Bühne Welt in der Provinz: Theaterfestival Donzdorf

„The Movement RSA“ aus Südafrika (Freitag, 17 Uhr) hat sich für ihr Stück von Arthur Millers „Hexenjagd“ inspirieren lassen.
„The Movement RSA“ aus Südafrika (Freitag, 17 Uhr) hat sich für ihr Stück von Arthur Millers „Hexenjagd“ inspirieren lassen. © Foto:
Donzdorf / Marcus Zecha 05.05.2018

Am Mittwoch ist es wieder soweit: Dann hebt sich der Vorhang für vier Tage großes Theater im kleinen Donzdorf. Seit 1992 strahlt das von Gerhart Kraner ins Leben gerufene Internationale Theaterfestival weit über nationale Grenzen hinaus. Ganz nach dem Motto „Die Welt kommt in die Provinz“ sind 16 Gruppen aus 14 Ländern und von drei Kontinenten, überwiegend aus dem Amateurtheaterbereich, zu Gast. Schirmherrin ist Staatssekretärin Petra Olschowski.

Bewusst werden Gruppen aus nicht befreundeten oder gar verfeindeten Ländern eingeladen. So sind diesmal Theatergruppen aus Ägypten, Iran und Israel dabei, neben Ensembles aus Südafrika, Chile, Polen, Spanien, England, Slowenien, der Tschechischen Republik, den Niederlanden und aus Deutschland.

Ausgerichtet und organisiert wird die Veranstaltung von der Stadt und dem Aktionstheater Donzdorf. Das Orga-Team vor Ort wird von Gerd Rayer aus dem Hauptamt geleitet, die Fachleitung hat Raphael Wohlfahrt inne. Letzterer ist seit 2010 in Kontakt mit den internationalen Ensembles und musste schon öfter um deren Teilnahme bangen. Diesmal erhielten die Mitglieder der ägyptischen Gruppe erst vor wenigen Tagen ihre Visa. Doch auch in Donzdorf selbst ist Vorsicht geboten: Auch wenn sich die Gruppen privat bestens verstehen – vor gemeinsamen Fotos mit dem politischen Feind wird von den Veranstaltern ausdrücklich gewarnt. „Da geht es um die Existenzen der Mitwirkenden“, betont Wohlfahrt.

Dennoch stehen beim Festival Begegnung und Dialog im Vordergrund, sowohl zwischen den Gästen und der Bevölkerung  wie auch zwischen den Gruppen, und das seit mehr als 25 Jahren. So lange schon bietet das Internationale Theaterfestival Donzdorf Bühnenkultur im ländlichen Raum. Das überschaubare Festivalgelände im Ortszentrum zwischen Stadthalle, Castello und Becher passt da gut ins Konzept. „Ein Festival zum Anfassen“ sei das, meint Bürgermeister Martin Stölzle. Und dies nicht nur für die Donzdorfer. Inzwischen kämen etwa zwei Drittel der zuletzt 2300 Beuscher aus dem Umland.

Das Theaterfestival habe sich im Lauf der Jahre gefestigt und sei langsam, aber stetig gewachsen, betont Stölzle, der davon überzeugt ist, dass die vielen Gruppen aus aller Welt ein wenig zur Weltoffenheit seiner Stadt beigetragen haben. Stölzle: „Der Samen ist aufgegangen.“

Ab Mittwoch zeigen zum zehnten Mal Theaterensembles aus der ganzen Welt in der 11 000-Einwohner-Stadt am Fuß der Schwäbischen Alb ihre aktuellen Produktionen, wollen vermeintliche Andersartigkeit und Gemeinsamkeiten erfahren, sind miteinander kreativ tätig, diskutieren in Gesprächsforen und feiern.

Auch diesmal sei Pluralität der rote Faden des Festivals, so Stölzle. Und Raphael Wohlfahrt vom Aktionstheater ergänzt: „Wir wollen hier eben nicht l’art pour l’art, sondern Stücke, die die Lebensgestaltung der Menschen in den verschiedenen Ländern widerspiegelt“, meint Wohlfahrt. „Wir wollen den Nachrichten ein Gesicht geben.“

Info Sämtliche Vorstellungen sind öffentlich und finden in der Stadthalle oder im Martinushaus Donzdorf statt. Karten im Vorverkauf gibt es im Rathaus, Zimmer 302, Tel. (07162) 922-308, und bei der Kreissparkasse Göppingen. Jeweils um 9 Uhr des Folgetags beginnt die Nachbesprechung der jeweiligen Stücke im Theatercafé.

Das Programm des 10. Internationalen Theaterfestivals Donzdorf

Mittwoch, 9. Mai
19 Uhr: Eröffnung; im Anschluss: Theater Kruimels, Niederl.: The Hard Cover, Stadthalle

Donnerstag, 10. Mai
9 Uhr: Vortrag Stephan Schnell zu „Erinnerungen an die Zukunft“, Stadthallenrestaurant; anschl.: Zeitzeugencafé mit Martin Stölzle und Gerhart Kraner
11.30 Uhr: Studio Rapsodyczne, Polen: Romeo and…, Martinushaus
14 Uhr: Yoram Loewenstein Acting School, Israel: 3.5 Seconds, Stadthalle
17 Uhr: Saye Theatre, Iran: Silent House, Martinushaus
20 Uhr: Theatretk, Spanien: Gloomy Sunday, Stadthalle

Freitag, 11. Mai
11 Uhr: Colectivo Racún, Chile: „Common Ground, Stadthalle
14 Uhr: Reversing Door, Tschech. Rep.: I am Lucien, Stadthalle
17 Uhr: The Movement RSA, Südafrika: The Crucifixion of Amagqwirha, Martinushaus
19.30 Uhr: Krov, Niederl.: Afterparty, Stadthalle
21 Uhr: Düsünenler, Türkei: Eve’s Apple“, Martinushaus

Samstag, 12. Mai
11 Uhr: Scrambled Egg, England: A Man of No Importance, Stadthalle
14 Uhr: El La’aba Theater Troupe, Ägypten: The Key to Fame, Martinushaus
16 Uhr: Layertruppe, Mannheim: Die Frauen von Troja, Stadthalle
20 Uhr: Die Fremden, Österreich: Fahraway, Stadthalle; anschli.: Abschlussfest im Martinushaus

Sonntag, 13. Mai
11 Uhr: Teja & Jost, Slowenien: Grandpa and Grandson (ohne Sprache, ab 3 Jahren), Martinushaus
12 Uhr: Seniorentheater Die Bunten Zellen, Berlin: Berliner Pflanzen, Stadthalle

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