Donzdorf Widerstand gegen geschlossene Einrichtung

Die Vinzentiuspflege möchte in Donzdorf eine neue Betreuungsform für Mädchen einführen, die der besonderen Betreuung bedürfen. Dazu soll neues Gebäude als geschlossene Einrichtung gebaut werden. Foto: Giacinto Carlucci
Die Vinzentiuspflege möchte in Donzdorf eine neue Betreuungsform für Mädchen einführen, die der besonderen Betreuung bedürfen. Dazu soll neues Gebäude als geschlossene Einrichtung gebaut werden. Foto: Giacinto Carlucci
DANIEL GRUPP 05.07.2012
Die Vinzentiuspflege in Donzdorf möchte eine geschlossene Einrichtung für traumatisierte Mädchen auf die Beine stellen. Mit einer Flugblattaktion zeigen Anlieger heftigen Widerstand - sie fürchten Schwerverbrecher.

"Hast du auch schon unterschrieben gegen das Gefängnis" - wie Bürgermeister Martin Stölzle beobachtet hat, macht dieser Satz derzeit in Donzdorf die Runde. An Stammtischen, aber auch bei Anfragen und Gesprächen mit der Stadtverwaltung gehen die Wogen hoch. Da sei an Stammtischen die Rede von Gefängnis und Schwerverbrechern, obgleich es um diese Klientel gar nicht gehe, betont der Bürgermeister. Stölzle ist überzeugt, wenn bekannt wäre, "was eigentlich geplant ist, käme es zu keinen hohen Wogen".

Es geht um die Pläne der "Vinzentius-Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe in der Franz von Assisi Gesellschaft", wie sie offiziell heißt, in der Jugendhilfe ein neues pädagogisches Konzept anzubieten. Dazu möchte die "Vinze", wie die Donzdorfer sagen, auf dem Gelände an der Schillerstraße einen Neubau errichten. Es geht um eine geschlossene Einrichtung von zwei Wohngruppen für zusammen 18 Mädchen im Alter von zwölf bis etwa 14, 15 Jahren, erläutert Hans-Dieter Beller, Geschäftsführer der Franz-von-Assisi-Einrichtungen. Die gemeinnützige GmbH hat ihren Sitz in Schwäbisch Gmünd.

Traumatisierte Mädchen - keine Gewalttäter

Beller redet davon, dass in Donzdorf eine "geschützte Einrichtung" vorgesehen ist. Dabei gehe es nicht darum, die Nachbarn vor den Mädchen zu schützen. Vielmehr solle verhindert werden, dass sich die Schützlinge der für sie gedachten Erziehung entziehen. "Es geht schwerpunktmäßig um Mädchen, die weglaufen, die in ihrer seelischen Entwicklung gefährdet sind, weil sie sich ihrer Erziehung entziehen", erläutert der 63-Jährige. Oft seien die Mädchen schwer traumatisiert.

Die Vinzentiuspflege werde in Donzdorf auch nicht jeden Fall aufnehmen. Gewaltbereitschaft sei ein Ausschlusskriterium. Es würden auch keine Mädchen einziehen, die von Drogen abhängig sind oder einer psychiatrischen Behandlung bedürfen. Die Intensivwohngruppen werden kein Haftersatz sein, versichert der Geschäftsführer. Das Konzept sieht zudem vor, dass die Jugendlichen zu einem "Minimalkonsens" bereit sind. Sie müssen in die Aufnahme einwilligen. Damit sich die Mädchen dem Erziehungsangebot in festen Strukturen nicht einfach entziehen können, können ihre Freiheitsrechte eingeschränkt werden. Wer sich allerdings dauerhaft der Erziehung verweigert, muss die Einrichtung verlassen.

Flugblattaktion mit Unterschriften der Gegner

Nachbarn und "besorgte Eltern" betonen indes in einem Flugblatt den Charakter einer "geschlossenen Anstalt zur Unterbringung von Jugendlichen nach § 1631 b des Bundesgesetzbuches. Damit sei der Freiheitsentzug von Kindern zur Abwendung einer erheblichen Selbst- oder Fremdgefährung geregelt. Damit würden in Donzdorf bald Jugendliche betreut werden, die erheblich gefährlicher seien als die bisherigen Schützlinge der Vinzentiuspflege.

Zudem ziehen die Gegner der Pläne einen Vergleich zu den Amokläufen in Winnenden und Memmingen. Eine solche Einrichtung passe nicht zur benachbarten Steingarten-Grundschule. Dem Flugblatt ist eine Liste angehängt, auf der Unterschriften gegen das Projekt gesammelt werden.

Viele Dinge, die da behauptet würden, sind nach Ansicht von Hans-Dieter Beller völlig haltlos. So hätten zum Beispiel die Amokläufer ein völlig anderes Persönlichkeitsprofil. Auch Bürgermeister Stölzle vermutet, dass die Gegner gewisse Dinge zusammenbringen, um einen bestimmten Erfolg zu erreichen. "Es ist eine konsequente Fortführung dessen, was die Vinzentiuspflege seit 150 Jahren macht", beschreibt er das Konzept. Auch im Gemeinderat herrsche bisher die Meinung vor, dass des rein passt. "Es ist eine Einrichtung für Menschen mit Schwierigkeiten." Er verweist auch darauf, dass die Steingartenschule schon seit Jahren gut mit der benachbarten Vinzentiuspflege zusammenarbeitet.