Leitartikel Susann Schönfelder zu starken Frauen und Gleichberechtigung Weit entfernt vom Ideal

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NWZ Redaktion © Foto: Giacinto Carlucci
Kreis Göppingen / Susann Schönfelder 08.12.2018

Die gute Nachricht zuerst: Es gibt sie, die starken Frauen, die oft im Verborgenen Großartiges leisten. Sie bringen tagtäglich Beruf und Familie unter einen Hut, pflegen Angehörige, führen erfolgreich ein Unternehmen, leisten Herausragendes als Künstlerin oder Sportlerin, schauen bei ehrenamtlicher Tätigkeit nie auf die Uhr oder stehen in der Politik ihre Frau. Und es gab sie auch früher schon, diese starken Frauen, die entgegen jeden weiblichen Rollenklischees handelten – wie Friederike Wackler, die ein Unternehmen leitete, obwohl Frauen dem Gesetz nach im 19. Jahrhundert gar nicht geschäftsfähig waren.

Ist also alles in Butter? Sind Männer und Frauen gleichberechtigt? Leider nein. Von diesem Ideal sind wir auch im Jahr 2018 weit entfernt. Die „#Me Too“-Debatte im Netz, die das Ausmaß sexueller Belästigung – auch am Arbeitsplatz – aufzeigte, ist dabei nur die Spitze des Eisbergs. Führungspositionen in Unternehmen sind nach wie vor hauptsächlich Männersache. Schon allein deshalb, weil die Elternzeit für Mütter oft mit einem Karriereknick verbunden und Job und Familie im Anschluss meist nur in Teilzeit zu meistern ist. Firmen, in denen sich gut qualifizierte Frauen eine Führungsposition teilen, sind leider die Ausnahme.

In der Politik sieht es ähnlich aus: Seit 2005 regiert in Deutschland zwar eine Kanzlerin, auch die Kabinette sind weiblicher geworden. Doch bei genauem Hinsehen wird deutlich: Von einer Geschlechtergleichheit kann keine Rede sein. In den Kommunalparlamenten im Kreis Göppingen machen die Frauen nur 26,6 Prozent aus, im Stuttgarter Landtag sind es mit 25 Prozent noch weniger.

Doch es gibt Hoffnung: 100 Jahre nach dem Inkrafttreten des aktiven und passiven Frauenwahlrechts in Deutschland kann sich bei der Kommunalwahl im kommenden Jahr an diesen Zahlen etwas ändern. Auch Dank des Kreisfrauenrats, der bereits im Frühjahr kräftig die Werbetrommel rührte und die Parteien in die Pflicht nahm mit dem Ziel, mehr Frauen in die Parlamente zu bekommen. Es war ein überfälliger Weckruf zur rechten Zeit – nämlich bevor die Listen für die Kommunalwahl fertig sind. Bleibt zu hoffen, dass sich genügend Frauen aufstellen lassen – und im Mai auch gewählt werden.

Info In Kooperation mit dem Landkreis erscheint am 15. Januar 2019 ein Magazin, in dem alle erschienenen Porträts über die „Starken Frauen“ zusammengefasst sind.

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