Die Pietà des Franz Ignaz Günther entstand 1774 in München. Dem herausragenden Bildhauer ist es gelungen, den Schmerz der Muttergottes beim Anblick ihres gerade gestorbenen Sohnes bildhauerisch festzuhalten. Die Wirkung dieser Szene wird durch deren Farbe verstärkt. Bis heute besticht das Werk durch seine originale Farbfassung.

Doch seit der Restaurierung vor zehn Jahren haben sich Staub, Ruß und Spinnweben über das Kunstwerk gelegt. Diese Ablagerungen werden nun entfernt. Unwillkürlich fragt man sich, ob denn bisher niemand in der Lage war, mit einem Staub­lappen diese Aufgabe zu erledigen. Doch was im eigenen Haus problemlos funktioniert, darf bei diesem Werk von Weltrang nicht gemacht werden.

Die Farbfassung des mehr als 240 Jahre alten Kunstwerks ist fragil. Das bedeutet, dass an der Skulptur überall kleine Farbpartikel abzuplatzen drohen. Bei falscher Behandlung würde die Pietà ihre Farbigkeit und damit einen Teil ihrer Ausdrucksweise verlieren. Daher darf nur jemand vom Fach diese Aufgabe übernehmen.

Auf Initiative des Fördervereins Franz Ignaz Günther Nenningen beseitigt in den kommenden Tagen die Aalener Restauratorin Karin Krüger im Auftrage des Landesamtes für Denkmalpflege die Ablagerungen. Gleichzeitig überprüft sie die Farbfassung, festigt lose Farbpartien und überarbeitet alte Retuschen. Die Restaurierung erledigt die Fachfrau vor Ort, denn die aus achtzehn Teilen zusammengesetzte Skulptur darf nicht mehr von ihrem Standort wegbewegt werden. Zu diesem Zweck wurde in der Nenninger Friedhofskapelle eigens ein Gerüst aufgebaut.

Im Vorfeld hatte der Vize-Vorsitzende des Fördervereins, Bernhard Baum, die Hohlkehle zwischen Decke und Wand von Staub und Spinnweben befreit. Am Ende der Reinigung werden das Kapelleninnere und die Pietà wieder in ganzer Schönheit zu bewundern sein.  Gabriele von Trauchburg