Windkraft Weiter Gegenwind gegen Rotoren bei Baiereck

Drei Windkraftanlagen will ein Ellwanger Unternehmen im Wald zwischen Baiereck und Büchenbronn errichten. Die Bürgerinitiative Pro Schurwald hält dagegen und argumentiert mit neuen Erkenntnissen zum Lärmschutz und zum Rotmilan.
Drei Windkraftanlagen will ein Ellwanger Unternehmen im Wald zwischen Baiereck und Büchenbronn errichten. Die Bürgerinitiative Pro Schurwald hält dagegen und argumentiert mit neuen Erkenntnissen zum Lärmschutz und zum Rotmilan. © Foto: epd
Uhingen / Ingrid Zeeb 01.12.2016

Seit Ende Oktober sind die Bauanträge für drei Windkraftanlagen im Vorranggebiet Sümpflesberg (ES-02) beim Landratsamt eingereicht, so hat die Bürgerinitiative Pro Schurwald erfahren. Die Rotoren sollen in 700 Metern Abstand von Uhingen-Baiereck im Landschaftsschutzgebiet gebaut werden. Dagegen gibt es Widerstand, nicht nur im Nassachtal, auch in Ebersbach-Büchenbronn, Thomashardt (Landkreis Esslingen) und Schlichten (Rems-Murr-Kreis).

1500 Unterschriften wurden im August an Landrat Edgar Wolff übergeben. Jetzt hat die Bürgerinitiative Pro Schurwald neue Erkenntnisse präsentiert. Ein vierter Rotmilan-Horst wurde demnach innerhalb des 3300-Meter-Radius um die geplanten Anlagen entdeckt. „Damit liegt hier ein Rotmilan-Dichtezentrum vor“, sagt der Sprecher der Initiative, Michael Haueis. „Das ist ein KO-Kriterium. Somit ist hier keine Windkraftanlage zulässig.“ Auf dieses vierte Brutpaar sei man aufmerksam geworden, weil es in einem ornithologischen Fachgutachten auftauchte, das zu einem Windpark-Projekt im Rems-Murr-Kreis angefertigt worden war, erläuterte er bei einer Pressekonferenz in Baiereck.

Neue Erkenntnisse gibt es nach Angaben der Bürgerinitiative auch in Sachen Lärmschutz. Bereits jetzt schon seien einige Baierecker Anwohner den Lärmemissionen von ortsansässigen Firmen ausgesetzt, die den Grenzwert erreichen. Kämen weitere Lärmemissionen durch die Windanlagen hinzu, würde der Grenzwert überschritten. Das sei nicht zulässig, kritisiert der stellvertretende Ortsvorsteher Jochen Hofele. Entsprechende Lärmgutachten habe man auf eigene Kosten anfertigen lassen. „Und diese Anwohner werden klagen, sobald die Baugenehmigung erteilt ist“, kündigt er an.

Der Nassachtaler Ortschaftsrat und die Bürgerinitiative sehen in der „fehlenden Windhöffigkeit“ das Hauptargument, das dagegen spreche, für die drei Anlagen das Landschaftsschutzgebiet aufzuheben. „Wir haben erhebliche Zweifel an den von der projektierenden Firma Uhl zugrunde gelegten Werten“, bekräftigt Volker Krapf, ebenfalls Ortschaftsrat aus Baiereck.

Die Kritiker fordern, dass der Antragsteller ein Windgutachten vorlegt: „Die Messungen müssten in 100 Metern Höhe über einen Zeitraum von zehn bis zwölf Monaten durchgeführt werden, um aussagekräftig zu sein“, sagt Eberhard Hottenroth. Man habe aber bisher keinerlei Messeinrichtung des Unternehmens dort feststellen können. Dies bestätigt das Landratsamt: „Windgutachten zum Standort ES-02 liegen der Genehmigungsbehörde derzeit nicht vor. Die bisherigen Aussagen zu den Windverhältnissen am Standort, die in den Antragsunterlagen auch enthalten sind, orientieren sich am Windatlas Baden-Württemberg,“ heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme der Behörde.

Den erwarteten jährlichen Energieertrag der Anlage von 8830 MWh pro Windkraftwerk zieht die Bürgerinitiative in Zweifel. „So hohe Energieerträge konnte bisher noch keine einzige Windkraftanlage in Baden-Württemberg ins Stromnetz einspeisen“, sagt Haueis. Sein Fazit: „Trotz dieser utopischen Prognose entspricht dieser rechnerische Wert nur rund 65 Prozent des EEG-Referenzertrages und liegt damit nur knapp über dem Mindestrichtwert des Windenergieerlasses von 60 Prozent.“ Die zu erwartende Ausbeute liege jedenfalls deutlich unter der Ertragsschwelle von 80 Prozent des Referenzertragswertes.

Bei der Genehmigungsbehörde, dem Landratsamt Göppingen hält man sich derweil sehr bedeckt und pocht auf dessen strikte Neutralität im Verfahren. Was den Rotmilan anbetrifft, heißt es lapidar: „Derzeit läuft die Anhörung der Fachbehörden. Im Rahmen der fachbehördlichen Prüfungen werden auch das Vorhandensein und die Anzahl etwaiger Rotmilanhorste geprüft, wobei hierzu auch auf gutachterliche Bewertungen der Landesanstalt LUBW für windkraftempfindliche Vogelarten zurückgegriffen werden kann.“

Für Eberhard Hottenroth steht fest: „Wenn die Windräder kommen, dann schwindet die Lebensqualität im Tal der Frohen.“ Man tue alles, um die Abwanderung zu stoppen und junge Familien herzulocken. „Aber wenn hier langfristig keiner mehr herziehen will, dann können wir auch unsere gute Infrastruktur nicht mehr aufrechterhalten. Dann stirbt das Nassachtal.“

UMFRAGE: Was spricht gegen die Windräder?

Was  bisher geschah, und wie es weitergehen könnte

Uhingen: Der Ortschaftsrat Nassachtal/Diegelsberg  und der Gemeinderat der Stadt Uhingen haben sich bereits gegen das geplante Windkraftgebiet ES-02 Sümpflesberg ausgesprochen. Uhingen kann jedoch nicht mitentscheiden.

Esslingen: Der Landkreis Esslingen hat  entschieden, den auf seinem Gebiet liegenden Teil des Gebietes ES-02 wegen der zu geringen Windhöffigkeit abzulehnen. Somit fielen 41 Hektar Fläche weg, und es geht nur noch um die auf Göppinger Gebiet liegende Fläche von 28 Hektar.

Ebersbach: Das Grundstück ist baden-württembergischer Staatswald und liegt auf der Gemarkung Ebersbach. Der Ebersbacher Gemeinderat muss demnach sein Einvernehmen erteilen. Nach Informationen des Ortschaftsrates soll  Mitte Dezember darüber abgestimmt werden. Stimmt der Ebersbacher Gemeinderat zu, trifft das Landratsamt die Entscheidung, ob das Landschaftsschutzgebiet aufgehoben und die Baugenehmigung erteilt werden kann.

Landratsamt: Versagt die Stadt Ebersbach ihr Einvernehmen, und das Landratsamt kommt zu dem Ergebnis, dies sei rechtswidrig geschehen, erteilt es das Einvernehmen selbst.

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