Naturschutz Wasserbüffel für Starengemeinde

Heiningen / Inge Czemmel 09.11.2018

Ein Turmfalke und Starenschwärme steigen in den Abendhimmel auf, die letzten Sonnenstrahlen spiegeln sich im Wasser, eine kleine Herde von Wasserbüffeln nimmt ein letztes abendliches Bad. Man muss nicht weit reisen, um diesen friedlich romantischen Anblick zu genießen. Zwischen Heiningen und Eschenbach liegt ein Feuchtgebiet, das über hundert Vogelarten, vielen Fröschen, Schlangen, Insekten und Molchen als Heimat, Brut- und Rückzugsort dient.

„Ein ökologisches Kleinod, wie es im Voralbland kein zweites gibt“, betont Heiningens Bürgermeister Norbert Aufrecht beim Vororttermin an der Heininger Naturschutzfläche, die 2003 vom Naturschutzbund Nabu wiederbelebt wurde und seither mit viel ehrenamtlicher Arbeit gepflegt wird.

Unterstützt von Bauhofmitarbeitern, wurde immer wieder mit hohem Aufwand versucht, dem Verlandungsprozess Herr zu werden. Erst vor kurzem wurde mit Spezialbaggern entschlammt und jede Menge abgelagerte organische Masse entnommen. Weil man mit dem manuellen Aufhalten des Verlandens immer mehr an die Grenzen stieß, machten sich Gemeinde und Nabu Gedanken über eine geeignete Alternative.

So entstand die Idee, das Gebiet mit einer kleinen Herde von Wasserbüffeln zu beweiden. Einer Tierart, die für das Gelände geradezu prädestiniert ist. Wasserbüffel sind robust und genügsam, bevorzugen Sumpfpflanzen und rohfaserreiches – eigentlich minderwertiges Futter – und sind für eine ganzjährige Beweidung im Außenbereich geeignet.

„Wenn es langfristig sehr hohe Minustemperaturen geben sollte, hole ich sie natürlich in den Stall“, erklärt Reiner Frey, dem die Wasserbüffel gehören. Der Landwirt aus Bärenbach hält seit elf Jahren Wasserbüffel und besitzt im Moment insgesamt 25 Tiere. Einige weiden rund um Salach auf Obstbaumwiesen, die keiner mähen möchte.

Drei Kühe, drei Kälber und ein Bulle betreiben nun am und im Feuchtbiotop Heiningen natürliche Landschaftspflege und scheinen sich dabei sichtlich wohl zu fühlen. Auf dem 4,5 Hektar großen, eingezäunten Gelände haben sie nicht nur viel Platz, sie genießen auch das Badevergnügen.

„Dass die Tiere ab und zu bis zum Bauchnabel im Wasser stehen und sich darin suhlen ist völlig normal“, erklärt Frey. Spaziergänger bräuchten sich also weder Sorgen zu machen, noch Hilfe zu holen. Frey kontrolliert täglich, ob mit seinen Tieren alles in Ordnung ist und auch die Nabu-Mitglieder haben einen Blick auf die Wasserbüffel, die bitte nicht zusätzlich gefüttert werden sollten. Reiner Frey wurde vor elf Jahren über einen Bekannten auf die Wasserbüffel und ihre Vorteile aufmerksam. Er beschaffte sich drei Tiere aus Rumänien und zog eine eigene Nachzucht auf. „Die Tiere sind zutraulich, friedlich, ruhig und kennen einen genau“, erzählt er.

Norbert Aufrecht freut sich, dass es gelungen ist die Wasserbüffel nach Heiningen zu holen und betont: „Das war nur durch einem kräftigen finanziellen Zuschuss des Landschaftserhaltungsverbandes (LEV) des Landkreises möglich.“ Alexander Koch und Franziska Schill vom LEV strahlen beim Anblick der Idylle mit Wolfgang Lissak vom Nabu um die Wette. „Ein spannendes Projekt“, freut sich Koch, der sicher ist, dass die Wasserbüffel Dynamik in die Fläche bringen werden. Die Maßnahme werde die Entwicklungsfläche fördern und für eine noch höhere Artenvielfalt im Feuchtbiotop sorgen.

Ein Eldorado für viele Vogelarten

Beobachten Die vom Nabu unterhaltene Vogelbeobachtungsstation am Rande des Areals bietet Spaziergängern Gelegenheit selbst zu beobachten, was sich dort alles tut. Die Morgen- und Abendstunden sind dafür am günstigsten.

Artenvielfalt Der Rohrwasen ist ein Eldorado für Vögel. Rohrammer und Teichrohrsänger, Braun- und Schwarzkehlchen, Bekassine und Zwergschnepfen – der Besucher kann sich an einer Infotafel kundig machen, was er gerade sieht.

Staren Die Staren, von denen die Heininger ihren Spitznamen haben, fühlen sich gerade auch im Rohrwasen wohl. Vogelexperte Wolfgang Lissak kann erzählen, wie sie oft abends in Schwärmen ins Schilf einfallen, um dort zu übernachten, im Sommer zu vielen tausenden.

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