Windkraft Windkraftgegner fühlen sich „wie David gegen Goliath“

Auch vom Grundstück der Familie Beißwenger in Adelberg wäre der Windpark, sollte er realisiert werden, sichtbar. Steffen Müller, Sabine Beißwenger und ihr Mann Ewald Beißwenger (v.l.) wollen die vier Windkraftanlagen verhindern – Haupt-Kritikpunkt ist der Artenschutz.
Auch vom Grundstück der Familie Beißwenger in Adelberg wäre der Windpark, sollte er realisiert werden, sichtbar. Steffen Müller, Sabine Beißwenger und ihr Mann Ewald Beißwenger (v.l.) wollen die vier Windkraftanlagen verhindern – Haupt-Kritikpunkt ist der Artenschutz. © Foto: Staufenpress
Adelberg / Kristina Betz 22.06.2017
Der Verein „Lebensraum östlicher Schurwald“ kämpft gegen den Windpark GP-03. Ein neues Artenschutz-Gutachten ist jetzt die große Hoffnung.

Indem das Regierungspräsidium Stuttgart das Zielabweichungsverfahren für den geplanten Windpark GP-03 auf Gemarkung Wangen und Schorndorf-Unterberken durchgewunken hat, rückt die ­Realisierung des Projektes in greifbare Nähe. Die zuständige Behörde, das Landratsamt Rems-Murr, prüft derzeit die Einwendungen und Gutachten, sollte das Amt das Okay geben, könnten auf dem ehemaligen Bundeswehrdepot im Schurwald bald drei etwa 200 Meter hohe Windräder rotieren.

Das wollen einige Adelberger verhindern. Steffen Müller sowie Sabine und Ewald Beißwenger sind drei von ihnen. Gemeinsam mit fünf weiteren Mitgliedern bilden sie den im Dezember vergangenen Jahres gegründeten Verein „Lebensraum östlicher Schurwald“. Dieser ging aus der Bürger­initiative „Gegenwind Adelberg“ hervor, die sich ebenfalls gegen GP-03 stellt. „Wir hatten etwa 170 Mitglieder. Dass wir einen Verein gründeten, hatte dann rechtliche Gründe“, berichtet Sabine Beißwenger, die auch im Gemeinderat in Adelberg sitzt. Hintergrund sei der, dass eine rechtliche Vertretung durch den Verein besser gewährleistet sei, so Beißwenger.

Im Kampf gegen den Windpark gab der Verein ein eigenes Artenschutzgutachten in Auftrag. 13 000 Euro kostete das Gutachten den Verein. 4000 Euro schoss die Gemeinde Adelberg zu. Die restlichen 9000 Euro sind Spenden und zu einem geringen Teil Mitgliedsbeiträge des Vereins. Auch die Gemeinde Adelberg kämpft, wenn auch an anderer Front: Sie ließ ein Denkmalschutz-Gutachten in Auftrag geben.

„Uns geht es vorrangig um Tier, Mensch und Natur und darum, dass der Eingriff nicht die Schlechterstellung der Natur rechtfertigt“, sagt Sabine Beißwenger. Man habe am geplanten Standort zudem viel zu wenig Wind, die Anlage würde sich nicht rentieren, sei nur durch staatliche Subventionen zum Ausbau der regenerativen Energien rentabel, sagt der Vorsitzende ­Steffen Müller weiter.

Besonders große Probleme habe man mit dem Artenschutzgutachten, dass das Betreiberkonsortium aus Energieversorgung Filstal sowie den Stadtwerken Fellbach und Schorndorf in Auftrag gab. Beim Erörterungstermin im März habe sich der erste Eindruck bestätigt, dass das Projekt „mit Macht durchgedrückt werden soll“, so schreibt es der Verein in einer Pressemitteilung.

Für das Artenschutzgutachten muss der Gutachter über eine fest vorgeschriebene Anzahl von Stunden über mehrere Monate an verschiedenen Beobachtungsstandorten sein. Die Vereinsmitglieder wundern sich, denn der Gutachter habe beispielsweise keinen Rotmilan gesichtet. Einer der Beobachtungsplätze sei so gelegen, dass von dort unmöglich der Windpark-Standort, das Bundeswehrdepot, zu sehen sei, habe sich beim Erörterungstermin ergeben. „Man hat das sogar zugegeben und behauptet, den Standort dann gewechselt zu haben“, erzählt sie weiter. „Aber in den Unterlagen taucht das bis heute nirgends auf. Wo ist der Beweis, dass die erforderliche Stundenanzahl dann noch erbracht wurde?“

Die Hoffnung der Windkraftgegner liegt nun darin, dass das Gutachten das Projekt zu Fall bringt. Die Kartierung der schützenden Vogelarten erfolgt im Zeitraum von März bis August. Bis das Gutachten, das im März in Auftrag gegeben wurde, also vorliegt, dauert es noch. „Das Konsortium hat unendlich Geld, die können ewig streiten, sie sitzen am längeren Hebel“, sagt Sabine Beißwenger. Und ihr Mann pflichtet bei: „Es ist wie bei David gegen Goliath.“

Die Akteure um den Windpark GP-03

Betreiber Das Betreiberkonsortium besteht aus der Energieversorgung Filstal (EVF) und den Stadtwerken von Schorndorf und Fellbach, zusammengeschlossen zu den Energiedienstleistungen Remstal. Die Stadtwerke Tübingen verließen das Konsortium.

Initiative Die Bürgerinitiative „Pro Schurwald“, „Gegenwind Adelberg“ und „Berken“, der Verein „Mensch Natur“ sowie der Verein „Lebensraum östlicher Schurwald“ gehen gegen Windkraftanlagen im Schurwald, wie  GP-03, vor.

Gemeinden Die Gemeinde Adelberg stellt sich ebenfalls gegen den geplanten Windpark, die Gemeinde Wangen hingegen unterstützt die Pläne des Betreiber­konsortiums.­­ krib

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