Klinik VRE-Keime: „Infektionsrate ist extrem niedrig“

Dr. Matthias Orth würde sich in der Klinik am Eichert operieren lassen – trotz des VRE-Keims. Er ist überzeugt: „Es ist derzeit wahrscheinlicher, dass ich mir diesen Keim eher in einem anderen Krankenhaus einfange.“
Dr. Matthias Orth würde sich in der Klinik am Eichert operieren lassen – trotz des VRE-Keims. Er ist überzeugt: „Es ist derzeit wahrscheinlicher, dass ich mir diesen Keim eher in einem anderen Krankenhaus einfange.“ © Foto: Staufenpress
Kreis Göppingen / Susann Schönfelder 23.07.2018
Die Patientenzahl geht spürbar zurück, die Angst vor dem VRE-Keim in der Klinik am Eichert ist groß. Dr. Matthias Orth, Klinikhygieniker am Stuttgarter Marienhospital, relativiert die Gefahr.

Anfang des Jahres wurde bei vielen Patienten an der Klinik am Eichert in Göppingen  der multiresistente VRE-Keim nachgewiesen. Seitdem ging die Zahl der Patienten spürbar zurück, die Angst, sich den Erreger einzufangen, ist offensichtlich groß. Dr. Matthias Orth, Chefarzt des Instituts für Labormedizin und Klinikhygieniker am Stuttgarter Marienhospital, plädiert dafür, achtsam zu sein, aber die Kirche im Dorf zu lassen. Der Experte selbst würde sich aktuell in Göppingen operieren lassen, erklärt er im Interview mit unserer Redaktion. Es sei derzeit wahrscheinlicher, sich diesen Keim eher in einem anderen Krankenhaus einzufangen. Man müsse sich vor Augen führen, dass in der Klinik am Eichert pro Jahr nur ungefähr ein einziger Patient an einem VRE-Keim erkrankt – und das bei 35.000 stationären und 60.000 ambulanten Patienten. Die Infektionsrate sei also extrem niedrig.

Andere multiresistente Erreger seien am Eichert deutlich seltener als in anderen Krankenhäusern. „Das heißt, es gibt keine schlechte Hygiene in der Klinik am Eichert“, betont Orth. Göppingen stehe mit dem Problem multiresistenter Keime keineswegs allein da: Es gibt es auch einen Arbeitskreis, der Empfehlungen im Namen des Landesgesundheitsministeriums an die Krankenhäuser herausgibt.

Was genau ein multiresistenter Erreger (MRE) ist und welche dieser Keime in Deutschland am häufigsten vorkommen, lesen Sie am Dienstag in der gedruckten NWZ und im E-Paper.

Chefarzt am Institut für Labormedizin

Zur Person: Privat-Dozent Dr. Matthias Orth ist seit 14 Jahren Chefarzt am Institut für Labormedizin und Klinikhygieniker am Marienhospital in Stuttgart. Er hat am Arbeitskreis Krankenhaushygiene vom Landesgesundheitsamt mitgearbeitet. Zwischen dem Marienhospital und den Alb-Fils-Kliniken bestehen seit Jahren enge Kontakte. Matthias Orth ist 54 Jahre alt, verheiratet und hat eine Tochter.

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