Klaus Schoppa glaubte seinen Augen nicht zu trauen: In seiner ehemaligen Schule soll Black Sabbath aufgetreten sei? Eine Band, die den 59-Jährigen nachhaltig beeindruckt hat? Die zu den 100 erfolgreichsten Bands aller Zeiten gehört? Die im Januar bei ihrem vorerst letzten Konzert in Deutschland die Lanxess-Arena in Köln mit 15 000 begeisterten Fans füllte? Tatsächlich waren die Musiker um Ozzy Osbourne vor fast 50 Jahren nach einer Tournee durch die Schweiz völlig abgebrannt und verdienten sich ihre Rückreise mit Konzerten in der Provinz. Und kamen so auch nach Göppingen.

Der Musikjournalist Christoph Wagner ist der frühen Geschichte von Black Sabbath, aber auch der von The Who, Rolling Stones, Jimi Hendrix oder John Lee Hooker nachgegangen und weckt in seinem Buch „Träume aus dem Untergrund – Als Beatfans, Hippies und Folkfreaks Baden-Württemberg aufmischten“ auch bei vielen Göppingern Erinnerungen. Wie es freilich dazu kam, dass Black Sabbath nicht nur in der Kaufmännischen Schule auftrat, sondern auch noch zu einem Foto-Shooting ins Kloster Adelberg fuhr, das ließ sich bislang nicht recherchieren und wird wohl weiter im Dunklen bleiben. Klaus Schoppa jedenfalls kann kaum glauben, dass Ozzy Osbourne offenbar großen Spaß daran hatte, sich in den Schnee zu werfen und ein „Engelchen“ zu machen.

Soviel ist klar: Eingeladen worden war die Band auf Initiative der vier Göppinger Gymnasien, die mit damals weitgehend unbekannten englischen und amerikanischen Rockbands dem kleinstädtischen Mief entgegenwirken wollten. Büdi Siebert, heute selbst erfolgreicher Musiker, gehörte damals zu denjenigen, die für die Organisation der Konzerte mit verantwortlich waren. „Gegen die ewig Gestrigen in Göppingen war Musik unser einziger Ausweg. Die Rockmusiker waren unsere Helden“, bekräftigt er.

Ob die Band berühmt war oder nicht, das spielte keine Rolle. Büdi Siebert: „Wenn die Band aus England kam, konnte sie nur gut sein“. Siebert war zuständig für die Flugblätter, „die wir auf Matrize tippten und verteilten“. Leider hatte jemand den Namen falsch verstanden, und so war nicht „Black Sabbath“, sondern „Black Satans“ zu lesen. „Es ging durch alle Schulen wie ein Lauffeuer, dass eine englische Band auftreten wird“, erinnert er sich noch gut. „Wir saßen in der Aula der Schule auf dem Boden – nur fünf Meter von Ozzy Osbourne entfernt.“ Und: „Es war die erste Hardrock Band in meinem Leben, die ich hörte.“ Sie sollte ihn nachhaltig beeindrucken. Wie auch Hans Bergmann. Auch er wurde Berufsmusiker, war damals 17 Jahre alt und „elektrisiert von den Musikern“. Lange Haare, dunkle Kleidung, „das war eine ganz andere Welt, die uns fremd war, dagegen waren wir brav“. Zwar war der Bartenbacher nie ein großer Fan von Black Sabbath, an „die großstädtische Kultur, die sie nach Göppingen brachten“, erinnert er sich aber noch sehr gut.

Werner Dannenmann spielte damals bereits in der Band „E Pluribus Unum“ – unter anderem mit Reiner Oliva. Er meint sich erinnern zu können, dass Black Sabbath gar die Vorgruppe seiner Band war. „Als wir sie dann hörten, waren wir uns einig: danach können wir nicht mehr auftreten!“. Denn: „Diese Musik war der Hammer. Sie war unglaublich und sehr professionell. Black Sabbath waren doppelt so laut und doppelt so schnell als alles, was wir vorher gehört hatten“. Die Stimme von Ozzy Osbourne, „das war pure Testosteron-Energie und für uns Testosteron-pubertierenden Jungs genau das richtige“. Dannenmann erinnert sich: „Das war noch einmal etwas ganz anderes als die Beatles oder die Stones.“ Und er weiß noch: „Das Konzert war ein unglaublicher Glücksfall. Zwei Wochen später erschien Black Sabbaths Album „Paranoid“. „Jetzt waren sie plötzlich Weltstars und wären nicht mehr zu einem Konzert in eine Schule gekommen!“.

Klaus Schoppa war noch zu jung, als die Band 1969 nach Göppingen gekommen war. Etwas wehmütig blättert er die Seiten der „Träume aus dem Untergrund“ durch und freut sich über den ausgelassen im Schnee liegenden Ozzy Osbourne.

Autor Christoph Wagner liest in Tübingen


Buch „Träume aus dem Untergrund – Als Beatfans, Hippies und Folkfreaks Baden-Württemberg aufmischten“ erschien im Silberburg-Verlag, ISBN
978-3-8425-2039-4.

Lesung Am 22. Februar 2018 lädt Christoph Wagner nach Tübingen zu einer Lesung ein. Sie wird aufgezeichnet und am 25. Februar ab 23 Uhr im Hörfunkprogramm SWR 2 gesendet.