„Papa, deine Bienen fliegen.“ „Gut so, das gibt Honig“. „Papa, da fliegen aber viele Bienen. . . “ Imker sind eigentlich ruhige und geduldige Menschen. Müssen sie auch sein, denn bei ihrem Hobby geben Frauen den Takt an. Und wer glaubt ernsthaft, dass man(n) gleich 30 000 auf einmal im Griff hat. Wenn die Damen dann auch noch wochenlang untätig zuhause rumhocken müssen, weil es draußen zu kalt ist, kommen sie unweigerlich auf dumme Gedanken. Und so laufen die Imker in diesen Tagen in Scharen ihren schwärmenden Bienen hinterher. Und das bedeutet gleich doppelten Stress: Neben der sportlichen Herausforderung drohen auch spürbare Einbußen bei der Honigernte.

Schwärmen, um die eigene Art zu verbreiten

Da mag es den Imker kaum trösten, dass Schwärmen zur Natur der Bienen gehört. Es ist die effektivste Methode, die eigene Art zu verbreiten. In den Jahrmillionen ihrer Entwicklungsgeschichte haben die Bienen gelernt, dass im fortgeschrittenen Frühjahr dazu der günstigste Zeitpunkt ist: Da es überall in der Natur blüht, ist für genügend Nahrung gesorgt.

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Durch das reiche Angebot an Nektar und Pollen läuft auch die Königin im Stock zu Hochform auf: Bis zu 2000 Eier legt die Stockmutter am Tag. In der Folge „explodieren“ die Völker regelrecht und wachsen innerhalb weniger Wochen auf 30 000 bis 40 000 Bienen an. Da wird es bald eng im Kasten. Um Platz zu schaffen (und Neuland zu erschließen), beschließt das Volk, sich zu teilen: Dazu muss aber zunächst eine neue Königin nachgezogen werden, damit die zurückbleibenden Bienen nicht ohne Stockmutter dastehen. Ist die Nachfolge gesichert, sind die Bienen nicht mehr zu halten. Meist um die Mittagszeit, am besten bei Sonnenschein, bietet sich dann ein imposantes Schauspiel, wenn die Königin umgeben von einer großen, summenden Wolke davon fliegt.

Honigvorrat im Stock wird geplündert

Der Imker ist weniger begeistert: Schließlich verliert sein Volk mit dem Schwarm auf einen Schlag alle Flugbienen. Damit bricht nicht nur der Futterstrom ab, auch der bereits gesammelte Honigvorrat im Stock wird geplündert: Da niemand weiß, wohin die Reise geht und wann es wieder was gibt, hauen sich die Ausreißer zuvor den Honigmagen voll. Bis das abgeschwärmte Volk mit seiner jungen Königin wieder in die Gänge kommt, dauert es Wochen und bis dahin ist meist alles schon wieder verblüht.

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Früher war das anders. Da warteten die Imker sogar darauf, dass ihre Völker schwärmten. Je früher, desto besser. „Ein Schwarm im Mai, ein Fuder Heu“, lautete eine alte Bauernregel. Denn fing man den Ausreißer wieder ein, waren ohne großen Aufwand aus einem Volk zwei geworden. Die Einbußen bei der Honigernte waren ebenfalls zu verkraften, schließlich riss der Futterstrom aus der Natur den Sommer über nie richtig ab.

Bienen finden nach üppiger Rapsblüte kaum noch Nahrung

Heute ist das Gegenteil der Fall: Nach der üppigen Rapsblüte finden die Bienen in unseren ausgeräumten Agrarwüsten kaum noch Nahrung. Nicht selten müssen Imker ihre Bienen daher schon ab Juli mit Zuckerwasser oder Stärkelösung zufüttern, damit sie nicht verhungern.

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