Ebersbach an der Fils / INGRID ZEEB  Uhr
Seit ich das geschrieben habe, nehme ich meine eigenen kleinen Ärgernisse nicht mehr so wichtig", sagt Alexandra Gaida-Steingaß und lächelt. Die 37-Jährige hat gerade ihr zweites Buch veröffentlicht.

Als glückliche Mutter einer vierjährigen Tochter stellte sich die Ebersbacherin die Frage: "Was ist, wenn es mit der Elternschaft nicht so gut läuft?" Herausgekommen ist ein spannender, zugleich nachdenklicher und hoffnungsvoller Interviewband, in dem es um Themen wie Krankheit, Behinderung und Abschied nehmen geht. Dass es dennoch kein trauriges Buch geworden ist, liegt am zuversichtlichen Grundton der Gespräche und dem Optimismus, mit dem die Betroffenen ihr Schicksal trotz aller Hindernisse in die Hand nehmen.

Auch bei Alexandra Gaida-Steingaß lief nicht alles reibungslos: Die studierte Medienmanagerin wollte eigentlich in der Elternzeit ihre Promotion über Erich Kästner und die Verfilmung seines Romans "Fabian" schreiben. Doch das zerschlug sich überraschend. Sie hielt dennoch an ihrem Thema fest, und statt einer Doktorarbeit wurde es ihr erstes Buch - der Grundstein für ihren eigenen kleinen Verlag war gelegt. Anders als in einem großen Konzern hat die Ebersbacherin die Kontrolle über den ganzen Produktionsprozess - vom Schreiben über die Herstellung bis hin zum Versand. Wichtig war ihr beim aktuellen Projekt, dass das Buch gebunden sein sollte ("Ich bin einfach ein haptischer Mensch"), und dass sie als Fachfrau aus dem Verlagswesen vom Schriftbild bis zum Cover das ganze Erscheinungsbild selbst gestalten konnte.

Das Besondere daran ist die Interviewform. Zwölf Menschen, die in unterschiedlichster Weise mit schweren Herausforderungen in der frühen Familienphase konfrontiert sind, erzählen. Gaida-Steingaß ist keine Psychologin, aber sie fragt einfühlsam nach, kommentiert nicht, sondern lässt die Betroffenen ausführlich zu Wort kommen.

Es berichten beispielsweise Eltern, die sich nach wenigen Tagen von ihrem schwerkranken Kind verabschieden mussten, ein Familienvater, der seine Frau im Wachkoma pflegt, eine Drillingsmutter und ein junger Vater, der seine traumatischen Erlebnisse als Soldat im Afghanistan-Einsatz verarbeiten musste.

"Nachdem ich die Idee hatte, taten sich plötzlich alle Türen auf": Im eigenen Bekanntenkreis fand die 37-Jährige Betroffene, die über ihr Schicksal sprachen. Mit anderen kam sie durch Freunde, über Elternforen im Internet oder Fernsehbeiträge in Kontakt. Das Sprechen über schwere Erfahrungen und Grenzsituationen hatte für die Betroffenen etwas Befreiendes: "Einige sagten mir hinterher, sie haben das Gefühl, ihr Schicksal war nicht umsonst. Indem sie ihre Geschichte erzählen, können sie anderen Menschen helfen, die in einer ähnlichen Situation sind", erinnert sie sich.

Über eine Nachricht hat sich die Verlegerin vor einigen Tagen besonders gefreut: Der EKZ-Dienst, ein Unternehmen, das 10.000 öffentliche Bibliotheken bei der Neuanschaffung von Titeln berät, hat eine Empfehlung für ihr Buch ausgesprochen. Eine Anerkennung, die sie darin bestärkt, mit ihrem kleinen Verlag auf dem richtigen Weg zu sein. "Weitere Projekte sind schon angedacht", verrät sie: "Sicher ist: Es wird wieder um Lebens- und Zeitfragen und biografische Themen gehen."

Info "Anders als erwartet - Von besonderen Herausforderungen in der frühen Familienphase. Zwölf Interviews" ist bei Accepta Kommunikation unter ISBN 978-3-9815651-2-6 erschienen.