Eislingen Wandeln zwischen gestern und heute

Lothar Weccard (r.) schlug bei der Führung auf dem Geschichtspfad den Bogen von der Vergangenheit in die Gegenwart.
Lothar Weccard (r.) schlug bei der Führung auf dem Geschichtspfad den Bogen von der Vergangenheit in die Gegenwart. © Foto: Axel Raisch
Eislingen / Axel Raisch 05.09.2018
Sommer der Verführungen: Teil zwei des Rundgangs auf dem  Geschichtspfad führte in den Südteil Eislingens.

„Wissen Sie, weshalb es in Eislingen einen Geschichtspfad gibt? Weil es kein Museum gibt.“ Ein Teilnehmer, der ungenannt bleiben möchte, bedauerte auf dem Weg über den Südteil des Eislinger Geschichtspfads, dass es Eislingen versäumt habe, ein  Haus der Geschichte aufzubauen. „Es wäre noch ein Wunschtraum für die Zukunft“, meint Gästeführer und Stadtrat Lothar Weccard dazu. Es stelle sich die Frage, ob es ein Gebäude gäbe, welches dafür in Frage käme. Als Zukunftsvision sei es aber eine Überlegung wert.

Der Geschichtspfad habe aber durchaus seine Vorteile, betont Weccard, der in Salach aufgewachsen ist und seit 1989 in Eislingen lebt. Man bewege sich und lerne weitere interessante Ecken Eislingens kennen. Geschickt band Weccard so auch den Poetenweg, den Frauenweg und auch den Saurierpfad in seinen Rundgang über den Geschichtspfad ein und wies en passant auf weitere mögliche Ziele in Eislingen hin, die einen Ausflug wert seien. Beispielweise die Stadthalle, das Hallenbad oder im Sommer die Konzerte des Filstalrock.

Nicht nur die Wege zwischen den einzelnen Stationen waren bei angenehmen Temperaturen kurz, sondern auch der Weg zwischen Vergangenheit und aktuellen Entwicklungen, zwischen Klein-Eislingen und den Veränderungen, die den Eislinger Süden in den vergangenen Jahren geprägt haben und weiter verändern. Beim Bahnhof etwa, wo die Industrialisierung genauso Thema war wie der bevorstehende Umbau zum Mobilitätszentrum, oder an der Lutherkirche, wo die mögliche Umgestaltung des Bereichs des alten Klein-Eislinger Zentrums angesprochen wurde.

An der Mühlbachtrasse war die geplante neue Süd-Nord-Verbindung genauso von Interesse wie die Bedeutung der Wasserkraft in früheren Zeiten. Daneben gab es auf dem kurzweiligen Weg unterschiedliche „Begegnungen“ mit Personen, deren Name mit Eislingen verbunden ist: Beim Besuch des Friedhofs stand der „Geolog und Theolog“ Dr. Engel im Zentrum, am Wasen hörten die Teilnehmer den langjährigen Bürgermeister Günther Frank über eine Audio-Datei manisch sprechen, die Kleineislinger Geheimsprache der Nachkriegsjugend. Weitere Themen waren das Elend der Zwangsarbeiter, die Rolle der Weber und ihrer Heimarbeit bei der wirtschaftlichen Entwicklung sowie der Verbindungsweg der alten Römer, der ungefähr der Trassenführung der Poststraße entspricht.

Start der Tour war wie schon beim Weg über den Nord-Teil des Geschichtspfads am neuen Rathaus. Zehn von 23 Stationen befinden sich in Klein-Eislingen, das seit der Vereinigung mit Groß-Eislingen im Jahre 1933 zur Stadt Eislingen deren Südteil bildet. Einige der rund 15 Teilnehmer hatten rund einen Monat zuvor bei großer Hitze bereits an der Nordrunde teilgenommen. So wie Karlheinz Schmid aus Bad Boll, den vor allem der Aspekt der Industrialisierung interessierte. Dietmar Ruf aus Eislingen-Nord hatte ebenfalls am ersten Teil teilgenommen und wollte nun sehen, was in Eislingen-Süd „noch vorhanden ist, an was man sich erinnert und wie die Geschichte dokumentiert ist“. Herbert Rohm aus Schlat interessierten die frühere und jüngere Geschichte der Stadt, denn zum einen sei er geschichtlich interessiert, zum anderen habe er in den Sechziger- und Siebzigerjahren in Eislingen-Nord gewohnt. „Sehr verändert“ habe sich die Stadt, sagt Rohm, der sich noch gut an „das Chaos am Bahnübergang“ ­erinnert.

Info Über freie Plätze bei den Veranstaltungen kann man sich unter www.sommer-der-verfuehrungen.de

Stadt wollte kein Stempelmuseum

Geschichte und Geschichten bietet Eislingen über alle Epochen hinweg: Von den Fischsauriern über die Römer und Alemannen bis hin zu den Entwicklungen der Neuzeit, etwa dem Zusammenwachsen zweier Stadtteile.

Museum Vor wenigen Jahren scheiterte ein Vorhaben in Eislingen. Stadtrat Peter Ritz hatte die Zusage zur Übernahme eines kompletten Stempelmuseums, das aufgrund der Erfahrungen am alten Standort in Österreich Potenzial als Besuchermagnet und für weitere Themen gehabt hätte. Eine Mehrheit war jedoch dagegen.

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