Schlat Wenn der Apfel in der Kühlhalle ins Koma fällt

INGE CZEMMEL 22.08.2016
Apfel und Verführung gehören schon seit Adam und Eva zusammen. Auch in Schlat drehte sich beim „Sommer der Ver-Führungen“ alles um den Apfel.

„Wer täglich einen Apfel isst, der wird vom Doktor schnell vermisst“, heißt ein bekanntes Sprichwort. Doch kaum jemand, der täglich ein oder mehrmals in einen knackigen Apfel beißt, weiß um den Aufwand, den die süße Frucht dem Obstbauern macht. Beim „Sommer der Ver-Führungen“ ließen sich mehr als 40 Besucher von Tobias Hösch in die Geheimnisse des Apfelanbaus einweihen. Er führte durch zwei seiner Obstanlagen und beantwortete geduldig zahllose Fragen.

Los ging der Spaziergang am Hofladen Hösch-Mayer, wo bereits die ersten Sommeräpfel, wie Klaräpfel, Piros und Gravensteiner, zum Verkauf bereitstehen. In der Anlage angekommen, erklärte Hösch, in dessen Betrieb insgesamt etwa 15 Apfelsorten angebaut werden: „Hier wachsen die Sorten Golden Delicious, Pinova und Fuji. Das sind süße, knackige Sorten, die in den letzten Jahren besonders gefragt waren.“

Die Gäste erfuhren, dass im 420 Meter hoch gelegenen Schlat wegen seiner Kesseltallage das Obst besonders gut gedeiht. Die Gemeinde bleibe von Frost und Gewitter häufig verschont. Zwischen den maximal zwei Meter hohen Bäumen, die größtenteils vom Boden aus abgeerntet werden können, lagen jede Menge Äpfel.

„Stress ist schlecht für die Früchte und die Blüte im kommenden Jahr“ erklärte Hösch. Deshalb würden beschädigte, verkrüppelte und überzählige Früchte entfernt und aus arbeitsökonomischen Gründen zum Verrotten liegen gelassen. Je nach Alter sollte ein Baum nur eine bestimmte Anzahl an Früchten tragen. Baumschnitt, Düngung, Bekämpfung von Ungeziefer und Pilzen, Ernte, Lagerung – in der Apfelplantage gibt es immer etwas zu tun. Durch den vielen Regen machen den Obstbauern in diesem Jahr vor allem Pilze und Läuse zu schaffen. Apfelwickler gibt es dagegen kaum. Da die Früchte eines Baumes nicht gleichzeitig reif sind, werden drei bis fünf Pflückungen anberaumt.

Hösch beantwortete unzählige Fragen und hatte an der zweiten Anlage eigens Schautafeln vorbereitet, um dem interessierte Publikum sein Fachwissen zu vermitteln. Auch die Funktion der Kühlhallen, denen zu verdanken ist, dass man das ganze Jahr über Äpfel essen kann, wurde verständlich erläutert. „Wir versetzen in unseren drei luftdichten Kühlhallen die Äpfel sozusagen ins Koma, aus dem sie im Frühjahr wieder erweckt werden“, verdeutlichte der Gästeführer. „Die Temperatur sowie die genaue Luftzusammensetzung lässt sich mittels eines Stickstoffgenerators und eines Sauerstofffilters exakt steuern. Durch Kälte und das Fehlen von Sauerstoff wird der Reifevorgang gestoppt.“

Für die Lagerung eignen sich ausschließlich unbeschädigte Äpfel, die am besten aus der ersten Pflücke stammen. „Eine lange Lagerung erfordert zunächst eine optimale Ernte zum richtigen Zeitpunkt“, macht Hösch deutlich und verrät zum Abschluss: „Golden Delicious, Jonagold und Ida Red sind die haltbarsten Sorten.“