Adelberg Windkraftpläne ein „Schildbürgerstreich“

Keine Windräder soll es im Schurwald geben, schon weil der Wind nicht reiche, fordern Bürgerinitiativen.
Keine Windräder soll es im Schurwald geben, schon weil der Wind nicht reiche, fordern Bürgerinitiativen. © Foto: Werner Kuhnle
Adelberg / ANNEROSE FISCHER-BUCHER 10.09.2016
Mehr als 200 Bürger waren zu einer Info-Veranstaltung der Bürgerinitiativen (BI)„Gegenwind Adelberg“ und „Pro Schurwald“ in die Adelberger TSV-Halle gekommen.

„Ohne die Zustimmung der Gemeinde gibt es keine Windräder, deshalb informieren und engagieren Sie sich, denn es geht um eine gewaltige Veränderung“, sagte Michael Haueis von der Bürgerinitiative (BI) „Pro Schurwald“ bei einer Informationsveranstaltung in Adelberg, zu der mehr als 200 Bürger kamen. Er bekam dafür großen Beifall.

Die BI „Gegenwind Adelberg“ mit ihrem Sprecher Steffen Müller hatte Haueis eingeladen, der eigenes Zahlenmaterial den Aussagen der ENBW entgegenstellte. Die ENBW will am Kaisersträßle in Adelberg und bei Börtlingen-Breech zwei Windräder und im Bereich des ehemaligen Bundeswehrdepots bei Wangen vier Windräder aufstellen.  Die Anlagen seien mit 230 Meter Gesamthöhe und 164 Meter Nabenhöhe am Kaisersträßle in einem nicht-öffentlichen Verfahren geplant, sagt die Bürgerinitiative. Die bei Wangen sollen 200 zu 149 Meter hoch werden. Pro Windrad müsse ein Hektar Wald gerodet werden und 4000 Tonnen Beton müssten dazu gesetzt werden. Die Unterlagen dazu habe die ENBW schon im Juni im Landratsamt eingereicht.

Die Bürgerinitiativen mit ihren Sprechern Steffen Müller von „Gegenwind Adelberg“ und Michael Haueis von „Pro Schurwald“ wollen „die Heimat erhalten“ und über die Risiken und Folgen der geplanten Windräder im „windärmsten Bundesland Baden-Württemberg“ aufklären.  Sie werfen der ENBW vor, nicht korrekt mit den Zahlen zu arbeiten und als Unternehmen des Landes trotz Unwirtschaftlichkeit „ideologische Ziele“ durchsetzen zu wollen. Prognosen und Realität stimmten nicht überein. Haueis kritisierte die Nicht-Öffentlichkeit des Verfahrens und forderte die anwesenden Bürger auf, schriftlich Einwände zu erheben. Nur damit habe man sich als Betroffener ein Klagerecht erworben. Man müsse sich gegen „Betrug und Volksverdummung wehren“.

 Die Risiken würden von der ENBW verharmlost und sie versuche, über Ausnahmegenehmigungen die Windräder im Schurwald durchzusetzen, obwohl Messungen nach Aussagen der Bürgerinitiativen unter den Mindest-Richtwerten der Technischen Richtlinie 6  blieben, weil es im Schurwald zu wenig Wind gebe. Man fordere Messungen an jedem geplanten Standort nach dieser Richtlinie über den Zeitraum von einem Jahr und eine jeweilige Umweltverträglichkeitsprüfung.

 Weiter wurde der Mindestabstand von 700 Metern zur Wohnbebauung und 450 Metern zu Gewerbegebieten kritisiert. Die BIs zweifeln auch an der Unabhängigkeit der Gutachten, weil sie vom Investor bezahlt würden. Die Gemeinde Adelberg habe bereits die Überprüfung des Artenschutzgutachtens veranlasst. Befürchtet werden eine Zerstörung der Landschaft und Gesundheitsschädigungen durch „Schallausbreitung von 40 Dezibel an der Nordgrenze von Adelberg“, durch Infraschall und Lärmbelästigung der Rotoren sowie tödliche Auswirkungen auf Tiere wie Vögel und Fledermäuse. Und die Immobilien hätten einen Wertverlust von über 30 Prozent.

 Windkraft leiste keinen Beitrag zum Klimaschutz, sagte Haueis. Der Strom sei nicht grundlastfähig, er falle nicht an, wenn man ihn brauche,  und das Ganze sei wegen der zu geringen Auslastung von 13 Prozent nicht wirtschaftlich. Müller betonte, man müsse den Anfängen wehren und es sei ein „Schildbürgerstreich“, Baden-Württemberg zu einem Windkraftland machen zu wollen. Die Bürgerinitiativen hätten standardmäßige Einsprüche vorbereitet und wollten mit Hilfe von Anwälten und Gegengutachten die Windräder im Schurwald verhindern.  

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel