Schurwald Windkraft-Erträge unter die Lupe genommen

Schurwald / Kristina Betz 12.04.2018
Windkraft im Land erzeuge weniger Strom als erwartet, folgert die Initiative „Pro Schurwald“ aus Ertragszahlen der EnBW. Die relativiert die Zahlen jedoch.

Ein Klick auf das blaue Windrad-Symbol in der ENBW-App verrät: Aktuell produzieren die drei Anlagen des Windparks WN-34 am Goldboden auf dem Schurwald bei Winterbach 455 Kilowatt bei einer Windgeschwindigkeit von rund 5 m/s. Die App verrät nicht nur, wie viel die Anlagen des Stromanbieters im Moment generieren, sondern liefert auch Langzeitwerte und einen Vergleich der Plan- und der Ist-Daten.

Die Bürgerinitiative „Pro Schurwald“ wertete die Daten nun aus und kam zum Ergebnis, dass die Planwerte weit verfehlt wurden. Statt 8,7 Gigawattstunden Strom, erzeugten die Anlagen im ersten Quartal des Jahres nur 4,7. Auch alle anderen ENBW-Windkraft-Standorte in Baden-Württemberg blieben im März 2018 hinter den Planungen zurück; so wurde im Durchschnitt nur 66 Prozent der Planwerte erreicht, prangert die Initiative in einer Pressemitteilung an.

Anlagen laufen im Probebetrieb

Die ENBW, die ihre Ertragswerte in der App offenlegt, gibt zu: „Die Strom-Ernte war im ersten Quartal 2018 im ganzen Land tatsächlich relativ mager – insbesondere der Februar und der März fielen als sonst eher gute Monate ziemlich schwach aus“,  erklärt der Pressesprecher des Unternehmens, Ulrich Stark.

Ganz im Gegenteil, argumentiert „Pro Schurwald“. Das erste Quartal 2018 sei außerordentlich windreich gewesen; der Januar 2018 war sogar der windstärkste Januar-Monat der letzten 15 Jahre. Der Januar sei „gut“ gewesen, gibt Stark zu, „unterm Strich konnte ein guter Januar und ein paar gute Tage im März das Ergebnis nicht mehr ausgleichen.“ Am Goldboden sei im ersten Quartal erschwerend dazu gekommen, dass die Anlagen bis Mitte März – also gerade auch im guten Januar – nach wie vor im Probetrieb liefen. Dieser bringe immer wieder Abschaltungen für die immer feiner werdenden Einstellungen mit sich. „Erschwerend kam hinzu, dass sich aufgrund der Witterung ab und zu einmal Eis auf den Rotoren bildete, weswegen die dann nicht laufen können“, erklärt Stark.

Vorwurf der Naivität

Für die Bürgerinitiative liegt der Fall dagegen klar: Die Zahlen „deuten darauf hin, dass die ENBW mit ihren Erwartungen zum Stromertrag zu optimistisch und zu naiv war“, folgert Michael Haueis von der Initiative.

Derzeit ist ein weiterer Windpark im Schurwald geplant. GP-03 bei Wangen befindet sich noch im Genehmigungsverfahren. Die Investoren des Windparks gaben nach einer Untersuchung des Vereins „Lebensraum Östlicher Schurwald“ ein zweites Gutachten in Auftrag, bei dem die Vögel im Gebiet kartiert werden. Im Herbst diesen Jahres rechne man mit einem Ergebnis, sagt Peter Zaar, Umweltdezernent des Rems-Murr-Kreises.

Beschwerde von „Pro Schurwald“ wurde abgewiesen

Artenschutz Im Oktober 2017 hatte die Bürgerinitiative „Pro Schurwald“ eine Beschwerde beim Regierungspräsidium Stuttgart gegen das Landratsamt Rems-Murr-Kreis wegen der immissionsschutzrechtlichen Genehmigung des Windkraftprojektes WN-34 eingereicht. Sie unterstellte Mängel im von der ENBW vorgelegten Artenschutzgutachten. Das Regierungspräsidium wies die Beschwerde Ende März zurück: Es seien „keine tatsächlichen und rechtlichen Gründe erkennbar, die ein aufsichtsrechtliches Einschreiten hätten begründen können“.

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