Nachhaltigkeit Wecken kaufen und E-Fahrzeug aufladen

Türkheim/Deggingen / Ilja Siegemund 12.01.2018
Die Bäckerei Bopp bietet vor ihrer Filiale in Reichenbach im Täle eine Ladestation an. Auch in Türkheim und Deggingen sollen solche Stationen entstehen.

Die Bäckerei Bopp aus Türkheim hat sich der Nachhaltigkeit verschrieben: Das Mehl für die Backwaren stammt aus der Region, die Milch von Landwirten aus der Nachbarschaft und das Obst, mit dem gebacken wird, von umliegenden Wiesen. Ihr nachhaltiges Denken will die Bäckerei nun noch mehr ausbauen, betont der Bäcker- und Konditormeister Thorsten Bopp.

So können die Kunden der Filiale in Reichenbach im Täle bereits seit etwa einem halben Jahr ihre Elektro-Autos und -Fahrräder an einer speziellen Ladestation aufladen, während sie in der Bäckerei einkaufen. Der Strom stammt von Solarkollektoren auf dem Dach der Filiale, die die Sonnenenergie in Elektrizität umwandeln und ins Stromnetz  einspeisen. Bislang nutzen noch nicht übermäßig viele Kunden das Angebot, räumt Thorsten Bopp ein.  Das mag daran liegen, dass die Ladestation nicht in entsprechenden Apps für das Smartphone zu finden ist. „Wir wollen nicht, dass jemand sein Auto bei uns stundenlang kostenlos auflädt“, erklärt er diesen bewussten Verzicht. Vielmehr sei die Ladestation ein Angebot für Menschen, die es sich zum Beispiel bei einer Tasse Kaffee und einem Stück Kuchen gemütlich machen wollen, während ihr Elektrofahrzeug aufgeladen wird.

Die Bäckersleute aus Türkheim wollen nun noch weitere Ladestationen einrichten, zum Beispiel vor der Filiale an der Degginger Hauptstraße. Allerdings gibt es da ein Problem: der extreme Parkplatzmangel in der Ortsmitte. In einer öffentlichen Gemeinderatssitzung sprach sich Deggingens Bürgermeister Karl Weber bereits dagegen aus, das Vorhaben zu unterstützen. Er befürchtet, dass Fahrer von Elektro-Autos ihre Fahrzeuge über längere Zeit vor der Bopp-Filiale aufladen und damit einen der begehrten Parkplätze blockieren. Diese Haltung ist Thorsten Bopp aus Gesprächen mit dem Bürgermeister bekannt, in denen die Bäckersfamilie versuchte, die Sorgen zu zerstreuen. „Die Ladestation ist nur für Menschen gedacht, die bei uns einkaufen und einen Kaffee trinken wollen“, erklärt Thorsten Bopp. Dauer-Lader hätten keine Chance, weil man für die „Zapf-Säulen“ einen Schlüssel benötige, den man in der Filiale abholen müsse. Weitere Gespräche müssten nun zeigen, wie die Ladestation vor der Degginger Filiale vielleicht doch noch umgesetzt werden kann. Der 27-Jährige hofft, dass sich eine Lösung mit der Degginger Rathausverwaltung ergibt.

Auch am Hauptsitz im Geislinger Stadtteil Türkheim plant die Familie Bopp, eine Ladestation einzurichten. Doch bei diesen Stationen allein soll es nicht bleiben; auch der Fuhrpark der Bäckerei soll nachhaltig geprägt sein. „Denn das gehört einfach zur Energiewende dazu“, findet Thorsten Bopp. Schon vor zwei Jahren hatten sich er und sein Vater über Elektrofahrzeuge informiert, um die drei bisherigen Lieferwägen und den Verkaufswagen ersetzen zu können. „Leider fanden wir keine geeigneten Fahrzeuge“, bedauert der Bäckermeister. Die Bäckerei benötige Fahrzeuge mit langer Akkuleistung, um die Betriebsabläufe nicht zu gefährden. Doch auch jetzt sei die Technik leider noch nicht genügend ausgereift.