Kreis Göppingen Zu viele Vorurteile gegenüber Süchtigen

Alkoholismus ist die am häufigsten festgestellte Suchtkrankheit im Landkreis Göppingen (nachgestellte Szene)
Alkoholismus ist die am häufigsten festgestellte Suchtkrankheit im Landkreis Göppingen (nachgestellte Szene) © Foto: Archiv
Kreis Göppingen / Michael Scheifele 11.07.2018
Süchtige werden gesellschaftlich zu schnell verurteilt, kritisiert die Diakonie. Es sind oft Männer oder Frauen mit psychischen Problemen, aber deswegen keine schlechten Menschen.

Zunächst klingt es positiv: Die Mitarbeiter der Diakonie betreuten im vergangenen Jahr 1281 Menschen im Landkreis Göppingen wegen Suchterkrankungen – und damit 59 weniger als im Vorjahr. Das ist im Jahresbericht der diakonischen Suchtberatungsstelle zu lesen.

Doch der Schein trügt: „Viele Suchtkranke warten aus Angst vor sozialer Ausgrenzung länger, bis sie sich in Behandlung begeben“, erklärt die Fachbereichsleiterin Gisela Messerschmidt. Sie geht von einer hohen Dunkelziffer aus und nennt dafür einen Grund: „Betroffene sind häufig Vorurteilen ausgesetzt, da die Sucht fälschlicherweise nicht als Krankheit wahrgenommen wird. Patienten wird stattdessen eine schlechte Persönlichkeit unterstellt. Dies ist ein gesellschaftliches Problem“, bemerkt Messerschmidt.

Meistens handelt es sich bei den Süchtigen um Alkoholiker. Sie machen 415 der Erkrankungen aus. Danach folgen statistisch betrachtet schwer abhängig machende Opioide  wie Heroin (189), Cannabis (109) sowie neue psychoaktive Drogen wie Kräutermischungen (107). Während die meisten Alkoholkonsumenten zwischen  45 und 54 Jahre alt sind, sind die meisten Konsumenten von Opioiden mit 30 bis 34 Jahren deutlich jünger. Cannabis konsumieren meist junge Erwachsene zwischen 20 und 24 Jahren. Minderjährige rauchen fast ausschließlich Marihuana.

Viele Patienten werden mit Ersatzstoffen behandelt, was laut Diakonie eine gute Vorgehensweise ist. Wer mehr wissen will, kann am Donnerstag (12. Juli) einen Blick ins E-Paper oder in die gedruckte Ausgabe unserer Zeitung werfen.

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