Donzdorf / DIRK HÜLSER Erneut hat es einen Unfall mit einem schwerverletzten Radfahrer in Donzdorf gegeben - an einer der sogenannten Umlaufsperren auf dem Radweg. 20 Unfälle sind dokumentiert, der ADFC fordert Verbesserungen.

Bruno Schaible aus Treffelhausen ist ein passionierter Radfahrer. Regelmäßig fährt er mit einer blinden Frau aus Albershausen Tandem, Hin- und Rückweg legt er auch mit dem Rad zurück. Doch diese ehrenamtliche Tätigkeit muss nun ruhen - ein schwerer Unfall ist Schuld daran. Am Montag vergangener Woche fuhr Schaible von Albershausen zurück in Richtung Alb, durchquerte Donzdorf auf dem Radweg. Dort werden die Radler immer wieder ausgebremst, insgesamt elf versetzt angebrachte Umlaufsperren sorgen dafür, dass vorfahrtsberechtigte Autofahrer freie Fahrt haben. So auch an der privaten Einfahrt des Gräflich Rechberg'schen Wohn- und Verwaltungsgebäudes, wo Schaibles Unfall geschah.

"Ich war sehr langsam unterwegs, im Schritttempo", berichtet Schaible. Dann habe er beim Passieren eine der Schranken leicht touchiert, das Rad fiel um. Er benutzt sogenannte Klickpedale, in denen die Schuhe eingeklickt sind. "Deshalb ist mir der Sturz brutal zum Verhängnis geworden", sagt Schaible. Der Notarzt kam, der 64-Jährige musste in die Klinik, fünf Tage dauerte sein Aufenthalt, er wurde operiert, Sprunggelenk und Wadenbein sind gebrochen. "Die Ansage vom Arzt ist, ich darf mein Bein sechs Wochen lang nicht belasten."

ADFC dokumentiert insgesamt 20 Unfälle

Ähnlich erging es Marga Nagel aus Donzdorf. Als sie im Sommer auf dem Weg ins Freibad war, blieb sie an der Schranke beim Gingener Weg hängen. "Das ist so schnell gegangen", erzählt sie. Auch sie sei im Schritttempo unterwegs gewesen. Die 72-Jährige brach sich das Handgelenk, es war fünf Wochen lang eingegipst. "Da war wochenlang nichts mit Freibad", bedauert sie.

Schaible und Nagel sind keine Einzelfälle. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) listet 18 weitere Fälle aus den vergangenen Jahren auf, die im Rahmen einer Online-Befragung genannt worden seien. Demnach gab es an den elf Sperren, die auf 1500 Meter Geh- und Radweg verteilt sind, Schürfwunden, Prellungen, eine Schädelprellung - trotz Helm -, offene Wunden und Knieverletzungen.

Thomas Gotthardt, der lokale Ansprechpartner Lautertal des ADFC, glaubt, die 18 Unfälle seien nur die Spitze des Eisbergs: "Es handelt sich nur um einen Bruchteil der tatsächlichen Vorfälle, da nur ein sehr begrenzter Personenkreis angeschrieben wurde." Er meint auch, die elf Schranken auf 1500 Metern seien einmalig: "Laut Rückmeldungen von anderen ADFC-Kreisverbänden hält Donzdorf möglicherweise einen Deutschland-Rekord." Gotthardt kritisiert, dass an jener Stelle, an der Schaible verunglückt ist, eine private Einfahrt vorfahrtsberechtigt gegenüber einem öffentlichen Radweg ist: "Eine mit dem gräflichen Anwesen vergleichbare Situation dürfte deutschlandweit einmalig sein."

Forderung nach Abbau der Sperren

Für den Radfahrer Schaible ist klar, wie er das Problem der Unfallhäufung lösen würde: "Vorfahrt für Fahrräder und dies mit Zebrastreifen auf den Straßen markieren." Mit dem Tandem sei es im jetzigen Zustand unmöglich, durch die Umlaufsperren zu fahren. Der ADFC will einige Sperren abbauen lassen - dies wurde aber bereits im März vom Donzdorfer Gemeinderat abgelehnt. "In unserem Donzdorfer Konzept haben wir bewusst nur den Abbau von wenigen Sperren, drei von elf, vorgeschlagen", heißt es im Konzept des Vereins. Und zwar, "um eine Schockwirkung bei den verantwortlichen Planern zu vermeiden". Lege man die heutigen Maßstäbe für Radwegplanung zugrunde, müsste die Zahl der Umlaufsperren noch weiter reduziert werden.

Damit würde der ADFC bei Jörg-Michael Wienecke auf offene Ohren stoßen. "Finger weg von Umlaufschranken", sagt der Leiter des Amts für Mobilität und Infrastruktur des Landkreises - betont aber, dies sei "keine Wertung bezüglich Donzdorf". Zwar habe sein Amt bei der Radverkehrsplanung für Donzdorf und Süßen zum Ausdruck gebracht, "dass wir diese Umlaufsperren gerne weg hätten". Doch die Entscheidung liege bei der Verkehrsschau und "auch die Gemeinde hat ein Wort mitzureden". Mit Blick auf den aktuellen Unfall meint Wienecke: "Ohne Schadenfreude: Jetzt zeigt sich, was man von der Sicherheit an den Umlaufsperren hat."

"Das ist halt die Abwägung", meint Donzdorfs Bürgermeister Martin Stölzle. "Wir halten den Sicherheitsaspekt der Schranken für höher als die Unfallgefahr." Mit angepasstem Tempo könne man durchfahren, ohne sich zu verletzen. Die Schranken stehen dort seit rund zehn Jahren, Stölzle sagt aber auch: "Ich will nicht sagen, dass definitiv schon das letzte Wort gesprochen worden ist."

Wäre Bruno Schaible eine Woche später auf dem Radweg gefahren, wäre ihm der Unfall erspart geblieben. "Über den Winter machen wir die Schranken wieder auf", sagt Stölzle. Damit bei Bedarf Schnee geräumt werden kann. Freie Durchfahrt für Radler gibt's dann bei jedem Wetter, auch bei Dunkelheit. Darüber wundert sich ADFC-Mann Gotthardt: "Dieselbe halbseitige Öffnung ist im Sommer laut Ordnungsamt trotzdem unverantwortlich."