Wangen Windkraft: Gegner laufen Sturm

Wangen / MICHAEL SCHORN 16.04.2014
Der Pachtvertrag für das Gelände eines möglichen Windparks wurde am Dienstag auf dem ehemaligen Bundeswehrdepot bei Wangen übergeben. Begleitet wurde dies von lautstarken Protesten der Windkraftgegner.

Viel Wind - oder anders ausgedrückt - lautstarker Protest der rund 70 Windkraftgegner und Anlieger schlugen dem baden-württembergischen Minister für ländlichen Raum, Alexander Bonde (Grüne), und den Verantwortlichen des Investoren-Konsortiums entgegen, als der Minister am Dienstag den Pachtvertrag für die sogenannte Windvorrangfläche GP-03 zwischen Wangen und Schorndorf-Oberberken überreichte. Das Konsortium, bestehend aus der Energieversorgung Filstal (EVF) sowie den Stadtwerken Schorndorf, Fellbach und Tübingen, prüft derzeit, ob auf dem rund 645 Hektar großen Waldareal auf den Gemarkungen von Wangen, Adelberg, Uhingen und Schorndorf bis zu sechs Windkrafträder gebaut werden können. Dazu wird dort seit Januar der Wind gemessen.

"Grün machts tödlich" stand auf einem Demonstranten-Transparent. So begleiteten dann auch "Grüne weg"-Rufe oder die Frage "Was macht ihr, wenn kein Wind weht?" sowie Trillerpfeifen und Buhrufe die Rede von Schorndorfs Oberbürgermeister Matthias Klopfer, der gleichzeitig Aufsichtsratsvorsitzender der Stadtwerke Schorndorf ist. Klopfer sprach bei der Überreichung des Pachtvertrags von "einem wichtigen Tag, um die Energiewende voranzutreiben" und auch von einer "großen Chance". Zudem habe es in Schorndorf eine "vorbildliche Bürgerbeteiligung" gegeben, wofür er prompt höhnische Kommentare der Protestler erntete. Die Unternehmenskooperation wolle rund 25 Millionen Euro auf dem ehemaligen Bundeswehrdepot investieren und Arbeitsplätze schaffen. "Dies ist ein wirtschaftlicher und ökologischer Fortschritt", ist sich der Schorndorfer OB sicher.

Und Minister Bonde betonte in seiner kurzen Ansprache die wichtige Rolle der Windkraft bei der Energiewende. "Das ist ökologisch der richtige Weg", sagte Minister Bonde.

Nach gut 20 Minuten war der offizielle Teil schon beendet. Weitere Infos zu dem Projekt gab es wegen des lautstarken Protests nicht. Allerdings diskutierten sowohl der Minister als auch Boris Palmer (Grüne), OB von Tübingen, mit den aufgebrachten Windkraftgegnern.

Am Rande der Veranstaltung war dann aber doch zu erfahren, dass noch bis Ende des Jahres der Wind auf dem Gelände gemessen wird. Erst wenn diese Ergebnisse vorlägen, könne man 2015 entscheiden, ob und wie viele Windräder dort gebaut werden. Der Zeitplan hänge auch von dem Verlauf der Genehmigungsverfahren für die Windräder und den Naturschutzgutachten ab.

Die Windräder sollen samt Rotorblättern knapp 200 Meter hoch werden. Werden sie gebaut, sollen sie ab dem Jahr 2016 Strom produzieren, meinte Timo Schlotz von den Stadtwerken Schorndorf. Der Abstand des Windvorranggebiets nach Oberberken beträgt rund 1,2 Kilometer, nach Adelberg etwa einen Kilometer und nach Wangen, Wangen-Oberwälden und Uhingen-Holzhausen jeweils mehr als zwei Kilometer.

Grundsätzlich stehe man den Windrädern positiv gegenüber, meinte Wangens Bürgermeister Daniel Frey (CDU). Sollten die Windräder gebaut werden, werde es in Wangen auf jeden Fall noch eine Bürgerinformationsveranstaltung zusammen mit der EVF geben, sagte Frey.

Wie viel das Konsortium an Pacht für das Gelände bezahlt, wollten die Verantwortlichen nicht verraten. Ebenso wenig rückten sie mit der Antwort heraus, wie die Tendenz bei den Windmessungen derzeit aussieht. Nur soviel war zu erfahren: Sollten die Windräder nicht gebaut werden, bestehen Ausstiegsklauseln aus dem Pachtvertrag.

Die zahlreich vertretenen Mitglieder der Bürgerinitiativen (BI) befürchten dagegen, wie etwa Ewald Nägele aus Birenbach von der BI Stauferland, dass diese Windräder erst der Anfang im Schurwald seien. Zudem würde dort ein "Geldgrab gebaut", so Nägele. Wirtschaftlich seien die Windräder mehr als fragwürdig und sie würden die Landschaft und die Natur zerstören.

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