"Was nützen bestens ausgestattete Krankenhäuser, wenn die Erste Hilfe zu spät kommt", klagte Bürgermeister Karl Vesenmaier. Verwaltung und Gemeinderat seien überzeugt, dass Rettungswagen und Notarzt länger als die vorgeschriebenen Fristen nach Wäschenbeuren brauchen. Angestoßen wurde das Thema im Frühjahr von der CDU-Fraktion.

In Notfällen müssen Rettungswägen innerhalb von zehn, Notärzte in 15 Minuten vor Ort sein. Wäschenbeuren werde vom Rettungsdienst aus der Göppinger Klinik am Eichert oder aus Uhingen angefahren. Die Entfernung und der dichte Verkehr auf der B 297 würden die Einhaltung der Hilfsfristen unmöglich machen, sagte Vesenmaier. Um diese Vermutung zu klären, habe die Gemeinde um konkrete Zahlen über Einsätze vor Ort bemüht. "Leider erfolglos", gab Vesenmaier in der Sitzung bekannt.

Keine Daten einzelner Kommunen

Zwar offenbarte der Bereichsausschuss Zahlen über den gesamten Kreis. Demnach wurde die notärztliche Hilfsfrist 2013 nur in rund 93 statt der vorgeschriebenen 95 von 100 Fällen erfüllt. Die Rettungssanitäter hätten sich dagegen mit einer Quote von 96 Prozent innerhalb der Vorschrift bewegt. Tatsächlich werde der Ausschuss aber keine Daten, die sich auf einzelne Kommunen beziehen, veröffentlichen.

Laut Alexander Sparhuber, Geschäftsführer beim Bezirksverband des DRK, sei dies eine Weisung des Innenministeriums. "Daraus kann ich nur folgern, dass die Hilfsfristen maßlos überschritten werden", lautete das Fazit des Schultes.

Positiv sei zu vermerken, dass Rettungsdienstleiter Ralph Schuster einer weiteren Nachfrage der Gemeinde nachgehe: dass Notrufe oft bei der Leitstelle in Aalen auflaufen. Weil von dort erst nach Göppingen umgeleitet werden muss, vergehe wertvolle Zeit. Schuster habe zugesagt, diese Problematik dem Innenministerium vorzutragen.

Forderung: An den Bundesdurchschnitt herantasten

In Sachen Hilfsfristen ruhe Vesenmaiers Hoffnung auf dem Gespräch, zu dem Landrat Edgar Wolff für Mitte November eingeladen habe. Auch die Krankenkassen, also die Geldgeber für den Rettungsdienst, seien dabei. Allerdings könne er auf ein reines "Beruhigungsgespräch" verzichten. "Den Behörden muss klar werden, dass bei uns in dieser Hinsicht eine Krise herrscht", sagte Vesenmaier. Das Ausbluten kleiner und mittlerer Gemeinden müsse gestoppt werden.

Alle Fraktionen stimmten den Ausführungen des Bürgermeisters vehement zu. Der CDU-Fraktionschef Erich Hieber nannte eine konkrete Forderung: "Nur ein weiterer Notarztstandort kann die Situation für den östlichen Schurwald verbessern." Denkbar wäre ein besetzter Posten in Rechberghausen. Der 2013 eingesetzte Standort in Süßen bedeute für Wäschenbeuren nicht die geringste Verbesserung, bekräftigte Fraktionskollege Oliver Hokenmaier. Seiner Meinung nach müsse die Landespolitik entscheidend nachbessern. "Berlin und Brandenburg geben beim Rettungsdienst pro Patient 71 Euro aus, Baden-Württemberg nur 29", rechnete er vor. Zumindest an den Bundesdurchschnitt von 42 Euro sollte sich das Land herantasten. Hieber pflichtete ihm bei. "Schlussendlich müssen wir unsere Vertreter im Landtag ansprechen und mobilisieren."

Gutachten über Ausbau von Straße

Der SPD-Fraktionsvorsitzende Peter Schührer ging auf die Planungsgröße von 95 Prozent ein. "Die restlichen fünf Prozent sind nach dem Gesetz für Ausnahmefälle vorgesehen, wie etwa erschwerte Fahrten bei Eis und Schnee." Keinesfalls dürfe sich diese Zahl daraus ergeben, dass einzelne Randgemeinden deutlich langsamer angefahren würden.

Peter Baudisch (CDU) schlug vor, einen Verkehrsplaner mit einem Gutachten zu beauftragen. Der könne ausrechnen, wie sich die Lage verändert, wenn die Straßen zwischen Krettenhof und Stauferpark zur Kreisstraße ausgebaut würden. Hieber berichtete, dass der Kreis seines Wissens nach bereits ein Gutachten über diese Nebenstraßen erstellt habe.

Der Beschluss: Vier Vertreter der Fraktionen werden mit Bürgermeister Vesenmaier der Einladung von Landrat Wolff am 19. November folgen.