Wiesensteig Wiesensteig feiert Rekord-Umzug

Wiesensteig / Ilja Siegemund 12.02.2018
Noch nie sind so viele Gruppen durchs Städtle gezogen wie beim Rosenmontagsumzug.

Der Rosenmontagsumzug in Wiesensteig dürfte in die Geschichtsbücher eingehen –  denn noch nie haben sich so viele Gruppen beteiligt wie in diesem Jahr: 85 Narrenzünfte und 15 Musikgruppen mit insgesamt über 3000 Teilnehmern zogen über die Hauptstraße durch die historische Altstadt Wiesensteigs und ließen sich von Tausenden Zuschauern bejubeln. Einladungen hatte die ausrichtende Fasnetsgesellschaft Wiesensteig (FGW) heuer nicht versenden müssen. „Die Gruppen bewerben sich mittlerweile bei uns“, sagte Christoph Baumeister, FGW-Vizepräsident. „Wir haben uns einen Namen gemacht“, ergänzte er nicht ohne Stolz. Der Wiesensteiger Rosenmontagsumzug sei zwar groß, „aber er hat trotzdem einen liebevollen Charme“.

Das schätzt zum Beispiel Karin Endriß, die regelmäßig am Rosenmontag nach Wiesensteig fährt. „Der Umzug ist total toll und die Atmosphäre besonders“, schwärmte die 50-Jährige aus Schlierbach, während sie zu Guggenmusik tanzte. Zuschauer jeden Alters genossen den Nachmittag: Vom Kleinkind bis zum Senior tanzten und schunkelten die Zuschauer, während sich der kunterbunte Narrenwurm durch den Ort schlängelte.

Was wäre Wiesensteig ohne Fasnet?

Auch Wiesensteigs Bürgermeister Gebhard Tritschler kann die Arbeit der FGW-Mitglieder nicht hoch genug einschätzen. Die Prunksitzungen, der Gombige Doschdeg und der Rosenmontagsumzug seien mit einer langen Tradition verbunden. Was wäre Wiesensteig ohne die Fasnet? „Das wäre wie die Fils ohne Wasser“, sagte der als Pirat verkleidete Bürgermeister, der über eine solch’ undenkbare Vorstellung nur lachen konnte. Sportlich beeindruckte der Schultes dann kurze Zeit später beim Seilhüpfen mit den Filstalhexen: 17 Mal schaffte er es zu springen, ehe sich das Seil in seinen Beinen verfing. „Das ist heute der Highscore“, rief eine Filstalhexe dem Publikum zu, das die Leistung des Rathauschefs mit einer Laola-Welle feierte.

Obwohl der Rosenmontagsumzug knapp drei Stunden und damit länger dauerte als gedacht, kam zu keinem Moment Langeweile auf. Dafür sorgten unter anderem die Hästräger, die närrische Pyramiden bauten, im Handstand über die Straße liefen und die Zuschauer neckten. Beliebte Opfer waren beispielsweise Michelle und Svenja (beide 17 Jahre alt) aus Heiningen und Gammelshausen. In ihren Haaren hatte sich haufenweise Konfetti verfangen. „Das gehört einfach dazu, sonst wäre es ja langweilig“, sagte Svenja achselzuckend. Solchen Schabernack möchten die beiden Mädels in der Fasnet nicht missen – im Gegenteil. „Deshalb stehen wir ja immer in der ersten Reihe“, ergänzte Michelle.

Stewardessen auf Jobsuche

Ein Strahlen machte sich auf den Gesichtern der jüngeren Zuschauer breit, als sie von den Hästrägern mit Süßigkeiten beschenkt wurden. Da wirkte der grummelige Bär plötzlich lammfromm, wenn er einem Kleinkind einen Schlotzer zusteckte. Und auch die älteren Besucher hatten viel zu lachen: So präsentierten sich zum Beispiel die gestandenen Kerle des Wiesensteiger Männerballetts als zuckersüße Stewardessen in knallig-rosafarbenen Uniformen, die nach der Air-Berlin-Pleite auf Jobsuche sind. Eine weitere Wiesensteiger Gruppe mit Mottowagen wünschte sich für den diesjährigen Maibaum eine Wache, weil das Exemplar im vergangenen Jahr bekanntlich von Unbekannten gefällt worden war. Auf dem Fasnetswagen krachte der Maibaum immer wieder zu Boden, stand wie durch Zauberhand aber wieder auf. Dass dem Biber exotische Tiere ins Wiesensteiger Naherholungsgebiet folgen werden, glaubt eine andere Gruppe: Durch den Klimawandel werden sich bald Tiger und Zebras in der Stadt am Filsursprung niederlassen, sind sie sich sicher und zeigten dies auf ihrem kreativen Fasnetswagen.

Eine Besonderheit des Rosenmontagsumzug, der erstmals im Jahr 1903 stattfand, ist die Teilnahme der drei Erstplatzierten des „Maschgra“ am Gombiga Doschdeg: So waren heuer Hippi-Busse, Sandmännchen und Strichmännchen mit von der Partie. Die Zuschauer applaudierten und jubelten. 

Nach dem Umzug feierten die Besucher noch im Festzelt und in den Wirtschaften im Ort ausgelassen weiter. Das sei auch eine Besonderheit in Wiesensteig, betonte Christoph Baumeister: „An Rosenmontag feiert das ganze Städtle“.

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