Zwei Tage vor dem 17. Januar, an dem der Bundestag 100 Jahre Frauen-Wahlrecht feierte, kam bei den Frauen der SPD-Bundestagsfraktion die Idee auf, bei der Feier-Sitzung im Berliner Reichstag weiße Blusen anzuziehen. Man habe damit an die ersten Parlamentarierinnen von 1919 erinnern wollen, von denen einige ebenfalls weiße Blusen getragen hatten, um unter den vielen schwarz gekleideten Männern sichtbar zu werden, berichtet die SPD-Bundestagsabgeordnete des Wahlkreises Göppingen, Heike Baehrens (Bild). Sie habe eine weiße Bluse dabei gehabt, während einige der jungen Kolleginnen noch schnell hätten welche kaufen müssen.

Auf dem Bild von 2019 könne man sehen, dass die Frauen sich zwischen die Männer gesetzt hätten, um zu zeigen, dass es um Parität gehe. Baehrens hat beispielsweise den jungen Kollegen Thomas Hitschler aus Rheinland-Pfalz gefragt, ob er neben ihr sitzen möchte. Und er mochte. Baehrens geht es bei der Parität nicht nur um Männer und Frauen. „Es braucht Perspektiven ganz unterschiedlicher Lebensweisen wie beispielsweise Jung und Alt, und die Reihe lässt sich weiter fortsetzen“, sagt sie. Wenn man das Foto von 2019 aus dem Deutschen Bundestag mit dem der Nationalversammlung von 1919 vergleiche, sehe man den Fortschritt in der Parität. Gleichzeitig gebe es aber noch viel zu tun, was die Praxis der grundgesetzlich verbürgten Gleichberechtigung von Mann und Frau in Artikel 3
angehe.

Stolz sei sie auf die ersten Frauen und Vorkämpferinnen wie Marie Juchacz, Clara Zetkin und Luise Zietz, die vor hundert Jahren das aktive und passive Wahlrecht für Frauen erkämpft haben. Es seien vor allem Sozialdemokratinnen gewesen. 1919 seien von 423 Abgeordneten 41 Frauen gewesen und davon 19 Sozialdemokratinnen. Fast 90 Prozent der Frauen seien 1919  zur Wahl gegangen.

Heute sind im Bundestag von 709 Abgeordneten 219 Frauen, das seien gerade mal 30,9 Prozent, obwohl Frauen mehr als die Hälfte der Bevölkerung ausmachten, so Baehrens. In der SPD-Fraktion seien es 64 Frauen und 89 Männer. Mit der Reform 1977 konnten Frauen erstmals ohne die Erlaubnis des Ehemannes erwerbstätig werden, 1997 sei erstmals die Vergewaltigung in der Ehe unter Strafe gestellt worden und mit dem Quotengesetz sei es seit 2016 für Frauen leichter, „die gläserne Decke zu durchbrechen und gleiche Teilhabe und gleiche Rechte einzufordern.“

Die Gründerin der Arbeiterwohlfahrt, Marie Juchacz, habe am 19. Februar 1919 als erste Frau eine Rede in der Nationalversammlung gehalten und betont, dass das Wahlrecht eine Selbstverständlichkeit sei und den Frauen endlich das gegeben habe, was ihnen zu Unrecht vorenthalten worden sei.

Die Bundestagsabgeordnete Heike Baehrens sagt dazu: „Erfahrungen und Perspektiven von Frauen sind auch heute in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft genauso wichtig, wie die von Männern. Damit diese zum Zuge kommen, dafür müssen wir arbeiten.“