Senioren Wie sich die Pflege regeln lässt

Deggingen / SWP 03.05.2018

Was auf den ersten Blick etwas trocken klang, entpuppte sich im Degginger Seniorenzentrum St. Martin äußerst kurzweilig und informativ. Der Vorsitzende der Segofils, Norbert Necker, konnte neben dem Referenten Thomas Rohr aus dem Sparkassenberatungsdienst „Geld und Haushalt“, auch den Leiter des Seniorenzentrum St. Martin, Alexander Funk, begrüßen.

„Schlafend sterben im Bett lässt sich nicht immer einrichten“, sagte der Gast. Und schon war man mittendrin im Thema. „Wir werden älter, bleiben aber auch länger gesund“, sagte Thomas Rohr. Trotzdem nehme die Zahl der Pflegebedürftigen zu. 2,7 Millionen seien es aktuell, 3,5 Millionen werden 2030 und sogar 4,5 Millionen 2060 erwartet. „Langfristig ist das Thema Pflege mindestens genauso wichtig“, unterstrich der Experte angesichts dieser Zahlen.

Keine Zählerei der Minuten

Der Trend gehe zur häuslichen Pflege. Dem tragen die beiden neuen Pflegestärkungsgesetze mit zum Teil deutlich erhöhten Sätzen für die ambulante Pflege in den eigenen vier Wänden Rechnung. Aus drei Pflegestufen werden fünf Pflegegrade, was auf einen Schlag zu einer halben Million mehr Leistungsbeziehern führe. Thomas Rohr hält die Pflegestärkungsgesetze dennoch für einen „ordentlichen Wurf“. So falle beispielsweise die bisherige Minutenzählerei bei der Einstufung weg. Und auch der Eigenanteil in der stationären Pflege bei der Einstufung in den nächsthöheren Pflegegrad steigt künftig nicht mehr. Der Sparkassenberatungsdienst bietet die Vorträge im Übrigen vollkommen unentgeltlich sowohl für die Veranstalter als auch die Hörer an.

Staat springt ein

Als Vollkaskoversicherung war die 1995 eingeführte Pflegeversicherung nie konzipiert. Das sei bei einem Beitrag von maximal 2,8 Prozent und einer durchschnittlichen Pflegedauer von 8,3 Jahren auch schlechterdings unmöglich. Die Versorgungslücke zwischen Versicherungsleistung und möglichen Kosten für Pflege oder Pflegeheim müsse durch die eigene Rente, Vermögen oder die unterhaltspflichtigen Kinder gedeckt werden. „Bei mir wären das für meine Mutter knapp 300 Euro im Monat“, entschärfte Thomas Rohr jedoch sofort Befürchtungen nach einer unverhältnismäßig hohen finanziellen Belastung der Angehörigen. Und wo das alles nicht reiche, springe der Staat ein.