energien. Das könnte dafür sorgen, dass sich manch geplanter Windpark nicht mehr rechnet.

Vor mehr als einem Jahr, am 15. Dezember 2015, hatte die WEBW die Genehmigung beantragt. Am 15. Dezember 2016 dann hatte das Landratsamt bekanntgegeben, dass für die drei geplanten Windräder mit einer jeweiligen Gesamthöhe von 199 Metern keine Umweltverträglichkeitsprüfung notwendig ist, „da erhebliche nachteilige Umweltauswirkungen durch die Errichtung und den Betrieb der Anlagen nicht zu erwarten sind“.

Der Windpark entsteht südlich der Kuchalb, neben diesem Ort werden im Genehmigungsbescheid auch Lärmgrenzwerte für den Donzdorfer Tegelhof, das hintere Längental in Geislingen sowie den Sommerberg in Kuchen aufgeführt, dies sind die nächstgelegenen Siedlungen. 45 dB(A) ist der maximale Lärmpegel, der an diesen Orten nachts erreicht werden darf.

45 Seiten umfasst der Genehmigungsbescheid inklusive aller Anlagen. Rund 50.000 Euro Gebühren muss der Bauherr dafür berappen – bei Gesamtkosten des Projekts von mehr als 13 Millionen Euro. Neben Lärmimmissionen, Schattenwurf und Brandschutz nehmen auch Themen wie Naturschutz oder Infraschall breiten Raum ein. Während die Genehmigungsbehörde aufgrund aktueller wissenschaftlicher ­Erkenntnisse im immer wieder diskutierten Infraschall (tief­frequente Töne, wie sie auch durch Wind entstehen) kein Problem sieht, wird dem Tierschutz ein hohes Gewicht eingeräumt. Haselmaus, Zauneidechse, Vögel, Fledermäuse und der besonders streng geschützte Rotmilan: Für den Schutz dieser Tiere muss der Betreiber viele Regeln und Auflagen beachten. Damit die Finanzierung des Rückbaus der Windräder gesichert ist, wenn diese irgendwann vom Netz gehen, muss der Investor pro Anlage eine Sicherheitsleistung von knapp 150.000 Euro hinterlegen. Auch dies ist in der Genehmigung festgelegt.

Das Erneuerbare-Energien-Gesetz ändert sich in entscheidenden Punkten am 1. Januar: So wird dann statt fester Förderungen die Vergütung des erneuerbaren Stroms über Ausschreibungen geregelt. Das könnte weniger Ertrag für die Betreiber bedeuten – zumindest theoretisch wäre aber auch ein größerer Gewinn als bisher möglich. Die ENBW, die am Kaisersträßle bei Adelberg zwei Windräder bauen möchte – die vor Ort umstritten sind –, hält trotz fehlender Genehmigung an ihren Plänen fest: „Das muss man sich in Ruhe anschauen“, meint Pressesprecher Ulrich Stark. „Wir wissen ja nicht, was bei der Ausschreibung rauskommt.“

Rotoren bei Wangen nehmen weitere Hürde


Prüfung: Wie beim Windpark Tegelberg in Donzdorf, ist auch für den Windkraftstandort im ehemaligen Bundeswehrdepot zwischen Wangen und Oberberken keine Umweltverträglichkeitsprüfung notwendig. Dies hat das zuständige Landratsamt des Rems-Murr-Kreises bekanntgegeben.