Lauterstein Windpark Lauterstein: Mehr als genug Wind

Der Windmessmast im Wald bei Weißenstein hat deutliche bessere Ergebnisse geliefert als erwartet - ein lohnendes Gebiet für Windräder.
Der Windmessmast im Wald bei Weißenstein hat deutliche bessere Ergebnisse geliefert als erwartet - ein lohnendes Gebiet für Windräder. © Foto: Dirk Hülser
DIRK HÜLSER 20.06.2015
Womöglich noch in diesem Jahr wird sich im Windpark Lauterstein der erste Rotor drehen. Die Windmessung brachte bessere Ergebnisse als erwartet und Einwendungen gegen das Projekt gab es so gut wie keine.

Der größte Windpark in Baden-Württemberg kommt nun: 16 Windräder sollen sich bald tief im Wald über dem Lautersteiner Stadtteil Weißenstein an der Grenze zum Ostalbkreis drehen. Die aufwendigen Windmessungen mit einem hohen Masten sind abgeschlossen. "Wir sind sehr überrascht - die Messungen brachten deutlich bessere Ergebnisse als erwartet", sagt Projektleiter Reinhard Strohm vom Investor WPD. "Ich glaube, dass wir signifikant über dem Windatlas liegen." Ein Jahr lang hatte WPD mit dem Masten die Windhöffigkeit ermittelt, mehr als zwei Jahre wurden zudem Sodardaten - gemessen mittels Schallimpulsen - erhoben.

Wie stark der Wind am Albtrauf im Detail bläst, will Strohm aber nicht verraten: "Konkrete Ergebnisse geben wir nie bekannt." Denn: "Die sind auch viel Geld wert." Immerhin habe sein Unternehmen in die Messungen rund 200.000 Euro investiert.

Jede der 16 geplanten Windkraftanlagen soll inklusive Rotor 199 Meter hoch werden und eine Nennleistung von 2,78 Megawatt abgeben. Vier Wochen lang waren die Unterlagen zum Projekt jetzt öffentlich ausgelegt. "Es gab Stellungnahmen von sämtlichen Behörden, Nachbargemeinden und der Region", berichtet Strohm. Auch Naturschutzverbände, Bürgerinitiativen und Privatpersonen waren aufgerufen, sich zu äußern. Das Ergebnis lässt den Projektleiter staunen: "Es gab drei Einwendungen, überraschend, wie wenig da kam." Zumal es sich um das größte derartige Vorhaben im Land handelt, deshalb wundert sich Strohm, "dass bei so einem Riesenprojekt nicht mehr kommt, so, wie man das sonst kennt, dass da auch einfach mal so vom Leder gezogen wird".

Er glaubt, der nahezu nicht vorhandene Protest liegt auch an der abgeschiedenen Lage des Windparks, der von Weißenstein, das im tief eingeschnittenen Tal liegt, nicht zu sehen sein wird. Kritik gab es aber schon aus Bartholomä und Schwäbisch Gmünd, dessen Teilort Degenfeld unmittelbar an Weißenstein angrenzt. Nicht zuletzt deshalb ist das Ausmaß des Projekts bereits drastisch geschrumpft: Statt ursprünglich vorgesehener 30 Masten sollen nun 16 gebaut werden - immer noch zwei mehr als im bislang größten Windpark des Landes in Simmersfeld im Nordschwarzwald.

Nun liegen die Einwendungen und Stellungnahmen zur Auswertung im Landratsamt Göppingen. "Wir rechnen bald mit einer Genehmigung", sagt Strohm. Zuvor muss die Behörde aber entscheiden, wie sie mit den Einwendungen umgeht - und wird dann bei Bedarf am 16. Juli zu einem Erörterungstermin ins Lautersteiner Feuerwehrhaus einladen. Ob der Termin stattfindet, sei aber eine "Ermessensentscheidung der Genehmigungsbehörde" heißt es in einer Bekanntmachung des Landratsamts.

"Mit sehr viel Glück könnte sich das erste Windrad noch in diesem Jahr drehen", meint Strohm, das hänge aber wegen der Bauarbeiten auch vom Wetter und vom Wintereinbruch ab. "Aber spätestens Anfang nächstes Jahr", verspricht er.

Info: Bei den 16 geplanten Windkraftanlagen wird mit einem jährlichen Gesamtertrag von rund 120 Millionen Kilowattstunden gerechnet. Das entspricht dem Jahresverbrauch von etwa 34.000 Haushalten.