Energiewende Windpark-Gegner erringen Etappensieg

Sonnige Zeiten für Strom aus dem geplanten Windpark bei Büchenbronn? Eher nicht, finden eine Mehrheit des Ebersbacher Gemeinderats und die Bürgerinitiative Pro Schurwald. Foto: Mario Egger
Sonnige Zeiten für Strom aus dem geplanten Windpark bei Büchenbronn? Eher nicht, finden eine Mehrheit des Ebersbacher Gemeinderats und die Bürgerinitiative Pro Schurwald. Foto: Mario Egger © Foto: MARIO EGGER
Ebersbach / TOBIAS FLEGEL 15.12.2016

Die Gegner des geplanten Windparks „Königseiche“ bei Büchenbronn haben einen weiteren Etappensieg errungen: Eine Mehrheit des Gemeinderats von Ebersbach versagte am Dienstagabend dem Vorhaben seine Zustimmung. Die beiden Vertreter der Grünen-Fraktion und Bürgermeister Sepp Vogler enthielten sich der Stimme. Die Entscheidung des Gremiums verfolgten viele Zuhörer, die bis vor den Sitzungssaal im Rathaus standen.

Nach intensiver Diskussion des Vorhabens im Ausschuss für Technik und Umwelt vergangene Woche  schien vielen Bürgervertretern ihr Entschluss leicht gefallen zu sein. „Uns ist wichtig, dass die Menschen nicht unter einem Windpark leiden, der nicht unbedingt notwendig ist“, begründete Walter Hoyler die Entscheidung der Freien Wähler. Deren Fraktion sieht wichtige Voraussetzungen nicht erfüllt: Zum einen sei nicht ausreichend gemessen worden, ob sich sich die Stromerzeugung an dem Standort rentiere. Zum anderen seien die Anlagen ein Eingriff in ein Landschaftsschutzgebiet.

Diese beiden Aspekte bewogen die Christdemokraten in dem Gremium ebenfalls dazu, das Vorhaben nicht zu unterstützten. „Die nicht nachgewiesene Windhöffigkeit und der Eingriff in das Landschaftsschutzgebiet reichen für uns, den Anlagen nicht zuzustimmen“, sagte die Vorsitzende der Fraktion, Brigitte Kreisinger.

Eine ganze Batterie an Gegenargumenten führte Christoph Ebensperger für die Sozialdemokraten im Gremium ins Feld. Neben den schon genannten Gründen wies er darauf hin, dass der Windpark einen weiteren Ort der Erholung und Ruhe beeinträchtige: „Das sind Rückzugsgebiete, die durch die Anlagen Gefahr laufen, an Wert zu verlieren“, warnte Ebensperger. Die Bewohner des unteren Filstals hätten in den vergangenen Jahren schon etliche Einbußen in ihrer Umgebung hinnehmen müssen – sei es durch den Wandel der B 10 von einer Umgehungsstraße zu einer „Filstalautobahn“, durch die Einflugschneise zum Stuttgarter Flughafen über ihren Köpfen oder durch Hochspannungsleitungen beim Ebersbacher Ortsteil Bünzwangen. Ebensperger: „Die Folge ist: Viele gehen in den Schurwald zum Spazieren.“

Dem Kritiker missfiel außerdem, dass der Regionalplan zunehmend an Bedeutung verliert. „Ich finde, dass ist eine planlose Planung von Windkraftwerken“, sagte Ebensperger. Anlagen an diesem Standort in dieser Zahl passten überhaupt nicht. Der Einschätzung des SPD-Mannes stimmte der stellvertretende Leiter des Bau- und Umweltamts, Roland Albig, zu: „Sie haben recht: Der Regionalplan ist weder Fisch noch Fleisch.“

Die Grünen im Gemeinderat sehen in dem Windpark eigentlich nichts Schlimmes. „Es gibt ein paar Verfahrensfehler, sonst wäre ich dafür“, sagte Klaus Walter. Er habe mit zuständigen Förstern gesprochen, die ihm die Unbedenklichkeit der Anlagen für die Natur in dem Gebiet bestätigten. „Wir können nicht sagen: Windräder überall, nur nicht bei uns“, forderte Walter. Dieser Auffassung war zuvor schon Brigitte Kreisinger: „Das Sankt-Florian-Prinzip darf nicht unser Handeln bestimmen“, mahnte sie. Tanja Brosche von den Grünen kritisierte, dass Unbekannte Pflöcke, die die Stellen für Probebohrungen markierten, herausgerissen hatten. Wie ihr Fraktionskollege Walter enthielt sie sich der Stimme.

„Ich stehe mit meiner Meinung zwischen den Stühlen“, gestand Bürgermeister Sepp Vogler. Nach genauem Studium der Unterlagen, so der Rathauschef, lehne die Verwaltung den Windpark nördlich von Büchenbronn ab. Die Haltung des Gemeinderats in der Angelegenheit teilt das Bau- und Umweltamt dem Landratsamt in den kommenden Tagen mit. Ob die Nachricht aus Ebersbach überhaupt ins Gewicht fällt, ist allerdings fraglich, denn juristisch spielt sie keine Rolle.

Sicher dagegen ist, dass sich die Kommune mit der jüngsten Stellungnahme nicht von einem Widerspruch befreit hat. „Es darf nicht unerwähnt bleiben, dass sich die Stadt Ebersbach (...) grundsätzlich für Windkraft ausgesprochen hat und dabei nicht gegen das Vorranggebiet ES 02 Stellung bezogen hat“, erinnerten der Bürgermeister und der Leiter des Bau- und Umweltamts, Markus Ludwig, die Räte in der Vorlage für die Sitzung.

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