Kreis Göppingen VVS-Beitritt des Landkreises: Zeit reif für Entscheidung

Kreis Göppingen / Annerose Fischer-Bucher 18.01.2019
Die Referenten plädierten bei der Bürgerinformation zur VVS-Vollintegration für den Beitritt des Kreises. Der Kreistag entscheidet am 1. Februar.

Bei der gut besuchten Bürgerinformationsveranstaltung in der Kulturhalle in Süßen plädierten sämtliche Referenten für einen Vollbeitritt zum Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart (VVS). Der Kreistag wird am 1. Februar über eine Vollintegration des Landkreises Göppingen in den VVS entscheiden. Nach den Referaten sprachen sich auch Bürger sowie der Vertreter der IHK für die Vollintegration aus, bemängelt wurde jedoch der späte Zeitpunkt.

Nicht jeder will den Vollbeitritt

Wie am Rande der Veranstaltung von Teilnehmern zu erfahren war, ist eine Mehrheit im Kreistag offenbar noch nicht gesichert: SPD, Grüne und FDP haben Zustimmung signalisiert, während die CDU gespalten ist und die Freien Wähler noch mit sich ringen. Auch im oberen Filstal gibt es teilweise noch Bedenken.

Nach einem Grußwort von Süßens Bürgermeister Marc Kersting, der sich ebenfalls für den Vollbeitritt aussprach, weil er gerade für junge Leute und für Schüler mit einem veränderten Mobilitätsverhalten Chancen biete, ließ Landrat Edgar Wolff den insgesamt drei Jahre dauernden Beratungs- und Entscheidungsprozess Revue passieren. Er wies auf das seit Herbst 2017 vorliegende und ausverhandelte Angebot des VVS hin, zu dem es im letzten Halbjahr noch einmal Veränderungen gegeben habe.

Landrat: „Kraftakt für den Landkreis“

Wolff: „Die Zeit ist jetzt reif für eine Entscheidung.“ Das Thema sei komplex, bedeutend und umstritten, deswegen sei es richtig gewesen, sich Zeit für die Entscheidung zu lassen und sämtliche Chancen und Risiken abzuwägen. Wolff plädierte für einen Vollbeitritt, denn der ÖPNV müsse auch aus Luftreinhaltungsgründen zunehmen. Er sprach jedoch gleichzeitig von einem „Kraftakt für den Landkreis“ wegen des Klinikneubaus und der Erweiterung des Landratsamtes. Es werde Druck auf die Kreisumlage geben. Aber der Nutzen lohne den finanziellen Aufwand und deswegen werde man dem UVA und dem Kreistag bei der Abstimmung den VVS Vollbeitritt vorschlagen.

Hier die wichtigsten Fragen und
Antworten des Infoabends:

Wann entscheidet der Kreistag und wann würde die Voll-Integration bei einem positiven Votum in Kraft treten?

Wolff, Stammler, Wienecke: Der Kreistag entscheidet am 1. Februar, ob Vollbeitritt oder nicht. Bei einer positiven Entscheidung würde der Beitritt ab 1. Januar 2021 beginnen.

Was sind die Vorteile eines Vollbeitritts?

Stammler: Bei der jetzigen Teilintegration gelten einige Tickets schon teilweise, aber bei der Vollintegration gelten sie überall und auf allen Verkehrsmitteln des ÖPNV, ohne dass ein zweites Ticket gelöst werden muss. Es wird für Kunden auch über Handytickets einfacher und durch zunehmende Nutzung digitaler Mobilitätsdienste. Schüler müssen nicht mehr als bisher bezahlen, haben aber alle Vorteile in der gesamten Region. Senioren (Ticket 46 Euro pro Monat), Azubis, Studenten, Aus- und Einpendler profitieren. Die über 100 kleineren Zonen im bisherigen Filslandverbund werden auf vier Tarifringe reduziert mit 2,50 Euro pro Einzelticket. Viele Fahrgäste können innerhalb des Rings fahren, was deutlich günstiger wird. Busunternehmen werden Einnahmeausfälle erstattet.

Wie sehen die Kosten für den Landkreis aus?

Wienecke: Man rechnet auf die Zukunft mit 3 bis 5 Millionen Euro zusätzlich.

Wie sahen die Kosten bezogen auf den ÖPNV bislang im Landkreis aus?

Wienecke: Bis 2010 gab der Landkreis pro Jahr 2,5 Millionen aus, dann 4,5 Millionen und heute etwa 10 Millionen. Beim Vollbeitritt liegen die Kosten zwischen 13 und 15 Millionen.

Welche Überlegungen und Veränderungen sprechen zusätzlich für eine Vollintegration?

Wienecke: Bislang gab es keine durchgängigen Tickets und in der Region eine schlechte Wahrnehmung des Kreises. Der Kreis ist bislang von Leistungen ausgeschlossen, die durch die Verkehrsumlage finanziert werden. Im Verbund würde es eine Unterstützung für das neue Buskonzept geben. Ab 1. April wird eine große Tarifzonenreform der Region stattfinden. Auch ohne Vollbeitritt müsste der Landkreis 3 Millionen aufwenden, bei einem Vollbeitritt sind es zwei Millionen mehr, aber es gibt dafür auch alle Vorteile. Bei der Auflösung des Filstalverbundes werden die Mitarbeiter übernommen.

Wer profitiert am meisten vom Vollbeitritt?

Wurmthaler, Bernecker: Durch wichtige Wachstumsimpulse profitiert der gesamte Kreis, der ländliche Raum, die Unternehmen durch die größere Standort­attraktivität, die 20 000 Einpendler und die 35 000 Auspendler pro Tag und jeder, der mit dem ÖPNV unterwegs ist. Erwartet wird, dass 35 000 Menschen für den ÖPNV hinzugewonnen werden können. Menschen in der Region identifizieren sich nach Umfragen am meisten über den Verkehr. Stärke entsteht durch Gemeinsamkeit und durch Solidarität. Mit dem Beitritt wird die Unabhängigkeit des Kreises nicht genommen.

Kreistag entscheidet am 1. Februar über Beitritt

Referenten Bei der Bürgerinfo sprachen: Jörg-Michael Wienecke, Amtsleiter des Amtes für Mobilität und Infrastruktur im Landkreis Göppingen; Horst Stammler, VVS-Geschäftsführer; Dr. Jürgen Wurmthaler, Leitender Direktor Bereich Wirtschaft und Infrastruktur des Verbands Region Stuttgart; Professor Dr. Tobias Bernecker, Hochschule Heilbronn.

Entscheidung Am 22. Januar berät der Kreistagsausschuss für Umwelt und Verkehr (UVA) über den Vollbeitritt. Am 1. Februar entscheidet der Kreistag in einer Sondersitzung.

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