Ein reißender Fluss ist die Fils an diesem Vormittag nicht. Doch der Regen der vergangenen Tage hat den Pegel anschwellen lassen - das Nass reicht einem Erwachsenen bis zur Hüfte und fließt mit Schmackes weiter zur Mündung in den Neckar. "Ich kann nicht mit dem Bagger in den Fluss fahren, weil er zu viel Wasser hat", sagt ein Bauarbeiter. In dem trüben Fluss könne er nicht erkennen, wo er die Schaufel ablassen müsse.

Mit dem schweren Gerät hebt der Mann keine Grube aus, wie er es sonst oft tut. Stattdessen ebnen er und ein Kollege mit dem Bagger das Bett der Fils in Uhingen. Auf Höhe eines Autohändlers an der Schuhmannstraße haben die beiden Männer Ende März ein kleines Wehr eingerissen und den Höhenunterschied im Fluss mit Steinen ausgeglichen. Einige Brocken haben die Arbeiter mit den Zähnen der Schaufel aufgerichtet. Diese sogenannten Störsteine sollen die Strömung verstärken und den Fischen den Aufstieg erleichtern.

Die Stufe aus Beton haben die Männer durch eine schiefe Ebene aus Steinen in der Fils ersetzt. Über eine solche "raue Rampe" können Fische und andere Tiere ungehindert flussaufwärts zu ihren Laichplätzen gelangen oder zu ihrem angestammten Lebensraum flussabwärts. Verblieben von dem einstigen kleinen Wehr ist nur das Fundament. "Dieser Rest hält die ganze Sache zusammen", sagt einer der beiden Arbeiter. Überbleibsel der Betonschwelle sind noch an den Ufern zu erkennen.

Das Land macht an zwei weiteren Stellen der Fils den Weg frei für die Wanderung von Fischen. Dem Regierungspräsidium zufolge sollen in den kommenden fünf Wochen zwei weitere kleine Wehre in Uhingen fallen. Nach dem an der Schumannstraße sollen als nächstes die Schwellen bei der Brücke zwischen Uhland- und Hessestraße fallen sowie die Stufe bei der Kirchstraße. "Die Ausführungszeit wurde so gewählt, dass zum einen die Schonzeit für die Forellen zu Ende ist und zum anderen die im Frühjahr laichenden Fische noch nicht beeinträchtigt werden", begründet die Behörde in Stuttgart den Zeitpunkt der Arbeiten. Der Abriss der drei kleinen Wehre und die Errichtung der rauen Rampen kosten dem Regierungspräsidium zufolge rund 300.000 Euro.

Die Beseitigung der Schwellen im Flussbett soll die Gefahr durch eine anschwellende Fils bei schlechtem Wetter nicht vergrößern. "Durch die Umgestaltung wird die Hochwassergefahr nicht verschlechtert", teilt Regierungspräsident Johannes Schmalzl mit. Diese Woche wollen die Arbeiter das Ufer neben der früheren Schwelle zusätzlich mit großen Natursteinen befestigen. Einige Brocken haben die Männer schon an den Seiten aufgetürmt. Außerdem verteilen sie neue Erde an den Böschungen und drücken sie mit dem Bagger fest.

Die Arbeiten in Uhingen bedeuten den Abschluss eines größeren Unterfangens. Zuletzt hat das Land im Februar ein Wehr bei der Brücke nahe der Bahnhofstraße in Eislingen beseitigt. Insgesamt haben Arbeiter in den vergangenen Jahren 14 Stufen oder Schwellen in der Fils ausgebügelt. "Nach dem Ende der Umbauarbeiten in Eislingen und Uhingen werden alles landeseigenen Wanderhindernisse in der Fils beseitigt sein", teilte die Pressesprecherin des Regierungspräsidiums, Nadine Hilber, damals mit.

Voraussichtlich von Mitte Mai an ist der Fluss dann von Süßen bis zur Mündung in den Neckar bei Plochingen auf rund 30 Kilometern Länge frei von Hindernissen für die Tiere im Wasser. Alles zusammen soll die Beseitigung sowie der Umbau an den verschiedenen Stellen in dem Gewässer laut der Behörde in Stuttgart rund 500.000 Euro kosten.