Ebersbach Flüchtlinge bereiten sich auf Arbeitsleben vor

Ihrem Wunsch nach einem Arbeits- oder Ausbildungsplatz kommen die jungen Flüchtlinge bei einem Training mit Coach Susanne Baral ein Stück näher.
Ihrem Wunsch nach einem Arbeits- oder Ausbildungsplatz kommen die jungen Flüchtlinge bei einem Training mit Coach Susanne Baral ein Stück näher. © Foto: Lilli Ell
Ebersbach / Lilli Ell 20.07.2018
Im Berufseinsteigertraining machen sich junge Flüchtlinge in Ebersbach fit für die ersten Schritte ins Arbeitsleben.

In der Zwischenzeit gibt es so gut wie keine neuen geflüchteten Menschen mehr in Ebersbach. Auch wenn die Zelte im „Ebercamp“ in der Strut längst leer sind, gibt es immer wieder neue Aktivitäten für die geflüchteten Menschen. Dafür sorgt Andrea Schiller, Integrationsmanagerin und Ansprechpartnerin für diejenigen, die in Ebersbach leben. So hat sie im Sommer ein Berufseinsteigertraining zusammen mit Susanne Baral, Expertin und Coach für Umgangsformen, Outfit und Persönlichkeit, an vier Montagen eingerichtet, um die geflüchteten Menschen fit für ein Vorstellungsgespräch zu machen.

In der Daimlerstraße 2, einer Wohnung, die die Stadt angemietet hat, sitzen einige junge Männer von 16 bis 25 Jahren im größten Raum, dem Wohnzimmer, um den Tisch herum und sind konzentriert bei der Sache. Vor sich haben sie bunte Zettel mit einer Hausaufgabe liegen. Gespannt warten sie darauf, dass Susanne Baral das Signal für den Beginn gibt. Zur Erfrischung gibt es Getränke, Kekse und frische Erdbeeren.

Der Inhalt des Kurses orientiert sich an dem, was für ein Vorstellungsgespräch nötig ist. Da geht es zunächst um eine Bewerbungsmappe. Was gehört alles hinein? Ein weiteres Thema sind die Umgangsformen und das Outfit. Wie begrüße ich mein Gegenüber richtig? Was ziehe ich zu einem Bewerbungsgespräch an? Das haben die jungen Männer schon umgesetzt, sie kommen in einem neutralen weißen Hemd und einer ordentlichen Hose. Ein nächstes Thema stellt das Essen dar, Tischkultur in Deutschland. Da gibt es erhebliche Unterschiede zu den Herkunftsländern.

Das letzte Thema ist der Ablauf eines Bewerbungsgespräches, da wird mit der Trainerin simuliert und geübt, wie man sich einerseits richtig verhält und wie man das alles in Sprache umsetzt. Da gibt es bei den Teilnehmern große Unterschiede, die aber von Susanne Baral gekonnt korrigiert und liebevoll ausgeglichen werden. Es macht eben einen Unterschied, ob ein Teilnehmer sich auf B1-Niveau ausdrücken kann, ob er noch kaum Deutsch kann oder ob er noch die Hauptschule besucht – drei sehr verschiedene Sprachniveaus, die es im Laufe der Zeit noch auszugleichen gilt.

Klar ist bei allen Sprachschwierigkeiten, die noch bestehen, die Teilnehmer haben noch keine klar umrissene Vorstellung ihrer Zukunft. Das liegt auch daran, dass sie die vielen Berufsmöglichkeiten, die es in Deutschland gibt, bei weitem nicht überschauen können. Aber sie sind bereits so weit, dass sie die eine oder andere Vorstellung äußern können. So ist da Friday, 26 Jahre alt, der aus Nigeria kommt, seit drei Jahren in Ebersbach lebt und bereits eine Woche in der Kältetechnik gearbeitet hat. Ihm gefällt es in Ebersbach, deshalb hätte er gerne einen Job oder noch besser einen Ausbildungsplatz hier.

Firas Almasri, 25 Jahre, kommt aus Syrien und arbeitet schon seit einem Jahr in einer Bäckerei. Auch wenn ihm das sehr frühe Aufstehen Mühe macht, beißt er sich wacker durch und ist überaus interessiert. Auch handwerklich ist er geschickt. Das kann er als Stärke verbuchen, da er damit den deutschen Schülern etwas voraus hat, die können oft nur Schule. Sein Traum wäre ein Restaurant, vielleicht eines, das arabische Spezialitäten anbietet. Das erfordert Kenntnisse im Kochen, in der Kommunikation, er muss rechnen können, er braucht einen Führerschein und positives Auftreten, auch Menschenkenntnis ist nötig und der Wille zu langen Arbeitszeiten. So entsteht eine Vision für die Zukunft der jungen Männer, die kein bisschen resigniert wirken, im Gegenteil sie sind engagiert und interessiert und setzen sich mit den Themen des Trainings auseinander.

Immer wieder greift Susanne Baral sanft ein mit hohem Sachverstand und zugewandter Art, sodass die Teilnehmer ihre Angst, auch vor dem Sprechen vor anderen, rasch verlieren. Das ist auch nötig, um sprachlich und mit den richtigen Umgangsformen weiterzukommen bei diesem Training im noch sehr fremden Land und der westlichen Kultur. Ihre offene Art lockert die Atmosphäre und schafft ein gutes Lernklima. Es trägt auch dazu bei, dass die jungen Männer sich für ihre Sache einsetzen und öffnen können. Mit diesem Wissen wird es ihnen hoffentlich leichter fallen, einen Ausbildungsplatz oder zumindest einen Job zu finden.

Info Andrea Schiller arbeitet seit Anfang des Jahres als Integra­tions­managerin der Stadt Ebersbach, seit Anfang Mai wird sie dabei von Bernd Matthiesen unterstützt.. Schiller ist außerdem seit gut zwei Jahren die Flüchtlingskoordinatorin der Stadt. Intergra­tionsmanager helfen erwachsenen Flüchtlingen mit Bleibeperspektive, die Hürden im Alltag zu bewältigen und einen Job zu finden.

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