Kabarett Werner Koczwara über Komik in der Justiz

Werner Koczwara in Eislingen.
Werner Koczwara in Eislingen. © Foto: Axel Raisch
Eislingen / Axel Raisch 09.11.2018

Von Schwäbisch Gmünd nach Eislingen ist es nicht weit. Die Distanz, die der Gmünder Kabarettist Werner Koczwara in seinem Programm „Einer flog übers Ordnungsamt“ zwischen Gerichtsurteilen und Realität zurücklegt, ist jedoch so groß, dass der gesunde Menschenverstand auf der Strecke bleiben muss.

In kleine Geschichten geschmeidig eingepackt, zeigt Koczwara den unbestreitbaren Unterhaltungswert und oft unfreiwilligen Witz mancher Gesetzestexte und Urteile. Vieles hört sich ausgedacht an. Doch es ist wie immer: die Wirklichkeit ist um Längen unglaublicher. Das Volk staunt, was in seinem Namen so alles verkündet wurde. Man wundert sich allerdings nicht mehr, wenn Koczwara mit dem Beamer an die Leinwand wirft, was nicht wenige aus dem Volk als Anlass zur Klage sehen. Nackte Menschen in der Hotel-Sauna. Wer sähe da nicht einen triftigen Grund für eine Reisekostenminderung?

In solchen Situationen beweisen Gerichte dann mitunter sehr feinen Humor. So gab das 14. Bezirksgericht in Wien der Klage eines Urlaubers zum Teil statt, der bemängelt hatte, dass in der Mini-Bar täglich nur zwei statt zehn Schnapsfläschchen gestanden hätten. Das Urteil: eine Reisekostenminderung um 0,2 Prozent oder anders ausgedrückt: um 2 Promille.

Das alles hat Koczwara aufgespürt, der mit seinen Programmen ein neues Genre geschaffen hat: das juristische Kabarett. Dabei beschränkt er sich nicht auf bundesrepublikanische Juristenlyrik, sondern berichtet beispielsweise auch davon, wie Feldmäuse im Jahre 1520 zum Verlassen eines Ackers aufgefordert wurden. Andernfalls würden sie exkommuniziert. So weit, so gut. Nur – der Prozess erfolgte in lateinischer Sprache. Ob die Feldmäuse dessen mächtig waren?

Wie einst in der ARD-Sendung Herzblatt vermischt er in bester Susi-Manier skurrile Begebenheiten, Begründungen und Beschwerden zu einer rechtsphilosophischen Demonstration. Oder setzt den ungewollten Pointen mit knackigen Bemerkungen die Krone auf. Und gibt praktische Tipps für den Alltag: „Wenn Sie meucheln, dann besser in Bremen als in Bayern.“ Denn im einen Fall heiße „lebenslänglich“ durchschnittlich 8 Jahre, im anderen Fall 19 Jahre.

Das ganze Leben wird juristisch auseinandergenommen: vom Strafrecht bis zum Reiserecht, vom Arbeitsrecht bis zum Eisenbahnkreuzungsgesetz. Seine Zugabe gibt Koczwara unprätentiös einfach direkt im Anschluss an das Programm. In Erinnerung bleibt sie trotzdem. Das Publikum biegt sich vor Lachen bei seinen Übersetzungen deutscher Alltagssätze ins Schwäbische. Weil das Publikum so wohl noch hätte lange weitermachen können, gibt’s am Ende einen echten Rauschmeißer: Koczwara singt, dass er das Publikum nun von hinten sehen und heim fahren möchte. Axel Raisch

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